29.05.2019 - 11:40 Uhr
SchönseeOberpfalz

Einmalige Chance nutzen

Seit Jahren ist die Stadt Schönsee auf der Suche nach einem Fördertopf für die Sanierung der ehemaligen Hauptschule. Nun stehen 80 Prozent Zuschuss in greifbarer Nähe. Der Entwurf für das Fünf-Millionen-Projekt steht.

Die ehemalige Hauptschule in Schönsee wurde 1974/75 errichtet. Bei der Sanierung des künftigen "Bürgerhauses" soll der 70er-Jahre-Charme der Fassade mit Schindeln und großen Glasfronten erhalten.bleiben.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Die Vorstellung des Konzeptes für die Sanierung der ehemaligen Hauptschule (Arbeitstitel: "Bürgerhaus") war der zentrale Punkt der Stadtratssitzung. "Es schaut gut aus, dass wir die Förderung von 80 Prozent über das Programm ,Innen statt Außen' erhalten", freute sich Bürgermeisterin Birgit Höcherl. Nun gehe es darum, den überarbeiteten Konzept-Vorentwurf bei der Regierung vorzustellen. Dass das große Gebäude hohe Kosten verursache, sei in Regensburg bereits bekannt. Aber ohne Sanierung drohe Abriss oder Leerstand. "Wir können heute nicht festzurren, was alles drin sein soll, damit wir flexibel auf Anforderungen reagieren können", bekräftigte Höcherl.

Architekt Christian Schönberger betonte, dass das "Bürgerhaus in der ehemaligen Volksschule" auf einem guten Weg sei. "Das Objekt behält seinen 70er-Jahre-Charme mit Schindeln und großen Glasflächen", bekräftigte der Planer, als er die baulichen Mängel beleuchtete. Dazu gehören unter anderem Beton-Korrosion, Dämmung, Wasserschäden und Flachdach-Probleme. Geld muss auch für Brandschutz, Schall- und Wärmeschutz sowie für die Barrierefreiheit (Aufzug) und Sonnenschutz in die Hand genommen werden. Dazu wird der Sanitärbereich ertüchtigt. Wir wollen sauber sanieren und nicht überformen", betonte Schönberger und stellte klar: "Die Aula sucht in der Region seinesgleichen". Geplant sei, dass die Wand zum Pausenhof großflächig geöffnet werden kann. Durch mobile Trennwände zu den angrenzenden Räumen finden im Erdgeschoss bis zu 500 Personen Platz. Die Ausmaße sind enorm: 1283 Quadratmeter im Erdgeschoss (ohne Turnhalle) und 1126 Quadratmeter im Obergeschoss.

Potpourri an Nutzungen

Der Architekt erläuterte die Kostenschätzung für die Sanierung im Detail. Inklusive Baunebenkosten errechneten sich 4 795 826 Euro. Die energetische Sanierung alleine verschlingt schon 1,46 Millionen Euro. Dazu kommen unter anderem Brandschutz (350 260 Euro), Umbau der Klassenzimmer (506 629), Umbau der Klassenzimmer zu offenen Bereichen (200 933), Sanierung der Freibereiche mit Aula (214 970), Toilettenanlage (101 672), Technik (174 800), Statik (78 750), Außenanlagen (327 300). Mit den Preissteigerungen für die nächsten Jahre muss man von rund fünf Millionen Euro ausgehen. Bei einem Zuschuss von 80 Prozent verbleiben bei der Stadt Schönsee etwa eine Million Euro.

"Es gibt ein Potpourri an verschiedenen Veranstaltungen", sagte die Bürgermeisterin. Die Bedeutung des Bürgerhauses habe man mit einer Aufstellung der Aktivitäten in 2018 deutlich gemacht. Diese reichen von der Hegeschau bis zum Faschingsball und Kurkonzert, sowie von der Blutspendeaktion bis zum Fahrradbasar oder Kochkurs. Auch Workshops, Klöppelkurse und Bürgerversammlungen fanden hier statt. Die Diskussionsrunde eröffnete Stadtrat Reinhard Kreuzer mit der Frage nach den förderfähigen Kosten. Lediglich die lose Möblierung für rund 60 000 Euro sei hier nicht dabei, informierte Schönberger und beantwortete die Frage von Josef Fleißer zu den Folgekosten: "Diese hängen von der Intensität der Nutzung und vom Heizungssystem ab." Die Bürgermeisterin verwies auf derzeit hohe Energiekosten für das Haus. Sie könne sich vorstellen, dass künftig bei Veranstaltungen mit Eintritt ein Unkostenbeitrag verlangt wird. Andreas Kulzer wollte wissen, ob es auch möglich sei, nur das Erdgeschoss zu sanieren, da die Bevölkerungszahl abnehme. Und Reinhard Kreuzer machte den Vorschlag, das Obergeschoss zu vermieten, um das Stadtsäckel bei den Unterhaltskosten zu schonen. "Wir brauchen den Platz auch vom Obergeschoss", gab Höcherl zu bedenken. Das habe die Vergangenheit gezeigt.

"Müssen zuschlagen"

Thomas Schiller monierte, dass die Entwurfspläne vom 7. April nicht vor der Sitzung vorlagen, um sich in den Fraktionen besprechen zu können. "Die Reihenfolge, erläutern und dann überdenken, ist in Ordnung", bemerkte die Bürgermeisterin. Michael Präßl und Andreas Hopfner regten an, die Vereine mit ins Boot zu holen. "Das Konzept Bürgerhaus hat die Regierung überzeugt. Alles andere wird sich finden", meinte Birgit Höcherl. Sie verwies darauf, dass die Stadt seit elf Jahren auf der Suche nach einem Fördertopf sei. "Es ist ein Objekt für das ganze Schönseer Land. Wir müssen den jungen Familien auch etwas bieten", sagte Josef Höcherl. "Wenn wir für eine Million Euro sanieren können, dann müssen wir zuschlagen." Hans Schieber erhofft sich bei der ISEK-Ideenwerkstatt vom 4. bis 6. Juni (siehe Kasten) Vorschläge der Bürger für das Schulgebäude. "Hier sind Ideen für die gesamte Innenstadt gefragt", ergänzte die Bürgermeisterin.

Zweiter Bürgermeister Josef Irlbacher wollte sich in Ruhe Gedanken machen, was alles möglich ist: "Bei einem Fünf-Millionen-Projekt bin ich heute nicht fähig, die Räume mit Nutzungen zu belegen." Er begrüßte es, wenn sich die Bürger einbringen. Andreas Hopfner sah im Konzept viele positive Möglichkeiten. Wichtig sei aber eine weitere Diskussion, um den richtigen Weg zu finden. "Die Ideen kommen, wenn das Gebäude saniert ist", meinte Birgit Höcherl. Im Juni/Juli wird sich der Stadtrat noch einmal mit dem Projekt befassen. Im September soll dann die Kostenberechnung mit Entwurf bei der Regierung eingereicht werden, damit die Genehmigung bis Ende Dezember vorliegt. Bei den Sanierungsarbeiten gehe man von einem Zeitfenster von vier bis fünf Jahren aus. Die Verwaltung wurde damit beauftragt, die Ausschreibung der Planungsvergabe nach EU-Recht vorzubereiten.

Stadtkern aufwerten:

Ideen-Werkstatt

„Mehr Leben in unserem Stadtkern!“ Das ist das Motto der Ideen-Werkstatt, wozu ein Team vom Büro Nonconform (Architektur, Raumplanung, Kommunikation) vom 4. bis 6. Juni im Centrum Bavaria Bohemia anwesend ist. Bürgermeisterin Birgit Höcherl lädt zusammen mit dem Stadtrat alle Bürger ein, sich mit Vorschlägen und Bedürfnissen einzubringen. Gemeinsam soll entschieden werden, wie sich der Stadtkern und das nähere Umfeld in Zukunft weiterentwickeln sollen. Für alle ist etwas dabei: Einzelgespräche, Workshops oder das schriftliche Abgeben von Vorschlägen. Schon seit einiger Zeit stehen Ideenboxen an verschiedenen Standorten (Geschäfte, Banken, Arztpraxen, Schule, Kindergarten, Rathaus) bereit. Die Schlusspräsentation findet am Donnerstag, 6. Juni, um 19 Uhr statt.

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