13.02.2020 - 15:19 Uhr
SchönseeOberpfalz

"Crème de la Crème einer Epoche"

Als Deutscher bedeutende Tschechen aus einer 150-jährigen, von Umwälzungen gekennzeichneten Zeitspanne zu porträtieren, ist ein gewagtes Unterfangen. Wolfgang Schwarz, dem Autor der neuen Ausstellung im CeBB, ist dies gelungen.

Vor dem Porträt Božena Němcová unterhalten sich Wolfgang Schwarz (links), Autor der Ausstellung, und Jozo Džambo (rechts), der für die Katalog-Erstellung verantwortlich war.
von Hans EibauerProfil

Anfangs standen für das Ausstellungsprojekt „Zwischen Sprache, Nation und Staat 1800 bis 1945“ etwa 80 Namen von Tschechen auf der Rechercheliste von Wolfgang Schwarz, Kulturreferent für die böhmischen Länder beim Adalbert-Stifter-Verein in München, dem Autor dieser mobilen Ausstellung. Bei der Eröffnung schilderte er den schwierigen Prozess, die Fülle an Persönlichkeiten auf die 15 Bedeutendsten in dieser Umbruchzeit zu reduzieren. „Die Ausgewählten sollten einerseits die Empfindungen der Tschechen widerspiegeln, andererseits sollten die schließlich Portraitierten als Schriftsteller, Wissenschaftler, Künstler, Politiker, Musiker, Wissenschaftler, Techniker, Widerstandskämpfer und Journalisten zur Crème de la Crème dieser Epoche gehören.“

Im Mittelpunkt von Katalog und Ausstellung stehen Persönlichkeiten mit enger Beziehung zur deutschen Sprache und Kultur und zur Habsburger-Monarchie. Zwei Frauen sind in dieser noch sehr von Männern dominierten Zeit darunter: Božena Němcová, bekannt als Schriftstellerin und Erzählerin des Märchens „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, und Ema Destinová/Emmy Destinn, eine unter diesen Pseudonymen auftretende Opernsängerin, die ihrer Zeit (1878 bis 1930) als beste dramatische Sopranistin galt.

Wer die bis 21. März dauernde Präsentation im CeBB besucht, sollte etwas Zeit mitbringen: Sich in die Porträts zu vertiefen heißt auch, sich beim Lesen der zweisprachigen Texte und Bildunterschriften in die vergangenen zwei Jahrhunderte im Nachbarland zu versetzen: In eine Epoche des Übergangs von der Habsburger-Monarchie zur Ersten Tschechoslowakischen Republik, die mit der deutschen Besetzung 1939 abrupt endete und nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg zur Vertreibung der Sudetendeutschen führte.

Zu den in Deutschland bekannteren Persönlichkeiten gehören Tomáš Baťa (Unternehmer), Karel Čapek (Schriftsteller), Antonín Dvořák (Komponist), Jaroslav Hašek (Autor und Erfinder der Figur des braven Soldaten Schwejk), Josef Lada (Kinderbuchautor), Tomáš Garrigue Masaryk (Politiker, Staatspräsident), Alfons Mucha (Künstler) und Bedřich Smetana (Komponist).

Vor und nach den einleitenden Worten von CeBB-Leiterin Veronika Hofinger überraschte die zehnjährige Pia Pfeiffer aus Schönau mit ihrem wohlklingenden Harfenspiel. Pia hat erst vor eineinhalb Jahren die Harfe entdeckt, lernt das Instrument an der Neunburger Musikschule bei Veronika Miller-Wabra und hat Ende Januar bei „Jugend musiziert“ in Regensburg in der Altersgruppe II der Nachwuchsharfenistinnen den ersten Preis gewonnen. Die von so viel Talent begeisterten Gäste spendeten nach jedem Stück Applaus. Da war es nicht verwunderlich, dass die Schülerin auch noch eine Zugabe am Ende der Vernissage parat hatte. Unter den Besuchern war auch Jozo Džambo, der den Katalog zur Ausstellung gestaltete und lange Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Adalbert-Stifter-Verein tätig war.

Bei den anregenden Gesprächen nach der Präsentation zeigte sich, welch wichtige Rolle das CeBB im grenzüberschreitenden Dialog einnimmt. Mit Freude berichtete Leiterin Veronika Hofinger über die aktuelle Entscheidung des Bayerischen Landtags, die Finanzierung der im CeBB seit 2016 angesiedelten „Koordinierungsstelle für die bayerisch-tschechische kulturelle Zusammenarbeit“ aus Mitteln der Fraktionsreserve zusätzlich zu verbessern.

Pia Pfeiffer begeisterte mit ihrem einfühlsamen Harfenspiel
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.