20.04.2020 - 15:21 Uhr
SchönseeOberpfalz

Lage im Jägerhof scheint stabil zu sein

Im Jägerhof bei Schönsee wurden von den 41 Bewohnern drei Viertel positiv getestet, 10 davon vorsorglich zur Beobachtung in Krankenhäuser gebracht. Auch 8 Pflegekräfte sind infiziert. "Nicht besorgniserregend", beruhigt ein Firmensprecher.

Der Jägerhof für Menschen mit geistiger Behinderung gibt Bewohnern mit Pflegebedarf in vier Wohngruppen ein Zuhause. Trotzdem sich drei Viertel der aktuell 41 Bewohner mit dem Coronavirus angesteckt haben, betrachtet das Unternehmen Dr. Loew Soziale Dienstleistungen den Betrieb seines Heims als nicht gefährdet.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Die Pflegeeinrichtung Jägerhof in Schönsee gehört zu dem Unternehmen Dr. Loew Soziale Dienstleistungen. Das Haus wurde 1993, also vor 27 Jahren, in Betrieb genommen.Nach der Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 ist aus der Eingliederungs- eine Pflegeeinrichtung geworden, 1997 wurde von 23 auf die heutigen 42 Plätze erweitert und ein neuer Gebäudeteil errichtet, der neuen Bewohnern in zwei Wohngruppen eine Heimat gab.

"Grund nicht nachvollziehbar"

"Wir haben in den vergangenen vier Wochen alles getan, die in unseren Einrichtungen lebenden Menschen und das betreuende Personal vor einer Infektion zu schützen. Doch selbst die umfassendsten Maßnahmen können nicht vollständig ausschließen, dass sich das Virus verbreitet", heißt es einer Stellungnahme von Dr. Loew Soziale Dienstleistungen mit Blick auf den Jägerhof.

In der Pflegeeinrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung sei es laut Kurt Loew, dem Pandemiebeauftragten des Unternehmens, "aus nicht nachvollziehbaren Gründen" zu der Masseninfektion gekommen. Um sich ein genaues Bild zu machen, wurde vom Gesundheitsamt eine Reihentestung von Bewohnern und Mitarbeitern vorgenommen.

Situation "entzerrt"

"Rein vorsorglich", so Loew, und nur zur Beobachtung wurden zehn der Bewohner in umliegende Krankenhäuser gebracht, da dort eine medizinisch optimale Unterstützung gewährleistet werden könne. "Auf Intensiv ist aber niemand von ihnen." Bei allen hätten sich nur leichte Symptome gezeigt, "aber wir sind auf Nummer sicher gegangen und haben die Situation entzerrt". Ein Bewohner sei sogar schon wieder aus dem Krankenhaus zurück.

Mit "entzerrt" meint Loew, dass die Bewohner des Hauses jetzt in zwei Gruppen-Einheiten zusammengefasst wurden - jene zehn Behinderten, die ohne Symptom seien, und jene 21, die zwar infiziert wurden, aber nicht im Krankenhaus beobachtet werden müssen. Innerhalb beider Gruppen können sich die Bewohner frei bewegen. Denn bei geistig Behinderten könne man eine Quarantäne nicht so gestalten, dass man sie einsperre, so Loew. Es reiche schon, dass sie die Pflegekräfte als "komisch verkleidet" empfinden würden.

Auch acht von den rund 60 Beschäftigten wurde positiv getestet und sind seitdem zu Hause in Quarantäne. Eine Bedienstete aus der Verwaltung, symptomfrei, mache Home-Office. "Der Betrieb ist nicht gefährdet, wir können ihn aufrecht erhalten", versichert Kurt Loew. Er freut sich vor allem, dass es den Bewohnern einigermaßen gut gehe und kommt zu dem Schluss: "So richtig besorgt sind wir noch nicht." Allerdings glaubt Loew nicht, "dass sich das Thema Corona bei uns so schnell beenden wird". Sein Unternehmen habe mehrere Häuser, die in dieser Beziehung geschützt werden müssen.

Keine Lockerungen geplant

Geschäftsführerin Sandra Loew hat sich dazu in einer aktuellen Stellungnahme geäußert: "Wir werden den Virus weder aussitzen können, noch können wir ihn 'wegdesinfizieren', aber wir können versuchen, die Infektionszahlen in unseren Einrichtungen bewältigbar zu halten." Auch wenn der Einzelhandel unter bestimmten Bedingungen wieder öffnen durfte, "erkenne ich für uns bei Dr. Loew keine nennenswerten Veränderungen. Ausgangsbeschränkungen, Social Distancing und Kontaktverbote bleiben bestehen, Werkstätten geschlossen".

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