03.08.2021 - 18:12 Uhr
SchönseeOberpfalz

Erdbeer-Spätlese aus dem Schönseer Land

Wer hätte vor Jahren gedacht, dass es in Schönsee auf 650 Metern Meereshöhe einmal ein Erdbeerfeld zum Selberpflücken geben wird? Die Landwirtsfamilie Hirn hat das Experiment heuer gewagt – und seit einigen Tagen wird geerntet.

Gäste aus Köln, die ein paar Tage im Schönseer Land verbringen, haben das Erdbeerfeld entdeckt und pflücken für den Kuchen am Nachmittag. Herbert und Daniela Hirn mit Sohn Florian (alle stehend) zeigen auf die Stauden mit den reifen Früchten..
von Hans EibauerProfil

Noch bis Ende dieser Woche soll es auf dem Erdbeerfeld der Familie Hirn die Früchte zum Selberpflücken geben. Mit 1400 Pflanzen sei die Anbaufläche noch recht klein, sagt Direktvermarkterin Daniela Hirn. Wie viele es von den süßen Beeren sein werden, hängt mit vom Wetter ab. Je sonniger, desto besser, lautet die Devise. Eine telefonische Anmeldung auf dem Aussiedlerhof der Familie, der etwas außerhalb von Schönsee an der Straße nach Lindau liegt, sei auf jeden Fall notwendig.

Wetterrisiko umgangen

Als vor etwa 20 Jahren im Landkreis Schwandorf die ersten Erdbeerfelder entlang der viel tiefer liegenden und wärmeren Naab-Achse entstanden, hatte niemand auf dem Schirm, dass es 2021 ein erstes Erdbeerfeld in Schönsee, oft als „Bayerisch-Sibirien“ apostrophiert, geben wird. Der Klimawandel spielt der Familie Hirn mit ihrem Erdbeerangebot in die Karten. Mit dem Reifezeitpunkt der Erdbeeren von Mitte bis Ende Juli und in die ersten Augusttage hinein, haben die "Schönseer Erdbeerpioniere" das Wetterrisiko der Eisheiligen im Mai und der Schafskälte im Juni geschickt umgangen.

Freude schwingt bei Daniela Hirn mit, wenn sie von den rund 50 Pflücke-Gästen erzählt, die schon da waren und viel Lob für die süßen Früchte hatten. „Nächstes Jahr werden wir die Erdbeerfläche verdoppeln, die Pflanzen sind schon bestellt“ ist die Botschaft der jungen Landwirtsfamilie, die in der Direktvermarktung ein Einkommensstandbein für die Zukunft sieht.

Mit Eiern von freilaufenden Hühnern – inzwischen steht ein mobiler Hühnerstall am östlichen Ortseingang von Schönsee und ein weiterer direkt beim Erdbeerfeld – haben Daniela und Herbert Hirn vor zwei Jahren begonnen. Eine eigene Nudelproduktion ist die Folge, Kartoffeln vom Feld ergänzen das Angebot. Wer in den Hof zum Abwiegen der gepflückten Erdbeeren hineinfährt, der parkt vor einem halb in die Höhe gemauerten Rohbau. „Das wird unser Hofladen, der im kommenden Jahr eröffnet wird.“ Bei dieser Perspektive schwingt Stolz in der Stimme mit. Ziel ist es, mit den Hofprodukten der Bevölkerung ein regionsspezifisches Angebot zu machen.

Generationen helfen zusammen

Bewundernswert, wie Daniela Hirn mit vier kleinen Kindern, zusammen mit ihrem Mann Herbert, die Umstellung und Erweiterung des Hofs in Richtung Direktvermarktung voranschiebt. Damit das funktioniert, helfen alle drei miteinander am Hof lebenden Generationen zusammen. Die vierte Generation der Kinder macht schon spielerisch mit – ob beim Eier einsammeln, Hühner streicheln oder beim Erdbeeren schnabulieren.

Am Beispiel dieses in den 1960er Jahren ausgesiedelten Betriebs, der heute unter anderem rund 70 Hektar Eigentums- und Pachtfläche umfasst und zu dem etwa 40 Milchkühe und um die 130 Mastrinder gehören, wird deutlich, vor welchen Richtungs- und Investitionsentscheidungen Betriebe ähnlicher Größenordnung in der Region stehen. „Was machen wir mit dem Anbindekuhstall, wenn in ein paar Jahren die Michviehhaltung nur mehr in einem Laufstall möglich sein wird?“ fragt sich Herbert Hirn, der zusammen mit der Familie seit Monaten intensiv hin- und her rechnet.

Eine Patentlösung gibt es nicht, Freude soll die eigene Landwirtschaft der ganzen Familie auf jeden Fall auch in Zukunft machen, ohne sich mit einer zu hohen Verschuldung durch Neuinvestitionen zu strangulieren. Vielleicht ist die jetzt eingeschlagene Schiene der Direktvermarktung ein Teil der Lösung.

Anfang Juni war Startschuss für die Erdbeer-Saison im Landkreis Schwandorf

Schwandorf

„Nächstes Jahr werden wir die Erdbeerfläche verdoppeln, die Pflanzen sind schon bestellt."

Direktvermarkterin Daniela Hirn

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