11.01.2021 - 15:15 Uhr
SchönseeOberpfalz

Bürgerbus in Schönsee fährt trotz Lockdown

Für die Nutzer der Bürgerbusse in Dieterskirchen kam die schlechte Nachricht mit dem zweiten Lockdown. Die Passagiere im Raum Schönsee haben es besser - ihr Bus rollt weiter. Der Grund hat mit den Fahrern zu tun.

In manchen Teilen des Schwandorfer Landkreises muss der Bürgerbus wegen des aktuellen Lockdowns ruhen.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Der Bürgerbus sei ein Angebot "als Dienst zum Wohl vor allem der älteren Bewohner", hat es die frühere Schönseer Bürgermeisterin Birgit Höcherl bei einer Gelegenheit formuliert, als die Fahrer der Busse wieder einmal für ihr Engagement geehrt wurden. Tatsächlich gibt es eine schon über 30-jährige Tradition "Bürgerbus im Schönseer Land". Angenommen werden die Linien, die den Hauptort mit den umliegenden Dörfern verbinden und auch Stadlern einschließen, ganz gut. So sind im Jahr 2019 die Fahrgastzahlen auf 1750 gestiegen (im Jahr davor 1600); 2020er-Zahlen liegen der Redaktion noch nicht vor, aber man darf einen Rückgang vermuten. Immerhin wurde der Fahrdienst im März und April, als die Corona-Pandemie auch den Landkreis erreichte und Eindämmungsschritte nötig wurden, erst einmal auf Eis gelegt.

Mit Maske und Desinfektionsspray

Der zweite Lockdown seit Mitte Dezember 2020 sieht den Bürgerbus nicht mehr in der Defensive. Wie die Monate vorher dreht er auch aktuell drei Mal in der Woche seine Runden - Montag, Mittwoch und Freitag. Natürlich wurden die Fahrer vorher gefragt, ob sie überhaupt bereit seien dafür. Für Erwin Hunger aus Schönsee, einen aus der ehrenamtlichen Fahrerriege, war es zum Beispiel keine Frage, weiter am Steuer zu sitzen. Auch wenn er 68 Jahre alt ist und nach den Pandemie-Kriterien zur "Risikogruppe" zählt. Aber Erwin Hunger hat diesbezüglich keine Angst, wie er versichert - außerdem trägt er Maske bei der Arbeit und stellt im Transporter ein Desinfektionsspray für die Passagiere zur Verfügung.

Sieben Leute passen in den Wagen, vier bis fünf sind oft dabei, wenn der Bürgerbus seine Runden dreht und Haltestellen wie Laub, Dietersdorf, Weberhäuser, Friedrichshäng, Charlottenthal, Schwarzach, Preißhof, Weiding, Kagern, Hannesried , Schönau und Stadlern ansteuert; manche allerdings nur nach vorheriger Anmeldung. Manchmal fährt Erwin Hunger auch ganz alleine durch die Landschaft, die Regel ist das aber nicht.

Corona hat die Zahl der Passgiere reduziert, weil derzeit in Schönsee die Gaststätten und Cafés geschlossen sind. "Einige aus Stadlern fahren nicht mehr mit, weil sie nach den Einkäufen in Schönsee nicht mehr einkehren können," hat Hunger festgestellt. Denn nicht jede - und es sind vor allem Frauen, die den Bus zum Einkaufen nutzen - mag in der Norma in Schönsee auf den Bürgerbus warten; auch wenn man dort extra Stühle für diesen Zweck aufgestellt hat.

Dass die Norma in die Bürgerbus-Linie integriert wurde, hatte mit dem Wegfall des Edeka-Marktes in Schönsee im Jahr 2019 zu tun. Die Norma in Schönsee liegt nämlich etwas außerhalb des Stadtkerns in erhöhter Lage. Gerade für ältere Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität stellt der Weg dorthin eine beschwerliche Hürde zum Einkauf dar. So wurde auf Wunsch der Stadtverwaltung der Norma-Markt in die Fahrpläne der Linien S1 und S7 des Bürgerbusses eingebunden. In diesem Zuge wurde auch eine weitere Haltestelle in der Böhmerwaldstraße am Wasserrad auf der Linie S7 geschaffen.

Seit einem Jahr gibt es in der Region auch das Baxi. "Aber das ist keine Konkurrenz für den Bürgerbus," versichert Magdalena Bittner, die sich in der Verwaltungsgemeinschaft um die Belange des Bürgerbusses kümmert. Ziele und Fahrgast-Intentionen seien anders: "Die Rentnerinnen nehmen den Bürgerbus für die Fahrt zum Einkauf in Schönsee, das Baxi befördert Leute hingegen nach Oberviechtach oder nach Nabburg, wenn sie beispielsweise zum Zug müssen."

Zum Schutz kein Bürgerbus

Im Raum Dieterskirchen, wo der zweite Bürgerbus des östlichen Landkreises seine Runden dreht, stehen derzeit die Räder still. Jasmin Brunner von der dortigen Verwaltungsgemeinschaft erklärt das so: "Zum Schutz der ehrenamtlichen Fahrer des Bürgerbusses wurde der Betrieb im Frühjahr während des ersten Lockdowns, also des ersten landesweit ausgerufen Katastrophenfalls, eingestellt. Dies war von Mitte März bis Ende Juni 2020. Am 16. Dezember 2020 wurde wieder ein Lockdown ausgerufen, woraufhin erneut der Betrieb des Bürgerbusses für die Dauer des Lockdowns eingestellt wird." Viele Fahrer, die der Risikogruppe angehören, wollten den Dienst ruhen lassen.

Betroffen von dem Stillstand sind Orte wie Oberviechtach, Zangenstein, Neunburg vorm Wald und Schwarzhofen, aber auch viele kleine Dörfer, die durch den Bus angefahren werden. Die einzelnen Linien werden meist zweimal die Woche befahren. "Im Gesamten betrachtet fährt der Bürgerbus jedoch täglich, nur eben verschiedene Linien," so Brunner. Diese Linien sind ein Angebot für 4800 Einwohner aus 44 Ortsteilen von 6 Gemeinden, die an die Unterzentren Neunburg v. W. und Oberviechtach, bei denen sich auch die Verwaltungssitze befinden, anbinden. Von diesen beiden Orten besteht auch Umsteigemöglichkeit zum Mittelzentrum und Kreissitz Schwandorf.

Bürgerbusfahrer sind im Schönseer Land zuverlässig unterwegs

Als die Bürgerbuslinien Schönsee vor gut drei Jahren ein neues Fahrzeug erhielten, einen weißen "VW-Transporter-Kombi", durfte sich Landrat Thomas Ebeling kurz hinters Steuer setzen.
Hintergrund:

Bürgerbus

  • Speziell in den weniger dicht besiedelten Landkreisen treten Probleme im öffentlichen Personennahverkehr auf, da mangels Nachfrage ein attraktiver Linienverkehr wirtschaftlich nicht mehr vertretbar ist.
  • Leidtragende sind diejenigen, die nicht über einen eigenen Pkw verfügen, etwa Hausfrauen, Kinder und Jugendliche - und vor allem ältere Menschen.
  • Vor diesem Hintergrund entstand in den 1980er Jahren die Idee, in Teilgebieten des Landkreises, die nicht an das öffentliche Liniennetz angeschlossen sind, in Eigenregie einen Sammelbus für Zubringer- und Nachbarschaftsverkehr einzusetzen (Bürgerbus).
  • Die einzelnen Linien werden nicht täglich sondern zwei- bis dreimal pro Woche mit jeweils zwei bis drei Fahrtenpaaren bedient.
  • Wie in einer Selbsthilfeorganisation bringen Bürger ihre Vorschläge ein, wo und zu welchen Zeiten ihr Bürgerbus fahren soll und fahren diesen Bus auch selbst.
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