16.04.2019 - 10:54 Uhr
SchönseeOberpfalz

Ausstellungen dominieren

Als Galerie präsentiert sich das Centrum Bavaria Bohemia im April. Portraits auf Augenhöhe von Persönlichkeiten mit deutsch-tschechisch-jüdischem Familienhintergrund begleiten die Besucher auf allen Ebenen. Eine Reise in die Zeitgeschichte.

"Zeugen der Menschlichkeit" heißt die Ausstellung, die in der historischen Gewölbehalle des CeBB in Schönsee gezeigt wird. Bei der Eröffnung betrachteten die Besucher die verschiedenen Porträts auf Stelen. Die Präsentation ist eine Leihgabe der Ackermann-Gemeinde.
von Hans EibauerProfil

Drei Ausstellungen sind aktuell im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) zu sehen: „Zeugen der Menschlichkeit“, „Die Schaleks – eine mitteleuropäische Familie. Fünf Biografien erzählen hundert Jahre Geschichte“ und „Erinnerung an Böhmen und Mähren“. Alle Präsentationen verbindet der Blick auf Menschen, die mit deutschen Wurzeln im Sudentenland oder in der Tschechoslowakei geboren und aufgewachsen sind, einige sogar noch in der Habsburger Zeit. Viele von ihnen haben schwere Zeiten erlitten, mussten fliehen, starben in Gefängnissen oder Konzentrationslagern.

Der Ausstellungsrundgang beginnt in der historischen Gewölbehalle mit der in Verantwortung der Ackermann-Gemeinde entstandenen Präsentation „Zeugen der Menschlichkeit“. Geschäftsführer Matthias Dörr fasste bei der Eröffnung die Intention zusammen: „Wir wollten Impulse setzen und Vorbilder im Glauben zeigen. Porträts auf Augenhöhe“. Die schlicht, doch sehr markant im Raum stehenden Tafeln wirken wie Seiten in einem Geschichtsbuch, gehalten von zwei Buchdeckeln mit Titel und Erläuterungen zum Kontext.

Vorgestellt werden die Schicksale von fünf Pfarrern, zwei Ordensfrauen und drei Laien, die sich aus christlicher Überzeugung gegen den Nationalsozialismus in Böhmen und Mähren stellten und dadurch Opfer dieses menschenverachtenden Regimes wurden. Mit ihrem Lebenszeugnis, eingefangen in Texten und Bildern, stehen sie auf hölzernen und bedruckten Stelen den Besuchern der Ausstellung als Beispiel und Vorbild gegenüber.

Den Weg nach oben im Treppenhaus begleiten großformatige Porträts mit knappem Text in der Ausstellung „Erinnerung an Böhmen und Mähren“. Es war die Idee des Adalbert-Stifter-Vereins in München, von einer siebenköpfigen Jury aus hundert Namen schließlich 54 Persönlichkeiten auszuwählen, deren Herkunft sie eint und die für Versöhnung stehen. Ihre Lebenswege und Schicksale verliefen jedoch alles andere als konform, wie der mit Lebensbeschreibungen ergänzten Ausstellungsbroschüre zu entnehmen ist. Der Münchner Fotografin Petra Flath gelangen Aufnahmen in schwarz-weiß mit Nähe und sympathischer Ausstrahlung von Menschen, die Jahrzehnte in ihrer Geburtsheimat Böhmen und Mähren gelebt und schwere Jahre durchlitten haben – bis vor 30 Jahren der Eiserne Vorhang fiel.

Die Ausstellung des Publizisten Ralf Pasch im Raum" bb-media" stellt fünf Persönlichkeiten aus der deutsch-tschechisch-jüdischen Familie „Schalek“ vor, die engagiert am Geschehen ihrer Zeit teilnahmen: Alice Schalek als Kriegsberichterstatterin im Ersten Weltkrieg, Robert Schalek als Richter im Prozess gegen den Hellseher Hanussen, Malva Schalek als künstlerische Zeugin des Holocaust, Lisa Fittko als Widerstandskämpferin und Fluchthelferin. Der fünfte und jüngste porträtierte ist Fritz Schalek, der zwischen kommunistischer Überzeugung und als Kritiker der sozialistischen Diktatur zum Dissidenten wurde und nach 1989 als Aktivist bei der deutschen Minderheit agierte. Alle drei Ausstellungen laufen noch bis zum 9. Mai.

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