Schönsee
11.11.2019 - 11:19 Uhr

"Faust" im Comic-Format und die perfiden Tricks der Geheimpolizei

Kunst und Zeitgeschichte treffen sich im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB): Zwei Ausstellungen zeigen, wie Goethes "Faust" Künstler inspiriert und mit welch perfiden Tricks die Geheimpolizei agiert hat.

Die von Goethes "Faust" inspirierten Werke sind im Großformat im CeBB-Treppenhaus zu sehen. Den Ausstellungsbesuchern bietet sich durch die Comic-Kunst ein neuer Blick auf einen Klassiker der deutschen Literatur. Bild: eib
Die von Goethes "Faust" inspirierten Werke sind im Großformat im CeBB-Treppenhaus zu sehen. Den Ausstellungsbesuchern bietet sich durch die Comic-Kunst ein neuer Blick auf einen Klassiker der deutschen Literatur.

Gut besucht war die Vernissage der beiden Ausstellungen, die das CeBB zum Abschluss seines Jahresprogramms präsentiert. In der Gewölbehalle und im Treppenaufgang sind die Präsentationen „Comics – Goethes Faust“ und „Falsche Grenzen – die Aktion Kámen“ zu sehen.

Kunst vor Zeitgeschichte hieß es bei den einführenden Worten: Kurator Michal Lazorčík (Galerie Klatovy/Klenová) schilderte, wie Johann Wolfgang von Goethes "Faust" als Inspiration für vier deutsche und fünf tschechische Künstler diente. „Wir haben das Werk in neun Sequenzen aufgeteilt", so Lazorčík. Während die Comic-Zeichnungen zuhause bearbeitet wurden, sind die großen Formate bei einem gemeinsamen Workshop entstanden. Beim Ausstellungsrundgang ordnete der Kurator die neun Teile des „Faust“ den teilnehmenden Künstlern zu. Drei der überdimensionalen Comics können ihre Wirkung im Luftraum des Treppenhauses entfalten. Michal Lazorčík nutzte noch die Gelegenheit zum Dank an den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds (DTZF) als Förderpartner.

Nach der Kunst folge der Schwenk zur Zeitgeschichte: Die Aktion „Kámen“ spielte sich zwischen 1948 bis '51 im Grenzgebiet in Häusern der ursprünglich deutschen Bevölkerung ab. Sie gehört zu den wohl abscheulichsten Einfällen der damaligen kommunistischen Herrscher. Dabei errichtete die Geheimpolizei in der Nähe der westlichen Staatsgrenze unter anderem falsche Schranken und Zollämter, um bereits vorab ausgesuchte Opfer zum Übertritt zu verleiten. In der Annahme sich in Freiheit zu befinden, erzählten sie vermeintlichen US-Agenten, die in Wirklichkeit kommunistische Geheimdienstoffiziere waren, alles – von Familieninternas bis hin zur politischen Einstellungen. Dann schnappte die Falle zu.

Die Ausstellung „Falsche Grenzen – die Aktion Kámen“ basiert auf der akribischen Untersuchung der Prager Wissenschaftlerin Václava Jandečková. "Es gab höchstwahrscheinlich hunderte von Opfern, obwohl es bis heute nur gelungen ist, vierzig Fälle lückenlos zu rekonstruieren“, erzählt die Direktorin der "Gesellschaft zur Erforschung der Verbrechen des Kommunismus". Bis heute sei für diese "verbrecherischen Spielchen" niemand bestraft worden – und werde es wohl auch nicht mehr.

Beim Durchblättern des Buchs, das mit einer Fülle von Dokumenten aufwartet, und beim Vertiefen in die zusammengefasste Dokumentation der Ausstellung an den Wänden im Treppenhaus macht sich Bewunderung breit für die Autorin, die nicht nachgegeben hat, um Licht ins Dunkel der Aktion „Kámen“ zu bringen. Mit Václava Jandečková als Gastrednerin und der Präsentation der Wanderausstellung erhellt das CeBB im Jahr 30 nach der Wende die heimtückischen Methoden eines diktatorischen Regimes. Als Förderpartner stand der DTZF zur Seite, unterstützend wirkte René Milfait als Koordinator der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit bei der EJF-Akademie für Bildung und internationale Zusammenarbeit mit. Die Besucher vertieften ihre Eindrücke bei Gesprächsrunden beim anschließenden Stehempfang. Dazu wurden Bauernbrotschitten serviert.

Die Verantwortlichen der beiden Ausstellungen: (von links) Michal Lazorčík, Kurator der Comic-Ausstellung, CeBB-Leiterin Veronika Hofinger, Gabi Dlubal (Bavaria Bohemia), Václava Jandečková, Autorin des Buchs „Falsche Grenzen – die Aktion Kámen“, René Milfait (EJF-Akademie) sowie die CeBB-Mitarbeiter Ivana Danisch und David Vereš. Bild: eib
Die Verantwortlichen der beiden Ausstellungen: (von links) Michal Lazorčík, Kurator der Comic-Ausstellung, CeBB-Leiterin Veronika Hofinger, Gabi Dlubal (Bavaria Bohemia), Václava Jandečková, Autorin des Buchs „Falsche Grenzen – die Aktion Kámen“, René Milfait (EJF-Akademie) sowie die CeBB-Mitarbeiter Ivana Danisch und David Vereš.
Zwei Ausstellungen:

Zwei Ausstellungen setzten den Schlusspunkt unter das Jahresprogramm im Centrum Bavaria Bohemia: Die Kunstpräsentation „Comics – Goethes Faust“ ist bis 3. Dezember zu sehen. Die weitere Ausstellung „Falsche Grenzen – die Aktion Kámen“, mit der ein perfides Täuschungsmanöver der tschechischen Geheimpolizei beleuchtet wird, kann bis 23. Dezember besichtigt werden. (eib)

Hans Schröpfer, der frühere Leiter des Grenzlandmuseums Waldmünchen, lässt sich von Autorin Václava Jandečková das Buch über die "Aktion Kámen" signieren. Bild: eib
Hans Schröpfer, der frühere Leiter des Grenzlandmuseums Waldmünchen, lässt sich von Autorin Václava Jandečková das Buch über die "Aktion Kámen" signieren.
 
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