01.11.2021 - 09:10 Uhr
Schneeberg bei WinklarnOberpfalz

Weniger Plastik in der Küche: Alternative zur Frischhaltefolie

Schneiden, Pinseln, Bügeln: Monika Ermer fertigt in der Wachstuch-Werkstatt in Winklarn eine Alternative zum Frischhalten von Lebensmitteln an. Ihre Bienenwachstücher sind nachhaltiger und auch schöner als Klarsichtfolien.

In ihrer Wachstuchwerkstatt bestreicht Monika Ermer die bunten Baumwollstoffe mit einer selbst abgemischten Bienenwachstinktur. Nach dem Trocknen und Bügeln erfolgt der endgültige Zuschnitt.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Monika Ermer aus Schneeberg bei Winklarn ist ein Tausendsassa. Die Meisterin der Hauswirtschaft befasst sich seit vielen Jahren mit Kräutern und Kneipp-Medizin, sie gibt Vorträge und hat sich als Kursleiterin für Heilpflanzenkunde weitergebildet. Doch dafür hat sie immer weniger Zeit, nachdem sie vor einigen Jahren eine Wachstuch-Werkstatt im Dachgeschoss eingerichtet hat.

„Auf die Idee hat mich mein Sohn Maximilian gebracht“, erklärt Monika Ermer. Und nachdem sie schon immer sehr naturverbunden unterwegs war, gefiel ihr die wiederverwendbare Alternative zur Alu- und Frischhaltefolie auf Anhieb. „Das Tuch lässt das Essen atmen und hält es so länger frisch“, so ihre Erfahrung. Ein Jahr lang hat sie herumprobiert, bis sie dann 2018 „in Serie“ ging und unter dem Namen „Bieneco“ mit der vom Sohn kreierten Homepage und Visitenkarte auch regionale Läden ansprach.

Tinktur aus Bienenwachs

Beim Besuch der Oberpfalz-Medien-Redaktion ist sie gerade dabei, neue Tücher für die Adventsmärkte herzustellen. Im Holzschrank warten ihre Stoffmuster-Schätze in vielen Farben und Mustern: gestreift, gepunktet, kariert, mit Blümchen oder kleinen Herzen. „Ich nehm nur Bio-Qualität und Öko-Tex zertifizierte Baumwollstoffe“, sagt Monika Ermer und schneidet ein rotes Tuch unter der halbrunden, gläsernen Schablone zu. Darauf streicht sie eine warme Mischung aus regionalem Bienenwachs, selbst gesammeltem Fichtenharz und dem zugekauften Jojobaöl in Bioqualität. „Das Öl ist notwendig, damit die Tücher nicht zu starr werden und brechen“, erklärt sie ihre Tinktur.

Nach dem Trocknen erfolgt der zweite Schnitt mit einem Rollschneider für saubere Kanten. Die Tücher werden noch einmal faltenfrei gebügelt und anschließend in Papiertüten verpackt. Für die Frischhaltebeutel kommt vorher noch die Nähmaschine zum Einsatz. „Die Bienenwachstücher sind keine neue Erfindung. Schon unsere Urgroßmütter haben sie zum Frischhalten benutzt“, sagt die Hauswirtschaftsmeisterin und ergänzt: „Früher hat man sich das zunutze gemacht, was man gehabt hat.“

Vielseitig verwendbar

Mittlerweile hat auch sie selber ihren Plastikkonsum stark eingeschränkt: „Ich kauf nur noch Metallschüsseln.“ Durch Handwärme haftet das Tuch aber auch an Glas, Keramik und Porzellan und ist vielseitig verwendbar, berichtet die Schneebergerin von ihren Erfahrungen. Sie bewahrt so ihre Gemüse- und Essensreste im Kühlschrank auf, wickelt Käse, Brot oder angeschnittenes Obst darin ein. Ihr Tipp: „Man sollte mehrere Tücher in Gebrauch haben.“ Denn Waschen in der Waschmaschine ist natürlich tabu. Die Reinigung beschreibt sie als unkompliziert: Mit kaltem Wasser abwischen und nur bei starker Verschmutzung einen Tropfen Spülmittel dazugeben. Wer will kann einen Schuss Essig zum Desinfizieren verwenden. Doch eigentlich sei das gar nicht nötig, so die Expertin, denn das Material sei von selber antibakteriell. Die Haltbarkeit sieht Monika Ermer für etwa ein Jahr gegeben, „auch wenn die Schönheit bis dahin leidet“. Doch auch zum Ende ihrer Lebenszeit müssen die Bienenwachstücher nicht in der Mülltonne landen: Man kann sie als Anzünder für den Holzofen verwenden oder kompostieren.

Vortrag von Kräuterfrau Monika Ermer beim Frauenbund in Oberviechtach

Oberviechtach

„Die Bienenwachstücher sind keine neue Erfindung. Schon unsere Urgroßmütter haben sie zum Frischhalten benutzt.“

Monika Ermer

 

 

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