18.09.2020 - 17:30 Uhr
SchönseeOberpfalz

Bürgermeister will Probleme im direkten Kontakt klären

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Schule, Seniorenzentrum, Rathaus: Schönsee steht vor großen Herausforderungen. Wie er sie bewältigen möchte, sagt der neue Bürgermeister Reinhard Kreuzer im Gespräch mit den Redaktionsmitgliedern Gertraud Portner und Wilhelm Amann.

Die Stadt Schönsee hat seit Mai einen neuen Bürgermeister. Über den Beginn seiner Amtszeit und die ersten Erfahrungen sprach die Lokalredaktion mit Reinhard Kreuzer.
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

ONETZ: Sie sind selbstständiger Unternehmer und ehrenamtlicher Bürgermeister und pendeln zwischen Schreinerei und Rathaus. Wie lässt sich das miteinander vereinbaren?

Reinhard Kreuzer: Das ginge nicht, wenn es meine Familie nicht geben würde. Meine Frau macht von zuhause aus Büroarbeiten, mein Sohn leitet die Firma mit den zwei Standorten in Schönsee und in Eslarn, und meine Tochter hilft nebenberuflich auch noch mit. Ohne diese drei Personen mit der passenden beruflichen Bildung und fachlichen Eignung würde es nicht funktionieren. Aber das hatten wir im Vorfeld schon so besprochen, sonst hätte ich mich nicht zur Verfügung gestellt.

ONETZ: Welche Problemstellungen haben sich in den ersten Monaten seit der Amtsübernahme herauskristallisiert?

Reinhard Kreuzer: Wir haben viele angefangene Baustellen, die es gilt, zu Ende zu führen. Eklatant sind unsere finanziellen Probleme. Deswegen müssen wir unbedingt alle Fördermöglichkeiten abklären. Da ist es ganz wichtig, das Beste für die Stadt herauszuholen. Durch Corona hat sich unsere finanzielle Situation noch weiter verschlechtert. Der Rückgang bei der Gewerbesteuer ist der Hauptgrund dafür.

ONETZ: Kann sich die Stadt Schönsee die Sanierung der ehemaligen Hauptschule noch leisten?

Reinhard Kreuzer : Wir sind schon noch dran, das Projekt umzusetzen. Vorletzte Woche hat sich eine andere lohnenswerte Sache aufgezeigt. Nun müssen wir diese spruchreif bringen.

ONETZ: Wie geht es mit dem geplanten Seniorenzentrum weiter?

Reinhard Kreuzer : Wir sind zweigleisig aufgestellt, gebaut wird auf jeden Fall. Die Stadt hat sich 2018 mit dem Vertrag zur Städtebauförderung "Innen statt Außen" zur Innenstadtentwicklung verpflichtet, deshalb liegt uns Ende September eine Machbarkeitsstudie für einen Standort im Zentrum vor. Einen Leerstand in der Innenstadt zu beseitigen, sehe ich positiver als auf der Wiese zu bauen. Denn es wäre schön, wenn die Senioren noch am Leben in der Stadt teilnehmen können. Auch ist es innerorts einfacher, zum Kurpark zu kommen. Im Oktober findet das  Gespräch mit Regierung und Investor statt. Meiner Meinung nach könnte das Alten- und Pflegeheim bis Ende 2022 eröffnet werden.

ONETZ: Gibt es einen neuen Termin für die Einweihung des Zäch-Hauses? Die Coronakrise verhinderte im Frühjahr die geplante Eröffnung und auch den angekündigten Besuch von Bauministerin Kerstin Schreyer in Schönsee.

Reinhard Kreuzer : Ja, für Mitte oder Ende Oktober wird ein umfangreiches Programm geplant. Dazu wird wieder ein Vertreter der Regierung eingeladen, denn das Projekt ist ja hochdotiert gefördert. Über die 80 Prozent auch für Nebenkosten kann man schon froh sein.  

ONETZ: Das Zäch-Haus sorgte für viele Diskussionen im Stadtrat, jetzt entpuppt es sich als Vorzeigeprojekt. Wie stehen Sie dazu?

Reinhard Kreuzer : Die Diskussion entstand dadurch, dass das Projekt im Vorfeld nicht sauber kommuniziert wurde. Vor allem war nicht klar, für was es genutzt werden soll. Für mich war es immer das oberste Ziel, Arbeitsplätze reinzubringen und es nicht nur zur Präsentation zu haben. Jetzt gibt es dort vier Arbeitsplätze, was für Tourist-Info, CeBB  und auch die Verwaltung mehr Raum bedeutet.

ONETZ: Wenn Sie schon das Rathaus ansprechen, dies ist ja ein wenig in die Jahre gekommen...

Reinhard Kreuzer : Ja, es ist kein Rathaus mehr für das Jahr 2020. Die Böden knarren und vieles ist verschlissen. Die Außensanierung war nur eine Verschönerung, außerdem ist das Obergeschoss vollgepfercht mit Personal. Wir sind dran, das Einwohnermeldeamt und die Kasse barrierefrei im Erdgeschoss unterzubringen.

ONETZ: Wie stehen Sie zum Centrum Bavaria Bohemia?

Reinhard Kreuzer : Das CeBB ist für mich eine nach außen gut wirkende Institution. Als  Stadt steuern wir einen großen Obolus bei. Aber wir müssen versuchen, die Finanzierung auf die Schiene der Regierung zu bekommen. Es kann nicht sein, dass der Trägerverein vorfinanzieren und derart in Vorleistung gehen muss. Ich spreche aktuell alle Politiker, die nach Schönsee kommen, darauf an, um die Finanzierung auf die Landkreis-, Bezirks- und Landesebene zu bringen, denn schließlich ist es nach 15 Jahren als eine einmalige Institution der Oberpfalz zu sehen.  Außerdem hat Veronika Hofinger das CeBB gut ausgebaut. Man kann sich bei ihr hundertprozentig darauf verlassen, dass es funktioniert.

ONETZ: Bürgernähe war ein Schlagwort in Ihrem Wahlkampf. Gibt es hier schon Neuerungen?

Reinhard Kreuzer : Mir ist es ganz wichtig zu informieren, sowohl im Stadtrat als auch in der Bevölkerung. Ich führe immer Gespräche mit den betroffenen Bürgern und suche die direkten Kontakte. Das ist anders als in den vorhergehenden Jahren. Ich hoffe, dass wir gegen Ende des Jahres noch Bürgerversammlungen in den einzelnen Ortschaften machen können. Denn ich möchte das erste Dreivierteljahr mit den Leuten besprechen, auch Kritik ernten und hören, was man noch besser machen kann. Bürgernähe soll jedenfalls keine leere Worthülse bleiben.

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Schönsee

ONETZ: Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit in der Verwaltungsgemeinschaft Schönsee unter dem Vorsitz des Stadlerner Bürgermeisters?

Reinhard Kreuzer: Die VG-Wahl war der letzte Angriff der alten Regierung auf mich und meine Partei. Man wollte ein Zerwürfnis aus dem Boden stampfen. Die Situation hat sich aber beruhigt. Die Zusammenarbeit funktioniert und ist auf einem normalen Stand, auch wenn einige Stadträte immer mal wieder etwas herauskitzeln wollen. Aber der Wahlkampf ist vorbei, und ich will mich nicht sechs Jahre lang streiten. Für mich ist es schon eine komische Situation im Rathaus, da ich es gewohnt bin, Chef zu sein (Anmerkung der Redaktion: In seiner Schreinerei beschäftigt Kreuzer 15 Leute).   

ONETZ: Wird die Stadt Schönsee die Verwaltungsgemeinschaft verlassen?

Reinhard Kreuzer : Nein. Wir ziehen die  beiden kleinen Gemeinden mit, finanziell und auch in der Verwaltung. Denn wir haben wichtige und sehr gute Themen, die über die Stadtgrenzen hinaus abzuarbeiten sind.

ONETZ: Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was fällt Ihnen da ein?

Reinhard Kreuzer: Das Seniorenheim und die STE (Anmerkung: Sozialtherapeutische Einrichtung in der Böhmerwaldstraße) in städtischer Hand. Aktuell wird nach Alternativen gesucht, den Abzug der STE nach Weiden zu verhindern, denn daran hängen auch rund 30 Arbeitsplätze. Mein zweiter Wunsch wäre, dass sich die Stadt  in einem guten Geldsegen bewegen kann. In der Vergangenheit wurde nichts falsch gemacht, aber wichtige Investitionen hat man schleifen lassen, darunter auch den Straßenbau.  Ein weiterer Wunsch ginge dahin, dass wir in der Zeit der Corona-Pandemie keinen großen Ausbruch mehr im Stadtbereich haben und wir uns alle gesund und normal bewegen können.

Im Blickpunkt:

Halb und halb

  • Die Mitarbeiter im Rathaus sind...äußerst engagiert, absolut zuverlässig und ein gut motiviertes Team.
  • In der Verwaltungsgemeinschaft möchte ich...die Zusammenarbeit wieder auf ein Niveau führen, auf dem man sich gut auf Augenhöhe begegnen kann.
  • Es hat mir besonders gut gefallen, dass...für laufende Projekte die Finanzierung funktioniert hat und sie dadurch gut über die Bühne gebracht werden.
  • Gerne mache ich...Bürgerversammlungen, um aus dem Gespräch mit den Bürgern neue Ideen zu schöpfen.
  • Das Klima in den Stadtratssitzungen ist jetzt...bis auf wenige Ausnahmen sehr gut und die Zusammenarbeit unter den einzelnen Parteien kann man als besser laufend bezeichnen als in den Jahren zuvor.
  • Geärgert hat mich... ...die Wahl des VG-Vorsitzenden, über die man im Vorfeld viel besser diskutieren hätte müssen.
  • Meine Amtsvorgängerin sehe ich als...nicht so problematisch wie das oft dargestellt wird.
  • Im Umgang mit politischen Gegnern ist mir wichtig, dass...Ehrlichkeit gewahrt wird und Diskussionen auf Augenhöhe geführt werden.
  • Meine größte Enttäuschung war bisher...dass mir hochrangige Politiker aus Schönsee nicht zu meiner Wahl zum Ersten Bürgermeister gratuliert haben.
  • Ich will unbedingt erreichen, dass......wir in Schönsee weiter vorankommen als dies in den letzten 40 Jahren der Fall war.

Die VG-Wahl war der letzte Angriff der alten Regierung auf mich und meine Partei. Man wollte ein Zerwürfnis aus dem Boden stampfen. Die Situation hat sich aber beruhigt.

Bürgermeister Reinhard Kreuzer

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