27.04.2020 - 12:59 Uhr
Schönhaid bei WiesauOberpfalz

Shutdown trifft Gartenbetriebe hart

So fröhlich wie normalerweise geht es derzeit in der Gärtnerei Fröhlich nicht zu. Denn vier Wochen Ladenschließung haben doch ein großes Loch ins Budget des Familienbetriebs gerissen. Zwei Drittel Umsatz fehlen im Vergleich zum Vorjahr.

Marion Fröhlich bei Kulturarbeiten in einem der Gewächshäuser, damit zum Muttertag alle Geranien blühen.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Am Beispiel der Gärtnerei Fröhlich in Schönhaid wird deutlich, wie schnell Stillstand die Existenz gefährdet. Deshalb geht es dort derzeit nicht so fröhlich zu, wie das normalerweise der Fall ist. Denn vier Wochen Ladenschließung hätten doch ein großes Loch ins Budget des Familienbetriebs gerissen, sagen die Inhaber Gottfried und Marion Fröhlich.

Mitarbeiter in Kurzarbeit

Zwei Drittel Umsatz fehlten im Vergleich zum Vorjahr. Vom 21. März bis zum 19. April war der Laden dicht. Das bedeutete für die Mitarbeiter vier Wochen Kurzarbeit und damit weniger Lohn im Geldbeutel. Aber während der Schließung hätten die Arbeiten im Betrieb logischerweise weitergehen müssen - auch ohne Angestellte. "So haben wir jeden Tag von frühmorgens bis spätabends gearbeitet", erklärt der Gärtnermeister Gottfried Fröhlich.

Hilfe lässt auf sich warten

Gleich zu Anfang der Schließung hatten die Betriebsleiter Stabilisierungshilfe beantragt. "Bis auf eine Registrierungsnummer und dem Hinweis, nicht den Bearbeitungsstatus nachzufragen, haben wir aber bisher nichts weiter gehört", wundert sich Marion Fröhlich. Stattdessen stapelten sich die unbezahlten Rechnungen.

Der Lieferservice, den der Betrieb anbot, habe den entstandenen Schaden nur begrenzt abfedern können. Es sei ein sehr hart verdientes "Zubrot" gewesen, weil alleine schon die telefonische Bestellannahme sehr viel Zeit verschlungen habe, die bei den Arbeiten in den Gewächshäusern dann wieder fehlte, ganz abgesehen von den Lieferfahrten im Umkreis von etwa zehn Kilometern. "Ohne unseren Sohn Andreas, der von seinem Arbeitgeber ebenfalls in Kurzarbeit geschickt worden war, wäre es nicht gegangen", stellt Marion Fröhlich fest. Als weiteres Übel sei dazugekommen, dass die Schnittblumenhändler, bei denen die Fröhlichs normalerweise ordern, ihre Touren abgesagt hatten. Deshalb bestellte die Betriebsleiterin ausnahmsweise online den kompletten Wochenbedarf an Schnittblumen.

Im Normalfall werden die, je nach Bedarf, mehrmals wöchentlich angeliefert. An einem Freitagmittag kam dann das Aus für Baumärkte und Gärtnereien. "Da waren meine Blumen aber schon unterwegs und mussten dann auch abgenommen und bezahlt werden."

Kompostfutter

So gut wie alle Primeln, fast alle Schnitt-Osterglocken und noch viele andere Pflanzen waren irgendwann in dieser Zeit nur noch als Futter für den Kompost zu gebrauchen. Erst sei es lange zu kalt gewesen, und als das Wetter dann schöner wurde und die Kunden kaufen wollten, sei die Zwangsschließung gekommen.

Ungerecht finden die Betriebsinhaber, dass die Supermärkte in der Sperrzeit Schnitt- und Topfpflanzen verkaufen durften. "Das haben einige Nachbarländer besser geregelt, zum Beispiel Italien, wo in Sperrzeiten in den Supermärkten ausschließlich Lebensmittel verkauft werden dürfen."

Muttertag als Joker

Jetzt hoffen Gärtnereien und Blumenläden, dass der Muttertag das Ruder einigermaßen herumreißen kann. Es sei aber nicht so einfach, wenn viele Leute auf einmal kämen - wegen der Abstandsregelung, so Marion Fröhlich. Deshalb habe sie sich zusammen mit ihrem Mann ein Konzept erarbeitet, um gut verkaufen zu können, ohne mit den Vorschriften zu kollidieren.

"Zum Glück wird ja vieles schon vorbestellt und von uns am Vorabend hergerichtet", sagt die Chefin. Diese Ware könne dann in einem separaten großen Gewächshaus oder bei schönem Wetter auch im Freien gleich neben dem Parkplatz abgeholt werden. Zudem sei angedacht, einen eigenen Bereich außerhalb des Ladens mit Muttertagsgeschenken zum Direktkauf einzurichten.

Andreas Fröhlich (links) unterstützt seinen Vater Gottfried beim Herrichten der bestellten Pflanzen.
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