26.05.2020 - 11:11 Uhr
SchönseeOberpfalz

Mit Bierbrauen und Kostümstickerei Touristen anlocken

Gemeinsame Projekte laufen weiter, auch wenn die Grenze zum Nachbarland derzeit dicht ist. Ein Leitbild soll helfen, den Tourismus im Böhmischen Wald und der Oberpfalz naturschonend auszubauen. Wissenschaftler forschten drei Jahre lang.

Traditionelles Handwerk, wie die Kostümstickerei (Bild) oder das Spitzenklöppeln, sollen mithelfen, um Touristen in den Böhmischen Wald und in die Oberpfalz zu locken.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

"Es geht darum, in beiden Ländern die Voraussetzungen für eine naturschonende touristische Nutzung zu schaffen, um das Potenzial des Landschaftsschutzgebiets im Böhmischen Wald und im Oberpfälzer Wald auszuschöpfen", erklärt Veronika Hofinger, Leiterin des Centrum Bavaria Bohemia (CeBB). Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) erstellte dazu eine Machbarkeitsstudie. Diese wurde bei einer Konferenz der Regierung der Oberpfalz und der Regionsregierung Pilsen kurz vor der Corona-Ausgangsbeschränkung im CeBB vorgestellt. Die Ergebnisse des dreijährigen Interreg-Projekts (EU-Förderung) präsentierten die HSWT-Wissenschaftler Dr. Linda Szücs und Peter Blum zusammen mit den Partnern. Die Leitung lag bei Prof. Dr. Markus Reinke, HSWT-Vizepräsident für Forschung und Wissenstransfer.

Einblick in Kulinarik und Handwerk

Um die kulinarischen und handwerklichen Besonderheiten des Gebiets zu betonen, gaben örtliche Museen und Handwerker auf der Veranstaltung einen Einblick. Fertigkeiten wie Kostümstickerei, Bierbrauen, Spitzenklöppeln und Besenherstellung wurden zwischen den Vorträgen vorgestellt. Ein großer Erfolg des Verbundforschungsprojekts liegt darin, dass regionale Akteure im Naturschutz und im Tourismus aus beiden Ländern an einem Tisch zusammenkamen - ein Meilenstein für die Grenzregion.

Die derzeitige Situation, mit Beschränkungen im Bewegungsspielraum und der Grenzschließung zur Tschechischen Republik, wird für Vorarbeiten genutzt.

Veronika Hofinger, CeBB-Leiterin

Veronika Hofinger, CeBB-Leiterin

Nicht unkontrolliert ausbauen

Die bayerische und tschechische Seite formulierten ein gemeinsames Leitbild: Statt eines unkontrollierten Ausbaus der touristischen Infrastruktur, sollen Instrumente für einen naturschonenden Tourismus im rund 2500 Quadratkilometer großen Untersuchungsgebiet beidseits der Grenze etabliert werden. Ein Bewertungssystem und Kartenwerk zu bedeutsamen und empfindlichen Landschafts- und Naturräumen liegen jetzt vor, ebenso Methoden, Definitionen und Lösungsstrategien.

Die Forschungsergebnisse bilden mittel- und langfristig eine solide Grundlage für zukünftige Planungen und Maßnahmen der Kommunen und lokalen Entscheidungsträger. Ideen, wie beispielsweise ein grenzüberschreitendes Themen- und Radwanderwegenetz, wurden bereits im Projekt entwickelt. Auch mit der Machbarkeitsstudie zum sogenannten "Grünen Band", wie das Grenzgebiet entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs bezeichnet wird, entstand eine Reihe von Ideen. Auch hier spielt, neben dem Biotopverbund und der historischen Kulturlandschaft, der naturverträgliche Tourismus eine Rolle. Es liegt nun an den lokalen Entscheidungsträgern, Naturschutzbehörden und Touristikern die erarbeiteten Grundlagen zu nutzen und die entwickelten Instrumente umzusetzen, hieß es auf der Abschlussveranstaltung.

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Schönsee

Das Centrum Bavaria Bohemia wird als Koordinierungsstelle für die bayerisch-tschechische kulturelle Zusammenarbeit in regelmäßigen Abständen alle Beteiligten an einen Tisch holen, um die Koordination innerhalb der Grenzregion zu verbessern. Im Sommer 2020 plant das CeBB daneben einen Fotowettbewerb "Grünes Band" mit Ausstellung. "Die derzeitige Situation, mit Beschränkungen im Bewegungsspielraum und der Grenzschließung zur Tschechischen Republik, wird für Vorarbeiten genutzt", erklärt CeBB-Leiterin Veronika Hofinger. Dazu gehöre auch die Suche nach Synergieeffekten mit bereits bestehenden Angeboten.

Eva Fischer, Leiterin des Sachgebiets Naturschutz bei der Regierung der Oberpfalz, setzt auf naturschonenden Tourismus.
Naturnahen Tourismus fördern:

Projektpartner sind die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT), die Regionale Entwicklungsagentur der Region Pilsen, die Regierung der Oberpfalz, die Agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik und die Region Pilsen. Bereits entwickelt wurde ein grenzüberschreitendes Themen- und Radwanderwegenetz. Dazu hat die Machbarkeitsstudie eine Reihe an Ideen geliefert. Neben dem Biotopverbund und der historischen Kulturlandschaft spielt der naturverträgliche Tourismus eine Rolle. Unter dem Leitbegriff "Grünes Band", wie das Grenzgebiet entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs auch bezeichnet wird, lassen sich die zahlreichen attraktiven Ziele noch besser verbinden und bewerben.

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