31.01.2020 - 08:50 Uhr
Oberpfalz

Schneller ans Ziel – Möglichkeiten zur Verkürzung der Ausbildungszeit

Zwischen zwei und dreieinhalb Jahren dauert eine reguläre Ausbildung. Eine ganz schön lange Zeit, bevor es zum endgültigen Berufseinstieg kommt. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, die Ausbildungsdauer zu verkürzen.

Unter bestimmten Voraussetzungen besteht die Möglichkeit, die Ausbildungszeit zu verkürzen, unter anderem, wenn der Azubi einen höheren Schulabschluss als gefordert nachweisen kann.
von Mona-Isabelle Aurand Kontakt Profil

Das Berufsbildungsgesetz besagt, dass die Ausbildungszeit verkürzt werden darf, „wenn zu erwarten ist, dass das Ausbildungsziel in der gekürzten Zeit erreicht wird“. Gemeinsam mit dem Ausbildungsbetrieb muss der Auszubildende dazu einen Antrag stellen und diesen bei der zuständigen Kammer einreichen. Minderjährige müssen den Antrag zudem von ihren Eltern oder dem gesetzlichen Vertreter unterschreiben lassen.

Im Idealfall sollte bereits bei Vertragsschluss mit dem Ausbildungsbetrieb über eine mögliche Verkürzung gesprochen werden. Denn die Ausbildungszeit muss auch im entsprechenden Ausbildungsvertrag vermerkt sein. Der Antrag auf Verkürzung kann allerdings auch noch während der Ausbildung eingehen. Aber Achtung – es gibt Fristen zu beachten. Der Antrag muss spätestens ein Jahr vor dem regulären Ende der Ausbildungszeit eingereicht werden. Für die Prüfung im folgenden Sommer gilt der 20. November als Stichtag, für die im Winter der 20. Mai. Wenn die Ausbildungsdauer erst im Laufe der Ausbildung verkürzt wird, muss dies im Ausbildungsvertrag ebenfalls geändert werden. Es ist also ratsam, sich schon im Vorfeld gründlich Gedanken zu machen, ob und welche Form der Verkürzung in Frage kommt. Folgende Möglichkeiten gibt es in der Regel:

Berufliche Vorbildung

Wer bereits ein Berufsgrundbildungsjahr absolviert oder die Berufsfachschule besucht hat, kann sich diese Ausbildungszeit anrechnen lassen. Die jeweilige Verkürzung ist vom Bundesland abhängig. In Bayern wird beim Berufsgrundbildungsjahr bis zu einem Jahr, beim Besuch der Berufsfachschule ein halbes bis zu einem ganzen Jahr auf die Ausbildung angerechnet. Die Zeiten werden wie eine bereits erbrachte Ausbildungszeit gewertet, dem Auszubildenden steht eine dementsprechende Vergütung zu.

Berufserfahrung

Erste Berufserfahrungen in dem ausbildungsrelevanten Tätigkeitsfeld können die Ausbildungsdauer ebenfalls um bis zu zwölf Monate verkürzen. Allerdings muss der Azubi nachweisen, dass er mindestens die 1,5-fache Zeit der vorgeschriebenen Ausbildungsdauer in dem entsprechenden Beruf tätig war. Das bedeutet: Wer eine dreijährige Ausbildung anstrebt, muss mindestens viereinhalb Jahre Berufserfahrung nachweisen. Der Auszubildende startet ganz normal – auch gehaltstechnisch – im ersten Ausbildungsjahr.

Vorangegangene Ausbildungszeiten

Der Ausbildungsbetrieb ist doch nicht der richtige? Kein Problem. Wer den Ausbildungsbetrieb wechselt, dem wird die bereits erbrachte Ausbildungszeit normalerweise voll angerechnet. Da die Ausbildung fortgesetzt wird, kann der Azubi auch mit der entsprechend höheren Vergütung rechnen. Sollte jemand die Ausbildung unterbrechen müssen – zum Beispiel durch Krankheit oder Pflege von Angehörigen – muss ebenfalls nicht wieder bei null anfangen. Selbst wer sich beim Ausbildungsberuf noch einmal umentscheidet, kann sich zumindest die Grundausbildung – in der Regel die ersten zwölf Monate – anrechnen lassen. Voraussetzung ist, dass es sich um einen ähnlichen Berufszweig handelt.

Höherer Schulabschluss

Bei einem höheren Schulabschluss als er für die Ausbildung notwendig ist, kann die Ausbildungszeit ebenfalls verkürzt werden. Ist ein Hauptschulabschluss verlangt, der Azubi bietet aber einen Realschulabschluss beziehungsweise die Fachoberschulreife, kann er mit Zustimmung des Ausbildungsbetriebes die Regelausbildungszeit um bis zu sechs Monate verkürzen. Bei Abitur beziehungsweise Fachhochschulreife sogar um bis zu zwölf Monate. Ein Anspruch auf höhere Vergütung besteht allerdings nicht.

Ausbildung in Teilzeit

Anstatt die gesamte Ausbildungsdauer zu verkürzen, besteht die Möglichkeit, die wöchentliche Arbeitszeit während der Ausbildung zu reduzieren. Für die sogenannte Teilzeitberufsausbildung ist jedoch ein „berechtigtes Interesse“ notwendig. Das besteht dann, wenn beispielsweise das eigene Kind oder eine pflegebedürftiger Angehöriger zu Hause betreut werden muss. Die wöchentliche Arbeitszeit kann dann maximal auf 25 Stunden heruntergesetzt werden. Die gesamte Ausbildungszeit verlängert sich dadurch nicht – es sei denn, das Ausbildungsziel wird dadurch nicht erreicht. Der Auszubildende muss aber damit rechnen, dass er auch nur anteilig entsprechend der Wochenstunden bezahlt wird.

Überdurchschnittliche Leistung

In „besonderen Fällen“, wie es das Berufsbildungsgesetz nennt, sind Auszubildende vorzeitig zur Abschlussprüfung zuzulassen – „wenn ihre Leistungen dies rechtfertigen“. Das zu beurteilen, zu befürworten und zu bestätigen liegt bei den Ausbildern und der Berufsschule. Von einer überdurchschnittlichen Leistung ist dann die Rede, wenn der Notendurchschnitt der prüfungsrelevanten Fächer im vorangegangenen Berufsschulzeugnis sowie die praktischen Leistungen im Ausbildungsbetrieb besser als 2,49 sind. Mit der bestandenen Abschlussprüfung endet automatisch die Ausbildungszeit. Es ist daher nicht mehr nötig, den Ausbildungsvertrag entsprechend anzupassen.

Um die Ausbildungsdauer zu verkürzen ist es grundsätzlich möglich, mehrere Gründe zu kombinieren – zum Beispiel durch Berufserfahrung und die vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung dank überdurchschnittlicher Leistungen. Aber: Egal für welche Variante sich ein Auszubildender entscheidet, er muss dabei immer die Mindestausbildungszeiten beachten. Bei einer Regelausbildungsdauer von dreieinhalb Jahren kann maximal auf zwei Jahre, bei drei Jahren auf eineinhalb und bei zwei Jahren auf ein Jahr verkürzt werden. Während der verbleibenden Zeit ist es die Aufgabe sowohl des Ausbilders als auch des Auszubildenden selbst, dafür zu sorgen, das Ausbildungsziel erfolgreich zu erreichen.

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