22.08.2019 - 18:04 Uhr
SchönseeOberpfalz

Europäischer Sportsgeist

Europäische Gedanken mit sportlicher Herausforderung zu verbinden, das gelingt dem Paneuropa-Halbmarathon von Stadlern in die Partnerstadt Poběžovice mit wachsendem Erfolg. Eine Festschrift würdigt die vor 10 Jahren gestartete Initiative.

Mit 138 Läufern startete der elfte Paneuropa-Halbmarathon: Eine bisher nie dagewesene Rekordbeteiligung.
von Hans EibauerProfil
Bob Balcar, Domažlice, ältester Teilnehmer mit Platz 106 kurz vor dem Ziel in Pobezovice. Er ist der Autor der Festschrift "10 Jahre Paneuropa-Halbmarathon".
Titelseite der Festschrift, links im Bild Bob Balcar beim Testlauf im Jahr 2009, ein paar Wochen vor dem Start zum 1. Paneuropa-Halbmarathon

Seit zehn Jahren ist es ein schönes Bild, wenn böhmische Musikanten die Sportler zur Anmeldung ins Sportheim des TSV Stadlern begleiten, wenn sich der Sportplatz in ein deutsch-tschechisches Aufwärmfeld verwandelt und um 11 Uhr der Startschuss zum Paneuropa-Halbmarathon fällt. Unter den Startern ist Bob Balcar, mit der Startnummer 71 nicht nur der älteste Teilnehmer (Jahrgang 1943), sondern auch der Autor der Festschrift "10 Jahre Paneuropa-Halbmarathon 2009 - 2019" und einer der Mitorganisatoren der ersten Stunde.

Der Paneuropa Halbmarathon Stadlern - Pobežovice (Ronsperg) ging am Samstag zum elften Mal mit der bisher höchsten Teilnehmerzahl von 138 Läufern über die Bühne, darunter 21 Herren und 6 Damen aus Deutschland, die bei angenehmer Lauftemperatur das Ziel unterhalb des Schlosses erreichten. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war das Baudenkmal Elternsitz von Richard Graf Coudenhove-Kalergi, des Gründers der Paneuropa-Idee in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Topergebnisse sind Spiegelbild des Verbindenden: Bei den Herren siegte ein Tscheche, bei den Damen gab es eine bayerische Siegerin.

Bob Balcar machte sich mit der Herausgabe der Festschrift nicht nur eine Riesenarbeit, sondern dokumentiert aus erster Hand die Vorgeschichte des 2009 erstmals veranstalteten Paneuropa-Halbmarathons. Er erinnert an seine Jugend, als er beim Langlauftraining auf dem Haltrava-Bergkamm bei Pivon auf die Bergrücken des Schönseer Lands hinüberschauen konnte - unerreichbare Sehnsuchtsorte, vom "Eisernen Vorhang" hermetisch abgeriegelt. Nach dem Gymnasium durchkämmte Bob als Grenzsoldat zwei Jahre den Abschnitt zwischen Rozvadov und Folmavá, auch in dieser Zeit nur Blickkontakt mit der bayerischen Seite. Immer schon wollte er dem großen Vorbild Emil Zatopek nacheifern.

Dann kam vor 30 Jahren die Samtene Revolution, der Eiserne Vorhang verschwand, die bayerische Seite wurde spannendes Erkundungsterrain. Freundschaftlich nahmen ihn einmal Bewohner im bayerischen Schwarzach auf, als er bei einer seiner Touren die Orientierung verlor. "Nach diesem Erlebnis konkretisierte sich mein Plan, einen grenzüberschreitenden Lauf zu organisieren: Einen Wettbewerb zwischen Bayern und Böhmen mit Tschechen und Deutschen. Dazu noch auf Wegabschnitten, auf denen ich als Kind täglich zur Schule ging".

Die Vorstellung ließ ihn nicht mehr los und da kam 2009 seine Bekanntschaft zum damaligen Schönseer Bürgermeister Hans Eibauer ins Spiel. Für einen 2009 kurzfristig abgesagten Halbmarathon Furth i.W. - Domazlice suchte Bob Balcar unbedingt Ersatz und holte sich Rat im CeBB. Hans Eibauer lud ihn zum grenzüberschreitenden Bürgermeistertreffen in Pobežovice ein. Die Idee des Laufs und der Namensvorschlag "Paneuropa-Halbmarathon" begeisterte alle. Am 14. Juli 2009 gab es den ersten Startschuss von Bürgermeister Günther Holler (Stadlern) und Bürgermeister Hynek Riha (Pobežovice). Seit 2010 wird der Halbmarathon im August, immer am Samstag des Kirchweihfests in der tschechischen Partnerstadt veranstaltet.

Auf den 84 Seiten sind die Orte an der Laufstrecke und ihre Geschichte mit Episoden aus dem gesellschaftlichen Leben ausführlich beschrieben. Dem Kapitel über die Ronsperger Geschichte der adeligen Familie Coudenhove-Kalergi und die paneuropäische Idee folgen historische Schwarzweiß-Fotos aus früheren Zeiten. Der anschließende Farbteil beinhaltet eine Fotostrecke mit Bildern von allen zehn Läufen seit 2009. Am Schluss der Broschüre, die zum Preis von 6 Euro in der Tourist-Info im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) zum Kauf ausliegt, gibt es noch ein Porträt des Autors Bob Balcar.

Info:

Erstmals Livestream-Übertragung

Bürgermeister Gerald Reiter, Stadlern, schickte nach der Begrüßung durch eine tschechische Kapelle das stattliche Teilnehmerfeld pünktlich um 11 Uhr auf die 21,6 Kilometer lange Strecke. Der Start wurde heuer erstmals per Livestream zum Ziel in Pobežovice übertragen.

Der 11. Paneuropa Halbmarathon Stadlern - Pobežovice (Ronsperg) ging mit der bisher höchsten Teilnehmerzahl von 138 Läufern über die Bühne. Bei den Herren siegte der Tscheche Jirí Voják von Mílari Domažlice in 1:14:05. Er kam mit deutlichen Abstand vor seinen zwei deutschen Verfolgern ins Ziel. Zweiter im Gesamtklassement (im Vorjahr Dritter) und schnellster Deutscher war Dirk Hohmann von der SG Indersdorf in 1:19:55. Den dritten Rang erreichte Michael Lang von der DJK Weiden mit 1:21:12. Siegerin der Damen wurde in der Zeit von 1:34:23 Brigitte Frenzel vom TSV Detag Wernberg-Köblitz, die auch schon 2018 ganz oben auf dem Treppchen stand. Mit 1:30:08 erreichte Lokalmatador Michael Knott vom WSV-Schönsee den 13. Rang, einen Platz hinter seinem Vorjahresergebnis.

Dicht gesäumt stand das Publikum am Zieleinlauf, unter ihnen die beiden Bürgermeister Gerald Reiter, Stadlern und Martin Kopecký, Pobežovice. Alle klatschten mit Begeisterung die Läufer ins Ziel. Beide Bürgermeister drückten unisono bei der Siegerehrung ihre Hoffnung aus, dass der Paneuropa-Halbmarathon noch lange die grenzüberschreitenden Verbindungen bereichert. www.dobrohost.cz/mikroregion-1/panevropsky-pulmaraton/vysledkove-listiny/

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