26.08.2020 - 15:03 Uhr
Schönficht bei PlößbergOberpfalz

"Inklusion ist ein ständig wachsender Prozess"

Reinhard Schön ist erneut zum Behindertenbeauftragten des Landkreises Tirschenreuth ernannt worden. Im Interview mit den Oberpfalz-Medien spricht er über seine Arbeit, seine Ziele im Amt - und über die Bedeutung von Inklusion im Landkreis.

Kreisbehindertenbeauftragter Reinhard Schön.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

ONETZ: Herr Schön, stellen Sie sich doch kurz einmal vor.

Reinhard Schön: Ich heiße Reinhard Schön, wohne in Schönficht und bin 65 Jahre alt. Gearbeitet habe ich als kaufmännischer Angestellter, seit 2016 bin ich Rentner. Ich bin seit 2014 Behindertenbeauftragter des Landkreises und ehrenamtlich engagiert.

ONETZ: Was sind denn die Aufgaben eines Behindertenbeauftragten? Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Reinhard Schön: Das Aufgabengebiet des Behindertenbeauftragten ist sehr umfangreich, daher will ich mich nicht nur auf ein Projekt beschränken. Ich organisiere zum Beispiel Quartalstreffen, bei denen sich alle Behindertenbeauftragten des Landkreises treffen. Das findet immer in einer anderen Gemeinde statt. Meist ist das eine Schulung mit einem Referenten, anschließend folgt eine Aussprache über die Arbeit der kommunalen Behindertenbeauftragten oder über ihre Probleme und Fragen. Im Rahmen der Digitalen Bildungsveranstaltungen für Senioren und behinderte Menschen organisierte ich in fünf Landkreis-Orten Computer- und Handykurse, die Herr Blumberg von der Volkshochschule Tirschenreuth durchführte. Dafür suche ich mit dem Behindertenbeauftragten vor Ort barrierefreie Räume. Die Kurse fanden im Herbst 2019 und Frühjahr 2020 mit gutem Erfolg statt.

ONETZ: Was ist Ihr Arbeitsschwerpunkt?

Reinhard Schön: Menschen mit Behinderung im Landkreis zu beraten, ist die wichtigste Aufgabe, sie zu lotsen und begleiten zu den Stellen, damit sie zu ihrem Recht kommen und Hilfe in Anspruch nehmen können. Ich stehe in Gemeinden, Städten und im Landkreis den sozialen Gremien zur Seite, berate und unterstütze sie. Ich nehme Stellung zur Barrierefreiheit in öffentlichen Räumen, bei allen Baumaßnahmen im Landkreis. Die Grundlage meiner Arbeit ist das bayerische Behindertengleichstellungsgesetz. Als ehrenamtlicher Wohnberater möchte ich behinderte Menschen und Senioren im Landkreis kostenlos beraten, damit sie in ihrer gewohnten Umgebung durch wohnumfeldverbessernde Maßnahmen länger wohnen können. Ich habe viele Kontakte in den sozialen Netzwerken, den Gremien, Ausschüssen und Vereinen - mir wird bestimmt nicht langweilig.

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ONETZ: Stichworte Inklusion und Barrierefreiheit: Wie weit ist der Landkreis in diesen Bereichen?

Reinhard Schön: Zu Beginn meiner Amtszeit konnte ich nicht abschätzen, wie viel Arbeit in den Worten Inklusion und Barrierefreiheit steckt. Es ist ein fortlaufender und ständig wachsender Prozess, denn Barrierefreiheit und Inklusion kann man nur im Verbund sehen und angehen. Da gibt es auch viele Stellen im Landkreis. Das Netzwerk Inklusion zum Beispiel, dem die Behindertenbeauftragten des Landkreises sofort beigetreten sind.
Oder auch die AG Barrierefrei, die meine Stellvertreterin Doris Scharnagl-Lindinger leitet und in der ich mitarbeite. Außerdem die vielen Selbsthilfegruppen im Landkreis, die Nachbarschaftshilfen und die Sozialverbände. Wenn alle Faktoren an einem Strang ziehen, sind wir im Landkreis Tirschenreuth auf einem guten Weg, die anstehenden Aufgaben zu bewältigen.

ONETZ: Was sind Ihre Ziele als Behindertenbeauftragter?

Reinhard Schön: Ein Ziel wird sein, dass jede Gemeinde oder Stadt einen Behindertenbeauftragten bestellt und wir somit flächendeckend arbeiten können. Das Hauptaugenmerk wird nach wie vor auf Barrierefreiheit und Inklusion liegen - da wollen wir uns verstärkt einsetzen. Außerdem wurde im Bayerischen Landtag eine Gesetzesnovelle zum Behindertengleichstellungsgesetz verabschiedet, die zum 1. August in Kraft treten wird. Diese Neuerungen werden wir Behindertenbeauftragten umsetzen.

 

 

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