26.06.2019 - 16:31 Uhr
SchönseeOberpfalz

Am geeinten Europa festhalten

Erneut liegt Schönsee im Fokus grenzüberschreitender Zusammenarbeit: Beim Partnerforum "Oberpfalz-Pilsen" und beim Sommerempfang des Vereins Bavaria Bohemia treffen Netzwerker von beiden Seiten der Grenze aufeinander.

Gut beschirmt und aufmerksam verfolgten CeBB-Leiterin Veronika Hofinger, Trägervereinsvorsitzende Irene Träxler, Regierungspräsident Axel Bartelt, Regensburgs Dritter Bürgermeister Jürgen Huber, der Pilsner Hauptmann Josef Bernard (von rechts) sowie Gäste die Ansprachen der Grußworte.
von Hans EibauerProfil
Regierungspräsident Axel Bartelt (links stehend) hatte die Idee, die Gäste des Partnerforums mit zur Bügellohe zu nehmen. Ein Ort der Erinnerung, des Leids und der Versöhnung. Rechts von ihm Maria Hammerer, die in einer szenischen Geschichtserzählung in die Rolle der Maria Wachter schlüpfte.

„Nichts soll uns wieder trennen“ bekräftigten Generalkonsulin Kristina Larischová, Regierungspräsident Axel Bartelt, sein Pilsner Amtskollege Josef Bernard und Bezirkstagspräsident Franz Löffler in ihren Grußworten beim vierten Partnerforum der Regionalkooperation Oberpfalz-Pilsen vor 130 Akteuren der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Die Veranstaltungsregie setzte nach den Grußworten und dem Bilanzbericht des heuer auslaufenden dreijährigen Projekts „Oberpfalz und Region Pilsen. Gemeinsam in der Mitte Europas“ mit der Exkursion zur Bügellohe bewusst ein Zeichen der Versöhnung. Vor dem einzigen noch erhaltenen der ehemals elf Häuser auf der Bügellohe schlüpfte Maria Hammerer in die Rolle der vierfachen Mutter Maria Wachter, die nach der Vertreibung sieben Jahre auf der Bügellohe lebte. Ihre bewegende Lebensgeschichte zeichnet die Lebensumstände jener 59 Vertriebenen aus Wenzelsdorf nach, die zunächst in primitiven Holzhütten lebten – damals noch in der Erwartung, bald zurückkehren zu können.

Als Wenzelsdorf Anfang der 50er Jahre in Flammen aufging und verwüstet wurde, war klar, dass es kein Zurück mehr gab. Elf Familien bauten auf der Bügellohe Häuser aus Bruchsteinen und aus handgehauenen Balken, sogar ein Gasthaus mit Kegelbahn entstand. Die Bedingungen waren katastrophal: Kein Strom, Wasser aus dem Brunnen, und die Kinder mussten täglich drei Kilometer durch den Wald und im Winter im metertiefen Schnee zur Schule nach Stadlern. Der Doktor kam zu Fuß nur bei ganz schwierigen Fällen, Lebensmittel wurden im Tauschhandel gegen Klöppelspitzen erstanden und die Kraxe auf dem Rücken war das Transportmittel über Jahre.

Auch wenn das Leid für die aus dem böhmischen Wenzelsdorf vertriebenen deutschen Familien noch so groß war, dauerte es bis 1969, ehe der letzte Bewohner die Bügellohe verließ. In der Vergangenheit wird ein gestiegenes Interesse an der Geschichte der Bügellohe verzeichnet. Allein im vergangenen Jahre schilderte Maria Hammerer vor 30 Gruppen die Geschichte der Bügellohe in der Rolle der Maria Wachter. Buchungen sind über die Touristinformation Schönseer Land im CeBB möglich.

Der bei der Sommerhitze anstrengende Konferenztag klang locker und beschwingt beim Sommerempfang von "Bavaria Bohemia" aus. Landrat Thomas Ebeling als Kuratoriumsvorsitzender des CeBB hieß die vielen und gut gelaunte Gäste willkommen, unter ihnen Regierungspräsident Axel Bartelt, der Pilsner Hauptmann Josef Bernard, die Schönseer Bürgermeisterin Birgit Höcherl, Trägervereinsvorsitzende Irene Träxler und Alois Hagl als Vorsitzender des Vereins „Partner für den Landkreis Schwandorf“, der für den Sommerempfang seit Jahren die finanzielle Grundlage gibt.

Nach dem Dank des Landrats Richtung CeBB-Leiterin Veronika Hofinger für das Engagement der Mitarbeiter und vielen ehrenamtlichen Helfer sowie an die beiden Simultandolmetscher, die mit der Hitze und manchmal sehr bayerischen Formulierungen zu kämpfen hatten, übernahm Josef Bernard das Mikrofon, um in sehr persönlichen Worten aus den Erlebnissen der Wendezeit in seiner Jugend die Sommerausstellung im CeBB zu eröffnen, die unter dem Titel „Gedächtnis der Nationen“ bis September im CeBB zu sehen ist.

Regierungspräsident Axel Bartelt pries danach das CeBB als idealen Veranstaltungsort und gab mit ein paar nachdenklichen und zum Schmunzeln anregenden Worten die Bühne frei für die Band „Dixie hot licks“ aus Pilsen und eröffnet das hervorragende Buffet der Pascherwirte. Am begehrtesten beim Sommerempfang waren kühle Getränke, Sonnenschirmplätze und die Stehtische bei der Band mit dem besten Ausblick auf tanzende Gäste, darunter schon als eingespieltes Tanzpaar Irene Träxler, Vorsitzende von "Bavaria Bohemia", und Regierungspräsident Bartelt.

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