02.04.2020 - 11:45 Uhr
SchönseeOberpfalz

Freier Blick zur Kirche

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Warum die Stadtoberen vor rund 130 Jahren ein so großes Schulhaus bauten, weiß niemand mehr. Jetzt ist es verschwunden - stattdessen gibt's freien Blick zur Kirche. Vorerst.

Das alte Schulhaus war ein beachtlicher Bau, in dem nach der Nutzung als Bildungsstätte Eigentumswohnungen und auch ein Friseurgeschäft untergebracht waren.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

"Schönsee muss damals einen Aufschwung erlebt haben", meint Birgit Höcherl. Die Bürgermeisterin spricht vom ehemaligen Schulhaus bei der Kirche. "Als Schulhaus war das für Schönsee völlig überdimensioniert." Es bleibt also etwas im Dunkeln, warum Ende des 19. Jahrhunderts das große Gebäude entstand und den Blick zur Kirche erstmal versperrte.

Der ist jetzt wieder frei. "Das freut viele Bürger", sagt Höcherl. Im August 2017 wurde das Schulhaus abgebrochen, seit 2019 läuft die Neugestaltung des Areals. Eine Bruchsteinmauer wird angelegt, außerdem eine Treppenanlage. Aus dem Grundstück wird eine Grünfläche. "Sie ist aber so angelegt, dass nichts einer Neubebauung entgegensteht", erläuterte Höcherl den Oberpfalz-Medien. Die Arbeiten werden fortgesetzt und möglichst bald abgeschlossen.

Rund 60 Prozent Förderung

Im Herbst 1965 wurden letztmals Kinder hier eingeschult. Die Schule am jetzigen Standort wurde in diesen Jahren gebaut, weiß die Bürgermeisterin. Das imposante, alte Schulgebäude wurde danach an Privat verkauft. Eigentumswohnungen entstanden, ein Friseurgeschäft zog ein. "Ich bin hier auch zur Fahrschule gegangen", erinnert sich Höcherl. Die geschätzten Kosten für Abbruch und Neugestaltung liegen laut der Bürgermeisterin bei etwa 600 000 Euro. Rund 60 Prozent davon darf die Stadt an Förderung aus dem Bund-Länder-Programm "Flächenentsiegelung" erwarten.

Die ehemalige Eigentümergemeinschaft des Hauses steckte anscheinend nicht arg viel Geld in das Gebäude. Lange lag es brach, die Kosten einer Sanierung wollte sich niemand aufhalsen. Ende des Jahres 2013 boten die zwölf Miteigentümer das Gebäude der Stadt an. Geschenkt.

Denkmalschutz im Boot

Die Stadt ließ sich beraten, ob sie das Gebäude samt Grund an der Hauptstraße 2 übernehmen soll. Die Regierung empfahl im Februar, die Schenkung anzunehmen. Die alte Schule liegt im städtebaulichen Sanierungsgebiet. Nun hieß es auch den Denkmalschutz mit ins Boot zu holen. Die Stadt erteilte einem städtebaulichen Berater im Mai 2014 den Auftrag für eine Studie. Das Ziel: Abbruch und Neugestaltung des Platzes. Eine Besprechung mit der Regierung nach einem entsprechenden Stadtratsbeschluss im Herbst 2014 bringt die Zusage von Fördergeldern. Architekt Siegi Wild hatte drei Planungsvarianten für einen Abbruch und eine Neubebauung vorgelegt.

Keine wertvolle Bausubstanz

Raimund Karl vom Landesamt für Denkmalpflege nimmt Ende 2014 das Gebäude in Augenschein. Seine Urteil: Keine wertvolle Bausubstanz. Die Option einer Neubebauung soll aber freigehalten werden. Das entspricht einer Variante, die Wild vorgelegt hatte. "Das Vorgehen der Stadt und die professionelle Vorplanung wurden ausdrücklich gelobt", erinnert sich Höcherl. Im November 2014 wird die Schenkung beim Notar unter Dach und Fach gebracht.

Bei einer Bürgerversammlung erfahren die Schönseer im Frühjahr 2015 von den genauen Plänen. Im Juli übernimmt die Stadt das Gebäude per Stadtratsbeschluss endgültig. Das Ingenieurbüro Christian Schönberger wird schließlich mit der Abbruchplanung beauftragt, außerdem mit einem Nachnutzungskonzept. Zunächst wird statt der Schule eine Grünfläche entstehen. "Die Kirchensanierung steht auch an," sagt Höcherl. Ob dann hier irgendwann ein Pfarrzentrum entsteht, das ist völlig offen. Jetzt muss erst einmal die Bruchsteinmauer fertig werden.

Ein Blick zur Kirche, rechts ist die "Kapelle zur schmerzhaften Mutter Gottes" zu sehen.

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