Einerseits ertrinken Ehrenamtliche in den vielen selbst verantworteten Aktionen, Projekten und Engagements, andererseits müssen die gemeinnützigen Vereine als Träger ständig um Finanzierungen kämpfen, denn kommunale und staatliche Zuschüsse werden nicht längerfristig, sondern nur von Jahr zu Jahr oder zweijährig im Doppelhaushalt bewilligt. Zudem laufen die EU-Förderprogramme bis maximal drei Jahre. Wie soll da Kontinuität werden? Diese Problematik gehörte zu den Punkten, die beim 24. "bb-talk" im CeBB unter der Überschrift "Zivilgesellschaftliches Engagement im grenzüberschreitenden Kontext" thematisiert wurden.
Die Prager Journalistin Bara Procházková führte als Moderatorin beim bb-talk hinein in die vielen Facetten des Themas. Sie konfrontierte die vier Podiumsgäste mit Fragestellungen, die Licht in die Qualität und die Zukunftssicherheit des von gemeinnützigen Vereinen getragenen grenzüberschreitenden Engagements geben. Legt der Staat seine Hände in den Schoß, weil ihm unermüdliche Akteure die Verantwortung bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit abnehmen? Wie sieht es mit dem Generationswechsel bei den Akteuren aus? Mit den drei Wissenschaftlern Petr Miksíček, Karel B. Müller und Patrick Reitinger sitzt Alfred Wolf als erfahrener Praktiker, Geschichtsparkmotor und Vorsitzender von "Via Carolina - Goldene Straße e.V." in der Grenzstadt Bärnau in der Runde.
Junge Menschen vorlassen
"Die Grenze kann eine bedeutende Kulturressource sein" sagt der am Prager Institut CEVRO forschende Professor Karel B. Müller, also ein Wachstumsfaktor. Seine Schlussfolgerung ist aber auch, dass die deutsch-tschechischen Beziehungen eine höhere Institutionalisierung brauchen. Der Filmemacher Petr Miksíček stößt immer wieder auf Initiativen, die Probleme haben, ihr Level und ihre Qualität zu halten. Er sieht den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds (DTZF) als Schlüsselplayer. Ihn treibt weiter um, wie man die jungen Menschen grenzüberschreitend zusammenbringt. "Natürlich sind es die klassischen Schulprojekte, aber auch Facebook". Er erzählt von seiner FB-Gruppe mit 28 000 Mitgliedern, darunter 10 000 Deutsche. Dann spricht er noch das heiße Thema Loslassen an. "Ich habe herausgefunden, dass die Macher, die Initiatoren, die seit Jahren oder Jahrzehnten die Vorreiter sind, mal Abstand nehmen und die jungen Menschen vorlassen müssen. Wenn sie nur mitmachen dürfen, entfacht man in ihnen nicht den notwendigen Drive. Also es ihnen ganz überlassen."
Ein Hilfeschrei
Für den Geografie-Historiker Patrick Reitinger ist das bürgerschaftliche Engagement an seine Grenzen gestoßen. Seine Forderung, dass alle bayerischen grenzüberschreitenden Akteure nach München zur Staatsregierung gehen und auf die Situation aufmerksam machen, versteht er weniger als Protest, sondern als Hilfeschrei, um eine längerfristige Absicherung der Trägervereine zu erreichen. Er konstatiert, das Schulpartnerschaften und die Zusammenarbeit der Hochschulen Rückgänge verzeichnen - ein Warnsignal. Alfred Wolf spricht es im Schlussstatement unverblümt an. "Für die Zukunft fehlt uns der Unterbau. Deshalb greifen wir das Thema historisches Handwerk auf, machen Workshops, um junge Leute zu gewinnen und begeistern mit dem Festspiel, das 900 Akteure aus ganz Europa zusammenführt. Wir haben uns im Geschichtspark fast aufgearbeitet und professionelle Strukturen aufgebaut, um die große Last vom Ehrenamt wegzunehmen".













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