17.12.2018 - 15:55 Uhr
Schönkirch bei PlößbergOberpfalz

Tom Brankovic feiert zweimal Weihnachten

Der Künstler aus Schönkirch ist serbisch-orthodoxen Glaubens und orientiert sich deshalb am Julianischen Kalender. Dabei gibt es durchaus Parallelen zum katholischen Fest.

Ikonenmaler Tom Brankovic hat mehrmals die Heilige Familie auf der Leinwand künstlerisch dargestellt. Dieses Gemälde gehört zu einer Serie der biblischen Geschichte.
von Ulla Britta BaumerProfil

Läuten am 24. Dezember die Glocken, feiert Künstler Tom Brankovic aus Schönkirch (Landkreis Tirschenreuth) mit seiner Familie den Heiligen Abend. Während aber nach Silvester für Katholiken der Alltag zurückkehrt, beginnt für den in Belgrad geborenen Serben das zweite Weihnachtsfest. Warum das so ist? Tom Brankovic ist serbisch-orthodox und richtet seine Feiertage nach dem Julianischen Kalender. Dieser weicht 13 Tage von unserer Zeitrechnung ab, Weihnachten in Serbien ist am 6. und 7. Januar.

Ein wenig wehmütig erinnert sich Brankovic an das Fest seiner Kindheit im Dorf bei Belgrad. Die Hauptstadt habe seinen Heimatort verschluckt, erzählt der 70-jährige Ikonenmaler. Jetzt gehöre es zu Belgrad. In bescheidenen Verhältnissen hat der kleine Tomislav vor 65 Jahren mit den Eltern, den Großeltern und dem Bruder wunderbar gefeiert. „Obwohl das im Kommunismus verboten war“, sagt er.

Heute sei das alles anders. Viele Landsleute hätten die Tradition vergessen. Wie bei uns wird bei den Orthodoxen vier Wochen vor dem Heiligen Abend gefastet, was Brankovic bis heute so hält. Während der Advent in Deutschland mit dem Nikolaus am 6. Dezember einen ersten Höhepunkt hat, wird in Serbien der Nikolaus am 19. Dezember verehrt.

Drei Tage vor dem serbischen Heiligen Abend, am 6. Januar, begannen damals bei Brankovics die Festvorbereitungen. Zuerst habe der Vater einen Truthahn oder ein Spanferkel geschlachtet. Nach dem „Tucindan“ (Schlachttag) sei das Fleisch tags darauf am „Pecindan“ (Brattag) am Spieß im Backofen gebraten und kaltgestellt worden, erzählt der Serbe aus Schönkirch.

Einen Christbaum gibt es nicht. Dafür anderen Schmuck. „Der Fußboden und der Tisch wurden mit Stroh bedeckt, symbolisch für den Geburtsort des Christkinds.“ Danach habe man ein Büschel aus Eiche und Stroh gebunden als Symbol für langes Leben. Unentbehrlich sei die Öllampe beim Bild des Heiligen Nikolaus.

An ein Ritual der Kinder erinnert sich der Künstler besonders gerne. „Wir liefen dreimal um das Haus und piepsten wie Küken.“ Das sollte die Erneuerung symbolisieren. Viel wichtiger für die Kinder damals: Danach habe es Geschenke gegeben. „Wenn wir reinkamen, hat uns die Oma Walnüsse, Zwetschgen und Bonbons entgegengeworfen. Wer schnell war, hatte mehr“, sagt der Künstler und lacht heute über diese Kleinigkeiten, die so großen Wert hatten.

Zum Essen am Heiligen Abend reichten Fisch oder ein Bohnengericht aus. Man habe frühzeitig schlafen müssen, dann am ersten Feiertag habe morgens um 4 Uhr der Nachbar an die Tür gepocht. „Das war das Zeichen zum Aufstehen.“ Was für eine sprichwörtlich un-orthodoxe Zeit zum Aufwachen an Weihnachten. Aufgabe des Nachbarn sei gewesen, beim Erzählen von Legenden das „Banjak“, (Eichenbüschel) zu verbrennen. „Gab es dabei viele Funken, hieß das viele Schweine oder Kühe, also Reichtum.“

Frühmorgens habe man sich danach ins Weihnachtszimmer gesetzt, wo die Mutter den Tisch gedeckt hatte mit dem kalten Braten, einer Schüssel gekochtem Getreide, mit einer brennenden Kerze in der Mitte und anderen Speisen. Ins frische Fladenbrot sei eine goldene Münze eingebacken worden. „Wer sie fand, hatte ein Jahr Glück“, schmunzelt Brankovic. „Ich erwischte sie oft.“ Ob der Ikonenmaler das Glück des Lebens damit gefunden hat, verrät er nicht. Denn einfach sei es mit der Münze nicht bestellt gewesen. „Der Finder musste sie mit Brot an die Zimmerdecke kleben.“ Nur solange sie da hing, sei das Glück hold geblieben.

Was der Künstler geliebt hat: Stundenlang sei die Familie an Weihnachten zusammengeblieben. Man habe den ganzen Tag gegessen und Rotwein und Varenika (gekochten Schnaps) dazu getrunken. „Wir feierten eine Woche und das Essen blieb stehen und wurde ständig aufgefüllt.“ 13 Tage später, am 20. Januar, ist in Serbien „Sava“, das Fest des Familienheiligen. Dann liegt der Drei- Königstag der Katholiken 13 Tage zurück. Einige Parallelen können zu beiden Weihnachten gezogen werden, wenn auch die Kalender auseinanderdriften. „Weil wir hier leben, feiern wir auch Weihnachten wie alle hier“, sagt Brankovic.

Mag sich das eine oder andere Ritual für ihn mit den Jahren vermischt haben – was der Künstler aus Belgrad aber immer in Ehren halten wird: die brennende Öllampe vor der Ikone des Familienheiligen Nikolaus (die Brankovic selbst gemalt hat) und die stillen Gebetsstunden zu Ehren von Christi Geburt an beiden Weihnachtsfesten.

In Serbien wird die Gottesmutter Maria sehr verehrt, besonders an Weihnachten. Diese Ikone von Tom Brankovic wird an Weihnachten im Zimmer aufgestellt.
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