24.04.2020 - 13:38 Uhr
SchönseeOberpfalz

Amerikaner quartieren sich in Schönsee ein

Kriegsende in Schönsee. Dazu gehört, dass 1945 eine Heeresschule aus der Slowakei mit 200 Hitlerjungen hierher verlegt wurde. Und genau vor 75 Jahren, am 25. April, marschierten rund 3000 amerikanische Soldaten ein.

Kurz vor Kriegsende in Schönsee aufgenommen: Ein deutscher Wehrmachtsoffizier steht mit seinem Fahrzeug vor dem Pfarrhof, der seinerzeit als Besprechungsort diente.
von Autor HOUProfil

Es geschah vor 75 Jahren: Am 25. April 1945 marschierten die Amerikaner in der Grenzstadt Schönsee ein. Was sich damals ereignete, hatte 2005 der Lokalreporter Konrad Scharnagl für das Buch "Sie kommen!" festgehalten und sich dabei auf die Berichte zweier Männer gestützt: Stadtpfarrer Alois Treml und Gutsbesitzer Josef Stenger.

Lazarett im Schulgebäude

"Dieser 25. April 1945 war für die Stadt ein markantes Datum", hat Konrad Scharnagl in seinem Aufsatz geschrieben. Aber auch die mit dem Krieg verbundenen Abläufe vorher und nachher seien bedeutsam, fügte er hinzu. In den Annalen ist festgeschrieben, dass am 23. Februar 1945 im Schönseer Schulgebäude ein Reservelazarett für bis zu 150 Patienten eingerichtet wurde. In Scharnagls Text steht dazu: "Ein Oberstabsarzt, ein weiterer Mediziner, ein Zahnarzt, zwölf Sanitäter und zehn Pflegekräfte sorgten sich neben den Verwundeten um Zivilkranke". Zum Kriegsende in Schönsee gehört, dass am 1. April 1945 eine Heeresschule aus der Slowakei mit 200 Hitlerjungen in die Stadt und nach Dietersdorf verlegt wurde. Sie sollten als sogenannte "Werwölfe" für die Panzerbekämpfung eingesetzt werden. Hinzu kam eine 50 Mann starke Gruppe von 15- und 16-Jährigen aus Franken. Scharnagl schreibt weiter: "Auch zwei SS-Aufklärungseinheiten setzten die Bevölkerung unter Druck." Die Soldaten hätten darüber informiert, dass vor einem Einmarsch amerikanischer Truppen "alle Brücken gesprengt werden und die Stadt Schönsee in Brand gesetzt wird". Der Widerstand, trotz völliger Aussichtslosigkeit, erlahmte nicht. Sich an den Aufzeichnungen des Stadtpfarrers und des Gutsbesitzers orientierend, hält Scharnagl fest: "Auch ein aus Einheimischen bestehender 50 Mann starker Volkssturm wurde aufgeboten". An den Zufahrtsstraßen seien aus Baumstämmen Panzersperren errichtet worden.

Dann folgt der Satz: "Die Erklärung von Schönsee zur Lazarettstadt hat wohl Schlimmeres verhindert". Die US-Truppen, befehligt von dem legendären General George Patton, befanden sich seinerzeit bereits in Gaisthal. Sie verlegten ihre Position in Richtung Eslarn und nahmen am 25. April 1945 Schönsee ein. Scharnagl schreibt: "Gegen 10 Uhr rückten die Truppen gleichzeitig aus Richtung Schwand und Eslarn vor." An den Ortseingängen Richtung Schwand und Weiding seien Geschütze und Panzer aufgefahren. Daneben auch oberhalb der Brauerei Haberl, "von wo aus Kanonenschüsse und Maschinengewehrfeuer über Schönsee hinweg Schrecken hervorriefen." Zwei Stunden später rückten an diesem 25. April geschätzt rund 3000 amerikanische Soldaten mit Panzern und Fahrzeugen in der Stadt ein. Viele der Einwohner mussten ihre Häuser verlassen, in die sich dann - den Aufzeichnungen zufolge - die US-Militärs einquartierten. Die Kirche wurde für den Aufenthalt von Einheimischen genutzt, die sonst nirgendwo unterkommen konnten. In Scharnagls Bericht steht: "Die Übergabe von Schönsee wurde durch den aus seinem Kellerversteck geholten NSDAP-Ortsgruppenleiter Georg Haider im Rathaus vollzogen". Noch zwei Wochen lang seien Geschütze vor dem Bahnhof aufgefahren gewesen. "Beschossen wurden Friedrichshäng und Stadlern (Schwarzach)". Nach und nach hätten die Bürger wieder in ihre Häuser zurückgekonnt.

Lipizzaner-Pferde gerettet

Schlussbemerkung in Konrad Scharnagls Aufsatz: "Am 16. Mai 1945 wurde der Kaufmann Josef Zwick, der spätere Landrat, als Bürgermeister eingesetzt." Das alles ist ein Stück Stadtgeschichte. Doch historisch bedeutsamer war, was sich zu dieser Zeit von Eslarn aus zutrug. Auf Befehl des Generals Patton drangen US-Soldaten auf tschechisches Territorium vor. Sie retteten in Hostau (Hostoun) eine große Anzahl der dort von deutschen Wehrmachtsangehörigen eingestellten Lipizzaner-Pferde. Den wertvollen Rössern drohte eine Schlachtung durch anrückende Verbände der russischen Armee. Später wurde diese Aktion als Geniestreich gewertet und sogar in Hollywood verfilmt.

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