07.07.2021 - 16:34 Uhr
SchönseeOberpfalz

Beschluss für Suchttherapie-Neubau in Schönsee vertagt

Auf das gemeindliche Einvernehmen für den Neubau einer Sozialtherapeutischen Einrichtung in Schönsee muss die Heimleitung noch zwei Wochen warten. Nach Planvorstellung und Diskussion im Stadtrat, sollen auch die Bürger zu Wort kommen.

Alexander Robl (vorne, rechts) und Florian Hofmann von R & K Projektbau stellten den Stadträten die Planung für den STE-Neubau in Schönsee vor. Die sieben Einzelhäuser (fünf Wohngebäude und zwei Hauptgebäude) sind im Westen und Osten mittels begrünter Böschung abgegrenzt.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Bei der Stadtratssitzung am Dienstag stand als einziger Punkt der Neubau einer Sozialtherapeutischen Einrichtung (STE) in Schönsee mit Informationen zum Bauantrag und Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens auf der Tagesordnung. Dem Einwand von CSU-Fraktionssprecher Christian Weinfurtner, den Beschluss zu verschieben, wurde einstimmig stattgegeben. "Das war auch mein Plan", sagte Bürgermeister Reinhard Kreuzer und nannte als neuen Termin die Sitzung am 20. Juli. In der Zwischenzeit werde der Plan "für eine entsprechende Transparenz" zehn Tage lang im Rathaus ausgelegt. "Die Bürger können ihre Einwände vorbringen", so Kreuzer.

Im Verlauf der Sitzung wurde deutlich, dass alle Stadträte es begrüßen, wenn die Therapieeinrichtung in Schönsee bleibt. CSU und Bürgerliste Miteinander zeigten sich jedoch wie bereits in der Januarsitzung mit der Standortwahl unzufrieden. Bevor die Planung vorgestellt wurde, erteilte der Bürgermeister der STE-Heimleiterin das Wort. Ingeburg Hirschleb erläuterte die Notwendigkeit und den zeitlichen Druck für einen Neubau, nachdem das Wohnheim Drechselberg den gesetzlichen Mindestvorgaben nicht mehr entspricht. Sie brachte die Odyssee auf der Suche nach Investor und Bauplatz in Erinnerung - und ihre Freude darüber, als Bürgermeister Kreuzer ihr einige Grundstücke vorschlug.

Wirtschaftsfaktor für Schönsee

"Der Platz oberhalb der Schule ist perfekt", betonte Hirschleb. Hier könnte anstatt des früher favorisierten Winkelbaus ein bayernweites Vorzeigeprojekt mit einzelnen Häuschen entstehen. Der Bezirk habe nach längerer Prüfung sein Einverständnis gegeben. "Wir mussten öfters umplanen und hingen monatelang in der Luft. Es hätte keinen Sinn gemacht, vorher über die Planung zu informieren", sagte die gelernte Erzieherin. Sie widersprach Befürchtungen, dass vom neuen Standort eine Gefahr ausgehen könnte: "Wir sind 22 Jahre in Schönsee und haben Erfahrungswerte mit Bewohnern und Bevölkerung. Und wir bieten nette, integrierte Leute mit Suchtproblemen, die Unterstützung brauchen." Die STE (36 Bewohner und 36 Mitarbeiter in Teilzeit) sei ein Wirtschaftsfaktor. Außerdem wolle man den Medienraum im Hauptgebäude der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Aus der gut gefüllten Zuhörerkulisse der Schulaula meldete sich Allgemeinarzt Dr. Herbert Killer zu am Ort kursierenden Vorurteilen zu Wort: "Es gibt dort keine pädophilen Menschen. Und es gab noch nie einen Konflikt mit irgendeinem Gesetz." Zweiter Bürgermeister Andreas Hopfner regte an, darüber nachzudenken, "was die STE für Schönsee bringt ". Ohne die Einrichtung seien eventuell die zwei Arztpraxen und die Apotheke wirtschaftlich nicht zu halten. Eine "Feinjustierung" sei jedoch noch notwendig.

Parkähnlicher Charakter

Alexander Robl und Florian Hofmann vom R & K Projektbau aus Luhe-Wildenau, als Planer und Investoren im Boot, stellten die Entwürfe vor. Die sieben Einzelhäuser werden rund um eine Freifläche angeordnet. Die fünf ebenerdigen Wohngebäude weisen jeweils acht Zimmer mit eigener Sanitäreinheit und einen Gruppenraum auf. Die zwei Hauptgebäude mit Werkstatt, Gruppenräumen, Speisesaal und Technik bilden den Abschluss. Alexander Robl verwies auf einen "parkähnlichen Charakter im Quartier" und die Abgrenzung gen Osten und Westen mittels der vorhandenen Böschung. Die Massivhäuser erhalten ein Flachdach mit Photovoltaikanlage. "Tartanbahn, Bolzplatz und Beach-Volleyballfeld bleiben bestehen. Und auch alles Grün", betonte Bürgermeister Reinhard Kreuzer. Durch die rückwärtige Erschließung müssten die Baustellenfahrzeuge nicht durch die Stadt.

"Ich bin froh, dass die STE in Schönsee bleibt, aber nicht damit zufrieden, wie es im Stadtrat kommuniziert worden ist", sagte Josef Eibauer (Bürgerliste Miteinander). Er habe noch Vorbehalte bezüglich der Erschließungsstraße mit fraglicher Gegenfinanzierung. Außerdem fehle ihm ein Bebauungsplanverfahren für das gesamte Gebiet. Der Bürgermeister verwies darauf, dass laut Landratsamt Baurecht besteht. Die Erschließungsstraße auf dem Flurweg sei Thema einer folgenden Sitzung, "und auch wer die Straße bezahlt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen". Christian Weinfurtner und Xaver Bayer (CSU-Fraktion) monierten, dass alternative Standorte zu wenig geprüft worden seien. "Eventuell gibt es andere Grundstücke, die einfacher zu erschließen wären", warf Weinfurtner ein. "Ackerland in Bauland umzuwandeln, dauert. Auf dem Grundstück dort oben ist es am schnellsten umsetzbar", erklärte Reinhard Kreuzer. "Wir haben ein Vorzeigeprojekt vor Augen und suchen hanebüchen nach Einwänden", kritisierte Bärbel Placke. Michael Präßl verwies zum Ende der Diskussion, dass es eher darum hätte gehen sollen, "zu sagen, ob uns die Planung gefällt oder nicht". "Wir sind noch offen für Veränderungen", stellte Alexander Robl fest.

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Der Neubau ist auf dem ehemaligen Schulsportplatz (hinter den zwei Bäumen) geplant. Tartanbahn, Bolzplatz und Volleyballfeld bleiben bestehen.
Die Planung für den Neubau der Suchttherapie-Einrichtung in Schönsee sieht sieben einzelne Häuser anstatt eines früher favorisierten Winkelbaus vor.
Die fünf Wohngebäude sind für jeweils acht Zimmer mit eigener Sanitäreinheit und einen Gruppenraum ausgelegt.

"Tartanbahn, Bolzplatz und Beach-Volleyballfeld bleiben bestehen. Und auch die Bäume und Sträucher."

Reinhard Kreuzer, Bürgermeister

Reinhard Kreuzer, Bürgermeister

"Wir sind 22 Jahre in Schönsee und haben Erfahrungswerte mit Bewohnern und Bevölkerung."

Ingeburg Hirschleb, STE-Heimleiterin

Ingeburg Hirschleb, STE-Heimleiterin

 

 

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