10.03.2019 - 13:11 Uhr
Schönficht bei PlößbergOberpfalz

Gefahren durch Teiche nicht zu unterschätzen

Die Landtagsfraktion der Freien Wähler organisierte eine Fachtagung im Landkreis Tirschenreuth. Es gab einen guten Grund, diese Veranstaltung im Stiftland abzuhalten.

Hans Klupp (stehend) brachte sich in die Diskussion immer wieder ein und betonte den Standpunkt der Teich- und Fischereiwirte.
von Josef RosnerProfil

Teich- und Fischereiwirte aus ganz Bayern kamen am Donnerstag zur Fachtagung der Landtagsfraktion der Freien Wähler in das Gasthaus Klupp. Dr. Andreas Kolbinger vom Umweltministerium machte deutlich, dass für den Schutz von Teich- und Stauanlagen der Besitzer verantwortlich ist. Er trage auch die Verantwortung bei Schäden, zum Beispiel wenn der Damm breche oder aus einem anderen Grund Wasser auslaufe. "Sicherheit hat stets Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen", so Kolbinger. Gleichzeitig bat er die Teich- und Fischereiwirte, eigenverantwortlich bedarfsgerechte Sanierungen an den Teichanlagen vorzunehmen, wobei hier Freiwilligkeit vor gesetzlichem Zwang stehe.

Klupp stellt Betrieb vor

Eingeladen zu diesem Tag hatten die Landtagsabgeordneten Gabi Schmidt (Uehlfeld) und Nikolaus Kraus (Ismaning) sowie Europaabgeordnete Ulrike Müller aus Augsburg. Auch stellvertretender Landrat Alfred Scheidler hieß die Teich- und Fischexperten im Landkreis willkommen. Am Vormittag stellte Gastgeber Hans Klupp seinen Fischzuchtbetrieb vor. Es folgte ein Fachvortrag von Bernhard Feneis, Präsident des Verbandes Binnenfischerei und Aquakultur, zur aktuellen Situation. Dem schlossen sich Fachgespräche an. Während der Vormittag nur für geladene Gäste war, war am Nachmittag auch die Öffentlichkeit zugelassen.

Im ersten Referat informierte Tobias Küblböck über das Kormoranmanagement für Nordbayern. Zum Thema Hochwasserschutz sprach im Anschluss Dr. Andreas Kolbinger vom Bayerischen Umweltministerium. Dabei machte er deutlich, dass Teiche kleine Stauanlagen sind. Leider würden nicht alle den Sicherheitsbestimmungen entsprechen, wusste er. Nach Recherchen des Ministeriums gebe es in Bayern rund 90 kleine Stauanlagen (dies sind nicht nur Teichanlagen) mit erheblichem und 700 mit mittlerem Gefahrenpotenzial. Kolbinger sprach gar von erheblichen Defiziten bei der Anlagensicherheit.

Der Sprecher machte deutlich, dass, wenn der Teichwirt die Mängel nicht beseitige, bei erheblichen Sicherheitsbedenken eine vollständige Schließung der Anlage drohe. Eventuelle Gutachten zur Standsicherheit würden auf Kosten des Betreibers erstellt. Teichbauempfehlungen des Ministeriums seien derzeit in der Überarbeitung.

Schutz von Muscheln

Weiteres Thema war der Schutz der Flussperlmuschel, der sich auch der Naturpark Steinwald verschrieben hat. Zuchtstationen gebe es in Hof und Passau. Der Sprecher prognostizierte eine weitere Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperatur und damit ein Ansteigen der Temperaturen in den Gewässern. Probleme würden zudem die ständig sinkenden Niederschläge, die seit 1980 beobachtet würden, bereiten. "Schlimm war es vor allem im vergangenen Jahr, als große Trockenheit herrschte mit nur wenigen Niederschlägen. 80 Prozent unserer Messstellen weisen im Grundwasserbereich niedrigere Wasserstände auf als zuvor." Im Süden Bayerns sehe es wegen der großen Schneemassen etwas besser aus als im Norden. "Das Grundwasser braucht einfach Zeit, bis es sich wieder erholt." Mit Blick in die Zukunft zeigte sich der Sprecher überzeugt, dass die Wasserressourcen weiter sinken werden. "Dies hat Folgen für die Teichwirtschaft."

Im Anschluss stellte sich der Ministeriumssprecher den Fragen der leidenschaftlich diskutierenden Teich- und Fischereiwirte. Dabei kam zur Sprache, dass es im Landkreis Tirschenreuth rund 4700 Teiche gibt und geschätzt 2000 Biber. Kritik wurde laut an den weiter zunehmenden Auflagen des Umweltministeriums, so dass eine Wirtschaftlichkeit für die Teich- und Fischereiwirte kaum noch gegeben sei. Der Bärnauer Alfred Stier sagte: "Wir Teichwirte sind für die Sicherheit unserer Teichanlagen zuständig, aber da gibt es auch Mitverantwortliche." Gleichzeitig meinte Stier, dass angesichts des Klimawandels ein Umdenken auf allen Seiten erforderlich sei. MdL Gabi Schmidt brach eine Lanze für die Teich- und Fischereiwirte, "95 Prozent unserer Teichanlagen sind sicher. Mir ist nicht bekannt, dass ein Teich ein ganzes Dorf überflutet hat."

Im nächsten Referat betonte Dr. Reinhard Reiter vom Landwirtschaftsministerium, dass die Teichwirtschaft keinen negativen Einfluss auf das Fließwasser habe. "Eine Teichwirtschaft ist vergleichbar mit Flussauen, sie bietet vielen Tierarten eine Heimat und Schutz. Wir müssen die Teiche erhalten und damit die Teichwirte." Reiter bekam viel Beifall für diese Äußerung. "Teichwirtschaft ist aktiver Artenschutz", meinte er und dankte den Teichwirten für ihre Arbeit. Zum Thema Fischotter merkte er an, dass es im Schadensfall eine Entschädigung gebe. Reiter prognostizierte eine weitere Zunahme der Fischotter. Bezüglich des Kormoranmanagements wusste er, dass viele Bundesländer Bayern wegen seines Vorgehens beneiden würden. "Wir sind da schon sehr weit."

Die Freie-Wähler-Landtagsfraktion hatte zur Fachtagung in den Gasthof Klupp nach Schönficht eingeladen. Gastgeber waren (von links) Europaabgeordnete Ulrike Müller sowie die Landtagsabgeordneten Nikolaus Kraus und Gabi Schmidt.
Dr. Andreas Kolbinger vom Bayerischen Umweltministerium.
Alfred Stier aus Bärnau war ein Aktivposten in der Diskussion.
Dr. Bernhard Reiter vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium.
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