31.03.2019 - 17:43 Uhr
SchönseeOberpfalz

Erinnerung an Böhmen und Mähren

Großformatige Porträts, knapper Text. Der Fotografin Petra Flath gelangen Aufnahmen mit sympathischer Ausstrahlung von Menschen, die in ihrer Geburtsheimat Böhmen und Mähren schwere Jahre durchlitten. Bis der Eiserne Vorhang fiel.

CeBB-Leiterin Veronika Hofinger (rechts), Referentin Anna Knechtel (2.v.r.) vom Adalbert Stifter Verein stellen sich den Fragen bei der Ausstellungseröffnung
von Hans EibauerProfil

Es war die Idee des Adalbert-Stifter-Vereins in München, von einer siebenköpfigen Jury aus 100 Namen schließlich 54 Persönlichkeiten auszuwählen, deren Herkunft sie eint und die für Versöhnung stehen.

Ihre Lebenswege und Schicksale verliefen jedoch alles andere als konform, wie Anna Knechtel von der renommierten, 1947 gegründeten Vereinigung sudetendeutscher Vertriebener, bei der Ausstellungseröffnung im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) berichtete. Vor allem Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler drängte es, in diesem Kreis die Kultur der verlorenen Heimat im Bewußtsein zu halten und weiterzutragen.

Dieses Anliegen hat das CeBB gerne aufgegriffen, denn "die Präsentation knüpft nahtlos an die zeitgeschichtlichen Themenschwerpunkte an, die wir letztes Jahr mit dem Jahrhundert-Zeitraum 1918 bis 2018 und heuer mit 30 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs gesetzt haben", erklärte CeBB-Leiterin Veronika Hofinger bei der Eröffnung.

Lebenswege

"Die Fotos sprechen mich so berührend an", fasste eine der Besucherin ihre Empfindungen beim Rundgang durch die Galerie mit 54 Porträts zusammen, die sich im Treppenhaus nach oben und weiter im Raum "bb-dialog" aneinander reihen. Bis auf zwei der Porträtierten sind alle vor 1945 geboren. Sie sind nur eine kleine Auswahl, stellvertretend für Hunderte von engagierten Frauen und Männern im deutsch-tschechischen Verständigungsprozess, wie die Referentin ihrer Schilderung von ein paar besonders beeindruckenden Lebenswegen voranstellte. Unter ihnen sind auch einige, die der Verein Bavaria Bohemia mit dem Brückenbauer-Preis ehrte oder die schon im CeBB als Gäste referierten, diskutierten und aus ihren Werken lasen.

Zu ihnen gehören der frühere Landtagspräsident Johann Böhm, die Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi, der Schriftsteller und Diplomat Jirí Grusa, der Komponist Widmar Hader, der jahrzehntelang in der Ackermann-Gemeinde aktive Franz Olbert, der emeritierte Bischof von Pilsen Frantisek Radkovský, die Journalistin Lída Rakusanová und Olga Sippl, Gründerin der Seliger-Gemeinde und mit 99 Jahren die älteste noch Lebende im Kreis der Persönlichkeiten. Als Nestor der Porträtierten bezeichnete Anna Knechtel Max Mannheimer. 1920 geboren, in fünf Konzentrationslagern inhaftiert, der wie durch ein Wunder die Schreckensjahre überlebte und mit seinen Erinnerungen "Spätes Tagebuch" sich als Zeitzeuge unermüdlich in Schulen und Institutionen der Diskussion stellte.

Ohne Hass

Mannheimer, der im September 2016 gestorben ist, hatte seine Zuhörer bei all seinen öffentlichen Auftritten mit seiner Botschaft "Ich kann nicht hassen" beeindruckt. 20 der für das vom Deutsch-tschechischen Zukunftsfonds geförderte Ausstellungsprojekt Ausgewählten sind inzwischen leider verstorben, viele der noch Lebenden sind weiter aktiv im deutsch-tschechischen Aussöhnungsprozess.

Zur Ausstellung hat der Adalbert-Stifter-Verein einen Begleitband mit den Lebensläufen herausgegeben, in dem die Besucher bei der Eröffnung nachschlagen konnten.

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