31.07.2020 - 11:35 Uhr
SchönseeOberpfalz

Am Eulenberg bleibt der Tummelplatz für Schmuggler und Elfen leer

"Koi Grenza, koi Finanza?" Hinter der Frage im Text zum Freilichtspiel "Pascher – die Nacht der langen Schatten" steht heuer ein Ausrufezeichen. Wegen Corona sind weder Schmuggler noch Grenzwächter beim Bergweberhaus in Schönee unterwegs.

Die Bühne beim Bergweberhaus und die Zuschauerplätze bleiben in diesem Jahr leer.
von Ludwig HöcherlProfil

In der Pandemie ist es still am Eulenberg. Das für Freitag und Samstag vorgesehene Premierenwochenende des Pascherspiels ist – wie bereits Anfang Juli auch die Aufführungen der "Irrlichter" – gestrichen. An diesem geschichtsträchtigen Ort, nur wenige Meter vor der tschechischen Grenze, war es aber auch in den vergangenen Wochen ruhig.

"Corona hat alles ausgebremst”, sagen Gerhard Treiber und Franz Bauer, die nur einen Steinwurf von der Bühne daheim sind. Denn die beiden und ihr Team organisieren im Normalfall Aktionen rund um die Aufführungen, wie zum Beispiel den Bühnenaufbau für "Irrlichter". Aber auch beim Saubermachen sowie bei Ausbesserungsarbeiten, damit das Umfeld bereits für die Proben und dann für die Aufführungen passt, packen sie üblicherweise mit an. Aber heuer ist nichts wie in der Vergangenheit: Keine Proben und keine Spieltermine – also ist es zwangsweise auch hinter den Kulissen still.

Die Schminkkoffer der Maskenbildnerinnen bleiben heuer geschlossen. Sie sind meist die ersten in der Scheune, wobei das optische Verwandeln der Darsteller in Elfen, Blumenkinder und Schrate bei "Irrlichter" für die Frauen eine besondere Herausforderung ist. Auch der Duft frischer Küchl liegt heuer nicht in der Luft. Groß ist immer das Engagement der Frauen in der Küche des Bergweberhauses, wenn sie diese Spezialität dort stundenlang in heißem Fett herausbacken.

Vor mehr als 20 Jahren sind die ersten Weichen für die Freilichtspiele am Eulenberg gestellt worden

Schönsee

"Dieses Jahr ist vieles anders” sagt die Pascher-Vorsitzende Birgit Höcherl. Sie betont dabei das Gefühl der Zusammengehörigkeit bei den Freilichtspielen, das sich am Eulenberg in dieser Zeit unter allen Altersgruppen verstärkt erweist. Neben der besonderen Gemeinschaft während den Proben und den Spielen, vermisst die örtliche Spielleiterin am Eulenberg in dieser Saison den Kontakt der Akteure zum Publikum. Wenn nach den Veranstaltungen mit den Besuchern in geselliger Runde über die Geschichte des früheren Lebens an der Grenze geplaudert wird, zeige sich der tiefe Sinn der beiden Freilichtspiele, den die Gäste mit nachhause nehmen.

Auch der zweite Vorsitzende Andreas Ebnet bedauert die derzeitige Situation. Er hat normalerweise diese Termine fest in seinem Kalender. Heuer überbrückt er die spielfreie Zeit mit den Arbeiten am Erweiterungsbau der Scheune des Gartenbauvereins, bei dem er als Vorsitzender die Fäden des Vereinslebens zieht.

Nicht nur den Darstellern und Helfern, sondern mit Sicherheit auch den Gästen des Paschervereins im Schönseer Land, fehlen in diesen Tagen ebenfalls die Melodien der Paschermusikanten. Deren Musik am Eulenberg lädt an den Spielabenden noch lange zum Verweilen ein.

Nur einer (Haupt)Darstellerin dürfte die diesjährige Situation egal sein: Nämlich Kuh "Rosl", die laut Rollenbuch von den Paschern durch die Sautreibergass’ aus dem Böhmischen auf bayerischen Boden getrieben wird. Und dennoch bekam das Rindvieh wohl als einziger Mitwirkender in diesem Jahr seinen Auftritt. Allerdings nicht auf der Bühne am Eulenberg, sondern im Hof vom Lindauer Wirt stellte sich das Tier, geführt von Andreas Ebnet und Willibald Kulzer, unbeeindruckt von allem vor die Kamera.

Spieler und Helfer sollten sich heuer dennoch einen Termin beim Bergweberhaus vormerken. Wenn es auch diesmal keine Aufführungen auf der Freilichtbühne gab, sind alle zu der nach Saisonabschluss üblichen Andacht auf dem Gelände am Sonntag, 30. August, eingeladen.

Für die Spielzeit im kommenden Jahr sind Eintrittskarten für "Irrlichter" und "Pascher – die Nacht der langen Schatten" bereits erhältlich.

Statt ihrem Auftritt auf der Bühne am Eulenberg hatte die "Rosl" kürzlich im Hof vom Lindauer Wirt mit den Paschern Ausgang.
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