Mit vollem Bus führte die zweite KulturTour des Jahres in die Region Karlsbad. Das Reisleiterteam von Bavaria Bohemia/Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) machte bewusst einen Bogen um die Badetempel in Karlsbad, Franzensbad, Marienbad und wählte stattdessen zwei unbekannte Schlösser aus, die das barocke Erbe eindrucksvoll widerspiegeln.
Erste Station war das im Familienbesitz befindliche Schloss Chyše. Hausherr Vojtěch Lažanský begrüßte persönlich und führte die Gäste aus der Oberpfalz durch sein Schloss. Erst seit 1996 ist es im Besitz der Familie Lažanský, die seitdem mit viel Herzblut, Leidenschaft und Geld für den Erhalt sorgt. Frisch renoviert erstrahlt das Anwesen fast wie ein Märchenschloss. Detailverliebt sind die Räume eingerichtet, gut platzierte frische Blumenarrangements sind Ausdruck des Stils des Hauses.
Bei den Restaurierungsarbeiten wurde ein wertvolles Deckengemälde des böhmischen Barockmalers Petr Brandl aus dem 17. Jahrhundert entdeckt – heute zählt es zu den Barockschätzen der Region Karlsbad. Das Schloss umgibt ein 12 Hektar großer Park aus dem 17. Jahrhundert. Als die heutigen Schlossherren den Besitz übernahmen, glich er mehr einem Dschungel als einem Barockgarten. Familie Lažanský möchte an die früheren Glanzzeiten anknüpfen, als das Schloss gesellschaftliches Zentrum der Region war. Mit Ausstellungen, Konzerten und Hochzeiten schafft es die Besitzerfamilie, dem Barockjuwel wieder seine frühere Bedeutung zu geben.
Nach dem Mittagsessen überraschte das Barockstädtchen Valeč (Waltsch) die Reisegruppe, dessen gesamte historische Innenstadt als Denkmalschutzzone eingestuft ist. Wahrzeichen ist das Schloss, das die Handschrift verschiedener Barockbaumeister zeigt. Nach 1945 diente es bis zu einem Großbrand im Jahr 1976 als Kinderheim. Leider reichten die finanziellen Mittel bis heute nicht, die Folgen dieses Brandes zu beheben. Immerhin wird an diesem für den Ort wichtigen kulturellen Erbe fleißig gearbeitet - Künstler nutzen die vom Brandschutt befreiten Flächen bereits für Ausstellungen.
Lohnenswert war an diesem Frühlingstag der Spaziergang durch den ausgedehnten Schlosspark mit 27 Kopien von Sandsteinplastiken aus der Werkstatt von Matthias Bernhard Braun, einem der bedeutendsten Bildhauer des Barock in Böhmen. An der Hauptachse der Parkanlage steht das Lustschloss „Solitude“. Eine ebenfalls bedeutende Sehenswürdigkeit ist die von Antonito Bianno Rossa im Barockstil erbaute Schlosskirche der Hl. Dreifaltigkeit mit der Dreifaltigkeitssäule des böhmischen Barockarchitekten Franz Maximilian Kaňka.
Am Ende der kurzweiligen Tour lockte dann doch noch Karlsbad. Nicht die Kuranlagen, sondern das Jan-Becher-Museum, das die bunte und bemerkenswerte Geschichte des Becherovka zum Thema hat. Bis auf das streng gehütete Geheimnis der Original-Rezeptur des Kräuterlikörs erfahren die Besucher beim Rundgang alles über die Produktionsschritte. Die Führung endete mit einer Verkostung der fünf Geschmacksrichtungen des Becherovka, die aus der Destille der 13. Quelle des westböhmischen Kurortes entspringen. Die nächste KulturTour des CeBB führt am 11. Mai zu einem Frühlingsbesuch in Prag. Vom 13. bis 16. Juni geht die viertägige Sommer-KulturTour nach Südmähren mit drei Unesco- Welterbestätten auf dem Besuchsprogramm.













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