24.11.2019 - 14:06 Uhr
Schönficht bei PlößbergOberpfalz

O Tannenbaum

Das ganze Jahr arbeiten Lorenz Schön und Alfons Höcht auf ihren Christbaum-Plantagen auf die Weihnachtszeit hin. Weil kein Baum so schön wächst, wie er später im Verkauf steht, helfen die Anbauer ihren Sprösslingen auf die Sprünge.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Auf der Christbaum-Plantage von Alfons Höcht arbeitet ein ganz spezielles Einsatzteam: Shropshire-Schafe. Die zehn Tiere, ein Bock und neun neun Mutterschafe, stehen im Dienste des Fuchsmühlers. Diese spezielle Rasse frisst jegliches Unkraut, aber keine Nadeln. So können die Weihnachtsbäume auf seiner Plantage ganz unbeschadet und naturnah wachsen.

Der 66-Jährige ist mit seinem Tannenhof seit 32 Jahren im Weihnachtsbaum-Geschäft tätig. Zeitweise fuhr Höcht dreigleisig mit Landwirtschaft, Ferienwohnung und Christbaumkulturen. Bis 2005 hatte der Fuchsmühler noch Rinder auf der Weide, Acker- und Grünland. Dazu kamen die Schafe, die sich der Landwirt 1996 anschaffte. Zeitweise grasten bis zu 25 "Shroppies", Höcht züchtet und verkauft, zwischen den Christbäumen.

Acht Baumsorten

Aus dem anfänglichen Nebenerwerb mit den Weihnachtsbaumverkauf wurde ein Vollerwerb. In seinen insgesamt sechs Hektar Christbaum-Wald, aufgeteilt auf mehrere Kulturen, wachsen acht Baumsorten: Nordmanntanne, Blaufichte, Nobilistanne, Coloradotanne, Felsengebirtstanne, Schwarzkiefer, serbische Fichten und Rotfichte. Einen großen Teil nimmt die Nordmanntanne ein, aber auch für die ungewöhnlicheren Sorten gebe es Liebhaber, weiß der Landwirt. Für natürlichen Dünger sorgen die Schafe - die bis Oktober in den Kulturen untergebracht sind - mit ihrem Mist. Zusätzlich gibt Höcht noch einen Dünger hinzu, gespritzt werden seine Bäume aber nicht. Ab November sägt er seine Sprösslinge nach dem Mondkalender.

Vor dem Vollmond sägen

"Damit bin ich bisher immer gut gefahren", sagt der Landwirt. Er schwört darauf, die Bäume im aufgehenden Mond zu sägen, etwa drei bis vier Tage vor Vollmond. "Da ziehen die Bäume noch mal richtig Wasser und sind dann frischer und grüner." So lässt er sie in der Plantage stehen, bis er sie auf seinem Hof zum Verkauf anbietet. In der Christbaumkultur habe der Baum ein besseres Klima, als etwa in der Scheune. "Jeder Baum hat ein Gesicht", weiß der Fuchsmühler. Die großen Bäume verkauft er an Firmen oder Gemeinden. "So große Bäume verkauft sonst keiner in der Gegend", ist er sich sicher.

Hilfe bekommen er und seine Frau Steffi von einem Betriebshelfer und der Familie, die das Ehepaar in der stressigen Vorweihnachtszeit unterstützen. "In den sechs Wochen müssen wir unseren Jahresumsatz machen", erklärt der 66-Jährige. 2012 erkrankte er an Leukämie. Er dachte oft ans Aufhören. "Aber ich kann es einfach nicht lassen." Sein Herz hängt an den Schafen und Bäumchen. "Ich bin so gerne hier draußen auf der Plantage, das tut mir gut, auch wenn alles viel Arbeit macht."

Schaden durch Dürre und Frost

So sieht das auch Lorenz Schön aus Schönficht. "Es ist wie eine Sucht", sagt der 56-Jährige. Jeden Tag vor oder nach seiner regulären Arbeit bei Schott in Mitterteich sieht er nach seinen Schützlingen. Egal bei welchem Wetter. Seine ganze Freizeit steckt in den Christbäumen. "Ich freue mich sehr, wenn ein Baum schön wächst." Andererseits ärgert er sich, wenn es mal nicht so ist. Die Dürre in den vergangenen beiden Jahren und der Frost zur Kalten Sophie heuer machte den jungen Pflanzen zu schaffen. Diese Schäden und die damit geringere Ausbeute wirken sich in etwa fünf Jahren auf die Preise aus, erklärt Schön. Doch heuer ist er mit seiner Ernte zufrieden.

Seine Schönfichter Plantage war nie von langer Hand geplant, erzählt der Familienvater. Vor über 30 Jahren übernahm er den Hof seines Vaters. Dass er die Landwirtschaft aufgegeben hat, hat er nie bereut. Auf der Wiese hinter dem Hof pflanzte Schön Blaufichten und ein paar Tannen. Zunächst ohne den Gedanken, diese zu verkaufen. Erst gab er die Weihnachtsbäume an einen Händler weiter, irgendwann versuchte er sich selbst darin.

Mittlerweile wachsen auf 2,5 Hektar Wiese 20 000 Christbäume. 90 Prozent davon sind Nordmanntannen, der Rest Blaufichte oder Schwarzkiefer. Das Saatgut kauft er aus Georgien oder dem Kaukasus zu. Auch Experimente mit Korea- oder Zirbelkiefern wagte Schön. Manche glücken, manche nicht. "Man muss einfach ausprobieren, ein Risiko ist immer dabei."

Die Plantage, auf der zwischen den Christbaumkulturen verschiedene Beerensträucher und Apfelbäume gedeihen, ist ein toller Ort für Vögel und Insekten. Nur Rehe sieht der Anbauer in seiner Kultur weniger gern. Sie fressen ihm die Triebe von den Bäumen.

Nur Spätaustreiber

"Vom Klima her haben wir hier eher ein benachteiligtes Gebiet", sagt Schön über die Oberpfalz. Wegen des kalten Windes und des Winterfrosts kann der Christbaum-Anbauer nur spätaustreibende Sorten pflanzen. Die Pflege erfordert einen enormen Aufwand, Handarbeit und Zeit. Und schön gerade wächst kein Baum von Natur aus. Da muss der Plantagenbesitzer nachhelfen. Ob Sommer oder Winter, es gibt immer viel zu tun: Von den Bodenproben im Januar über die Pflanzung der drei- bis vierjährigen Bäumchen auf das Feld im März und April, bis hin zum Formschnitt und der Triebregulation im Juni und Juli. Der 56-Jährige kennt jeden Baum auf seinen drei Feldern. "Man nimmt den Baum in den vielen Jahren schon oft in die Hand", verrät er. Zwischen acht und zehn Jahre wächst ein zwei Meter hoher Christbaum. Per Hand etikettiert Schön die Bäume, die er ab Mitte November schneidet. Andere Sprösslinge werden noch einmal in Form gebracht. Den Preis legt er je nach Größe und Qualität per Augenschein fest.

Plastikbaum nicht zu vergleichen

Während der Saison unterstützen natürlich die Familie und einige Mitarbeiter den Plantagenbesitzer. Sie bieten die Weihnachtsbäume an fünf Verkaufsstellen feil. "Die Kunden sind schon sehr anspruchsvoll", weiß Schön, Mitglied im Verband bayerischer Christbaum-Anbauer. Sie schätzen aber auch die Regionalität. Schön bemerkt ein weiteres Phänomen: Viele Kunden würden nach Jahren mit einem Plastik-Baum wieder auf einen echten umsteigen. Dennoch ist das Christbaum-Geschäft nicht leicht: "Ich war auch schon an dem Punkt aufzuhören", sagt der 56-Jährige. Doch in seinem arbeitsintensiven Hobby steckt viel Leidenschaft.

Schön selbst bevorzugt die Blaufichte: "Die ist hier heimisch und duftet ganz herrlich." Allerdings sei diese stacheliger als andere. Einen Platz im Wohnzimmer der Familie bekommt aber ein anderer Baum. "Ich hab mir schon einige Male einen richtig schönen Baum zur Seite gelegt und ihn immer am letzten Drücker doch noch verkauft. Seitdem steht bei uns im Wohnzimmer immer ein krummer Reste-Baum, den niemand wollte."

Mehr zum Hof von Lorenz Schön:

Tannenhof der Familie Höcht in Fuchsmühl:

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