08.02.2020 - 00:01 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Die Unermüdliche

Gebürtige Schnaittenbacherin Maria Dotzler erhält Bundesverdienstkreuz

Auch Mittagspause wird für das ehrenamtliche Engagement genutzt: Maria Dotzler und Margit Adamski vom Verein „zweitesLeben“ bei der Besprechung.
von Autor EWAProfil
Wenn Not am Mann ist, steht Maria Dotzler auch selbst mal hinter der Theke des Vereinscafés.

Vor ihr steht ein Teller Süßkartoffelsuppe, gleich daneben liegen Stift und Zettel. Pause macht Maria Dotzler selten. Auch jetzt, während sie mit Freundin und Vereinskollegin Margit Adamski im Café „zweitesLeben“ sitzt und sie eigentlich in Mittag ist, gibt es wieder einiges zu tun. Schließlich muss die Vorstandssitzung für den Abend vorbereitet werden. „Angefangen hat 1998 eigentlich alles damit, dass wir gemerkt haben, dass Menschen mit Hirnschädigung nach der Reha noch lange nicht fertig sind mit der Therapie“, erzählt die Sozialpädagogin, die als Fachbereichsleiterin des Sozialdienstes in der Klinik für Neurologische Rehabilitation am Bezirksklinikum Regensburg beschäftigt ist. „Die Leute werden sich selbst überlassen. Dabei brauchen sie dringend jemanden, der ihnen beim Start in ihr zweites Leben hilft.“

Es kann jeden treffen

Was damals mit einer kleinen Gruppe von Ehrenamtlichen begann, ist inzwischen zum Verein „zweitesLeben“ mit derzeit 556 Mitgliedern geworden. „Das Schicksal einer Hirnschädigung kann uns alle treffen“, sagt Gründungsmitglied Maria Dotzler. „Die Menschen werden von einer Sekunde zur anderen durch einen Unfall, eine Schädel-Hirnverletzung oder einem Schlaganfall aus ihrem bisherigen Leben gerissen.“ Der Verein, der im Jahr 2000 gegründet wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Versorgungslücken zu schließen. Das erste Projekt damals: die Anschaffung eines Vereinsautos. Dieses dient dazu, betroffene Menschen mobiler zu machen und ihnen das Teilhaben am gesellschaftlichen Leben in verschiedenster Weise zu ermöglichen.

Bald folgte der Neubau eines Neurologischen Nachsorgezentrums (NNZ), dieses ging 2008 in Betrieb. Es kostete fast drei Millionen Euro und wurde ausschließlich aus Spenden finanziert. Nach Fertigstellung wurde das Haus schuldenfrei an den Bezirk Oberpfalz übergeben und wird seitdem als Neurologisches Nachsorgezentrum „Haus zweitesLeben“ von der medbo Regensburg betrieben. Doch es gibt noch mehr Projekte, die der Verein inzwischen verwirklicht hat. Dazu zählt auch das Café „zweitesLeben“, das nicht nur geschätzter Treffpunkt von Kranken, Angehörigen, Besuchern, Ärzten und Therapeuten ist, sondern auch Arbeitsplätze für Betroffene bietet. Und eben ein Ort, wo es gute Süßkartoffelsuppe gibt.

Es kommt auch schon mal vor, dass Maria Dotzler, die in Schnaittenbach geboren und aufgewachsen ist, selbst mal hinter der Verkaufstheke steht, wenn Not am Mann ist. Zu tun gibt es immer etwas, zur Ruhe kommt sie selten. Neben ihrer Vollzeitbeschäftigung sind es meistens noch mindestens 20 Stunden in der Woche die sie ehrenamtlich für ihren Verein arbeitet. „Meist reicht das gar nicht“, sagt sie. „Das Privatleben bleibt da häufig auf der Strecke, das ist wahr.“ Aufhören kommt für sie dennoch nicht in Frage. Denn auch das neue Projekt ihres Vereins hat es in sich: Insgesamt 14 barrierefreie Wohnungen im Nibelungenareal sollen Menschen mit Hirnschädigung bald ein selbstständiges Wohnen ermöglichen.

Für ihr jahrelanges ehrenamtliches Engagement hat Maria Dotzler 2019 das Bundesverdienstkreuz erhalten.
Auf dem Gelände des Bezirksklinikums Regensburg verwirklichte Maria Dotzler mit ihrem Verein erfolgreich das Projekt Nachsorgezentrum.

Ins dritte Leben

Sie sorgt sich gerne um andere. Sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, das liegt Maria Dotzler dagegen gar nicht. Deswegen war sie auch erst einmal sehr überrascht, als sie im vergangenen Jahr die Mitteilung bekam, dass sie für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland erhalten sollte. „Ich habe mich schon sehr gewundert, als ich einen Brief mit dem Absender Dr. Markus Söder im Briefkasten fand“, erzählt sie und lacht. „Ich dachte: Was will denn der von mir?“ Inzwischen ist sie jedoch auch stolz auf diese besondere Auszeichnung, die ihr vor zwei Monaten übergeben wurde.

„Es freut mich, dass Engagement auch ausgezeichnet wird. Das ist ein Zeichen, dass dieses nicht nur wahrgenommen wird, sondern dass man tatsächlich etwas bewegen kann.“ Und bewegen will Maria Dotzler noch viel. Aber im Sommer darf auch erst einmal gefeiert werden – und zwar in Schnaittenbach. „Da starte ich dann sozusagen in mein drittes Leben, ich gehe in den Ruhestand“, sagt Maria Dotzler und lacht noch einmal. „Aber natürlich bleibe ich dem Verein weiter erhalten. Meine Aufgabe ist es jetzt, diesen gut in die Zukunft zu bringen. Aber ich freue mich auch darauf, endlich mal Zeit zu haben, in Ruhe ein Buch zu lesen oder mal in Urlaub zu fahren.“

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