Schönsee
15.02.2019 - 12:56 Uhr

Diplomatie im Wandel der Zeit

Leben wir in einer Ära, in der Diplomatie wieder mutiger werden muss? Auch mit dieser Frage setzen sich die Referenten im Centrum Bavaria Bohemia auseinander. Zwei neue Ausstellungen beleuchten das deutsch-tschechische Miteinander.

Ralf Klinger (rechts), Kulturattaché der Deutschen Botschaft in Prag, erläutert Rechtsanwalt Arthur Braun, Mitglied des Stiftungsrats der Kulturstiftung Bavaria Bohemia, verschiedene Details der Ausstellung. Bild: eib
Ralf Klinger (rechts), Kulturattaché der Deutschen Botschaft in Prag, erläutert Rechtsanwalt Arthur Braun, Mitglied des Stiftungsrats der Kulturstiftung Bavaria Bohemia, verschiedene Details der Ausstellung.

Das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) eröffnete zwei weitere Ausstellungen zum Themenzyklus "Von der Paneuropa-Idee ins gemeinsame Europäische Haus – der Jahrhundertzeitraum 1918 bis 2018.“ Einführende Worte zur Ausstellung „Diplomatie zwischen Prag und Berlin – ein doppelter Anfang 1918/1993“ (bis 1. März im bb-forum) sprachen Lydia Holinková vom Außenministerium Tschechiens und Ralf Klinger, Kulturattaché an der Deutschen Botschaft in Prag.

Die bilateral erarbeitete Wanderausstellung zeichnet im ersten Teil die Anfänge der diplomatischen Beziehungen zwischen Prag und Berlin in der Weimarer Republik bis 1925 nach – mit den diplomatischen Kontakten zwischen dem ersten Generalkonsul Fritz Freiherr von Gebsattel mit dem Nationalausschuss der Tschechoslowakei und dem Entstehen der deutschen Botschaft. Lydia Holinková nannte ihn einen "mutigen Diplomaten", der schon vier Tage nach der Unabhängigkeitserklärung am 28. Oktober 1918 die Tschechoslowakei im Namen seiner Regierung anerkannte, ohne das mit Berlin abgesprochen zu haben.

Der zweite Teil widmet sich den Beziehungen zwischen Tschechien und Deutschland nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in den Jahren 1993 bis 2018 mit der Unterzeichnung der deutsch-tschechischen Erklärung im Jahr 1997. Dieser folgten unter anderem Dialogforen im Bestreben, die Beziehungen im guten Geist voranzubringen, aber auch um Konflikte offen anzusprechen. Ralf Klingers Fazit zu den Anfängen der Deutsch-Tschechischen Beziehungen nach der Gründung der Weimarer Republik und der Unabhängigkeitserklärung der Tschechoslowakei: „Es war eine Zeit, in der sehr viel Grund zur Hoffnung bestand, dass es zu einer positiven Entwicklung zwischen den beiden Völkern kommt." Leide habe diese Phase in düstere Zeiten gemündet. "Umso schöner ist es, dass der Prozess seit 1993 positive Entwicklungen zeigt". Hier nannte Klinger den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, von dem auch das CeBB mit der Förderung von Projekten profitiert.“

Die zweite Ausstellung (zu sehen bis 15. März, bb-dialog) mit dem Titel „Im Zeichen der drei Deklarationen“ thematisiert die Haltung und Stellung der Adeligen in der Tschechoslowakei im Kontext der Münchner Ereignisse des Jahres 1938 und der folgenden Besetzung der tschechischen Länder durch Nazi-Deutschland. In die Ausstellung führte Zdeněk Hazdra ein, Leiter des Instituts für Erforschung totalitärer Regime in Prag.

Das Hauptaugenmerk der mit großer historischer Fachkenntnis zusammengestellten 27 Paneele mit Bildern und Text liegt auf den Vertretern der Adelsfamilien, die sich unter erheblichem Risiko zur Einheit der Länder der böhmischen Krone bekannten und in drei Erklärungen ihre Unterstützung der tschechischen Nation und des Volkes proklamierten. Zusätzliche Themenstellungen sind einerseits die Kollaboration der Adeligen und andererseits ihre Beteiligung in der anti-nationalsozialistischen Widerstandsbewegung und den damit verbundenen Sanktionen. Unter den Kuratoren der Wanderausstellung war Karel Schwarzenberg, früherer Außenminister der Tschechischen Republik und Brückenbauer-Ehrenpreisträger. Bei der Eröffnung drückte der Referent die Hoffnung aus, dass sie „zur Korrektur einer verzerrten Sicht auf den Adel beiträgt". Denn Geschichte sei nicht nur Schwarz-Weiss. "Das stellt uns alle vor die Aufgabe, sich der Geschichte sensibel anzunähern.“

CeBB-Leiterin Veronika Hofinger betonte, wie wichtig für das Programm des CeBB die Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte ist. "Wir greifen gerne geschichtliche Ereignisse auf, damit sich Interessierte aus beiden Nachbarländern in Ausstellungen und Diskussionen informieren und auseinandersetzen können." Heuer werde der Fall des Eisernen Vorhangs und die Samtene Revolution vor 30 Jahren Anlass sein, sich mit diesem die Welt und auch die Region verändernden Ereignis auseinanderzusetzen. Die nächste Veranstaltung in der zeitgeschichtlichen Programmreihe ist die Lesung von Bernd Posselt am Samstag, 23. Februar, um 15 Uhr aus seinem Buch „Bernd Posselt erzählt Europa“.

 
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