05.06.2019 - 10:47 Uhr
SchönseeOberpfalz

Land-Art Künstler zieht es an die Grenze

Welche Bilder schwirren Studierenden beim Erkunden der Grenzlandschaft rund um Schönsee und Pleš (Plöß) durch den Kopf? Und wie werden ihre Phantasien zur Realität in Land-Art Installationen?

Das Land-Art Team von Grenzen:Bilder (von links): Stephan Schreiner, Maurice Wirtz, Professor Karl-Heinz Einberger, Theresa Walther, Lenka Drevjaná, Sophie Duthiné, Vít Dvorík, Barbora Pánková, Magda Bene šová, Barobora Lišková, Katerina Hronová, Veronika Libanská, Professor Aleš Hnízdil, Anna Veselá sowie (liegend) Peter Oberloher und Hsu Yi-Ting. Es fehlt Jonathan Pielmeier, der schon früher abreisen musste. Bild: eib
von Hans EibauerProfil
Die Installation „Verbindungstür“ von Maurice Wirtz, Sophie Dutiné, Stephan Schreiner und Theresa Walter, die an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf Landschaftsarchitektur studieren, weckte gleich nach der Fertigstellung das Interesse einer vorbeigehenden Wandergruppe, die gleich das Land-Art Objekt inspizierten und wie von den Künstlern gewollt, durch den Schwingflügel der Tür symbolisch durch die Grenze von West nach Ost und umgekehrt gingen.

Ihre künstlerischen Fußabdrücke entstanden in der letzten Maiwoche mitten in der Natur an elf Plätzen unter dem Titel "Grenzen:Bilder" auf deutscher und tschechischer Seite. Mit einer Wanderung zur ersten Erkundung des Terrains beiderseits der Grenze begann die kreative Woche für 15 Studenten der Landschaftsarchitektur und Kunst an vier Universitäten, Hochschulen und Kunstakademien in Bayern und Tschechien. Zur Vertiefung der ersten Eindrücke trafen sich die Studenten, die beiden Professoren Karl-Heinz Einberger (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf) und Ales Hnízdil (Agraruniversität Prag) mit den Grenzexperten Günther Borutta, Hermann Wallisch, Gerald Reiter und Angelika Holler beim Einstiegsworkshop im Gasthaus Gerstmeier in Friedrichshäng. Die Erzählungen der Einheimischen sollten das Einfühlen in die Zeit des Eisernen Vorhangs und an die 30 Jahre ohne Stacheldraht in einer veränderten Welt erleichtern und die künstlerischen Ideen unterfüttern.

Ein Objekt zeitlich begrenzt

Was beim Land-Art Projekt in der Workshop-Woche Kreatives herauskam, stellten die Dozenten und die jungen Künstler am Freitag im CeBB der Öffentlichkeit vor. Die Kunstobjekte sind in tagelanger, ziemlich anstrengender Arbeit Teil der Landschaft zwischen Gradelhöhe, Friedrichshäng und Ples (Plöß) geworden. Einige sind nah am Wegesrand leicht zu erkennen, andere sind filigran und ducken sich Unterholz oder liegen auf dem Waldboden.

Das erste Objekt auf der Gradelhöhe ist zeitlich begrenzt, denn die beim ehemaligen Fußballplatz in eine Wiese gemähte Abbildung eines verschwundenen Dorfes mit 15 Häusern wird nur solange zu erkennen sein, wie das Gras nicht voll nachgewachsen ist. Die Installation "Grenzen in uns" platziert ein Schachspiel auf einem Baumstamm, die Mittelachse des Schachbretts ist genau nach dem Grenzverlauf ausgerichtet. Bei "Across the borders" sind senkrecht und waagrecht Seile gespannt, die ihre Haltepunkte an mächtigen Fichtenstämmen im den Grenzweg begleitenden Wald nach Plöß haben.

Beim Objekt "Man findet seinen Weg" muss man schon genau hinschauen, um die Installation in Form von vertikal aufgestellten Holzpfählen zu erkennen, die mit ihrer Schärfe, Ungastlichkeit und Rauheit die Grenze symbolisieren. Die von den gleichen Künstlern geschaffenen Installation "Wir haben uns nie getroffen" ist von der Erzählung der früheren Grenzbeamten Günther Borutta und Hermann Wallisch inspiriert, die über ein ausgemachtes, aber nie stattgefundenes Brotzeittreffen mit tschechischen Grenzsoldaten beim Gerstmeier in Zeiten des Kalten Kriegs erzählten. Neben einem Grenzstein gleich hinter dem Übergang in Friedrichshäng dreht sich ein Holzkreisel aus zwei gegenüberliegenden, mit den Nationalfarben bemalten Schachteln. In einem Behälter steht eine Dose Pilsner Urquell, im anderen liegt eine bayerische Breze. Sie drehen sich, aber kommen nie zusammen.

Projekt "Es war einmal"

Kommt der Wanderer von Friedrichshäng Richtung Plöß aus dem Wald heraus, öffnen sich die saftig grünen Wiesen- und Weideflächen rund um die fast verschwundene einstige Sommerfrische. Unweit des Wegs flattert weiße Wäsche an einer Leine. "Es war einmal" heißt das Projekt, das an die ehemalige Besiedlung mit einem typischen Dorfmerkmal erinnert: Einer zum Trocknen im Wind aufgehängten Wäsche. Die Idee setzten Barbora Lisková und Kateina Hronová von der Tschechischen Agraruniversität in Prag um, an der beide Landschaftsarchitektur studieren. Für sie ist es bereits der zweite Grenzort, an dem weiße Wäsche flattert.

Spektakulär im Entstehungsprozess und in der künstlerischen Botschaft ist die Installation "Verbindungstür" von Maurice Wirtz, Sophie Dutiné, Stephan Schreiner und Theresa Walter, die an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf Landschaftsarchitektur studieren. Eine grüne Schwingtüre, eingerahmt von feststehenden Seitenfenstern und Oberlichten symbolisiert ein Haus am ehemaligen "Eisernen Vorhang" mit einem wichtigen Teil, einer Tür. Sie in einer vor sich hinsiechenden ehemaligen Kaserne aus- und an einem Weg in der Landschaft bei Plöß wieder aufzubauen, ist in Verbindung mit der Symbolkraft der Idee eine Meisterleistung.

Zum Abschluss der Vorstellung der Land-Art Objekte wechselte das Publikum hinüber in bb-media. Peter Oberloher und Jonathan Pielmeier von der Kunstakademie Nürnberg zeigten ihre halbstündige Filmdoku mit Interviews von Menschen aus Schönsee und Umgebung zur vier Fragen zum Begriff Grenze: Was bedeutet Grenze für Dich? Hast Du schon mal eine Grenze überschritten? Braucht man Grenzen? Wann ist für Dich eine Grenze überschritten?

Die geschaffenen Land-Art Kunstobjekte sind seit Anfang Juni in der Landschaft frei zugänglich und werden hoffentlich lange Zeit Wanderer zum Nachdenken und Erinnern an die Zeiten des Eisernen Vorhangs bringen. Dass sich die Landschaft im Dreieck Friedrichshäng, Pleš (Plöß) und Bügellohe mit diesem Projekt zu einem Hotspot für Land-Art entwickelte, ist einem Besuch im letzten Jahr von Professor Aleš Hnízdil am Infostand des CeBB beim Brückenfest des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds (DTZF) in Prag zu verdanken, Das Gespräch mit CeBB-Leiterin Veronika Hofinger – sie ist auch verantwortlich für die im Haus angesiedelte bayerisch-tschechische kulturelle Koordinierungstelle des Freistaats Bayern – mündete über ein halbes Jahr vorbereitete Kooperation der zwei bayerischen und zwei Prager Hochschulen.

Erste gemeinsame Aktion war das in der letzten Maiwoche abgehaltene Land-Art-Projekt „Grenzen:Bilder“ im Raum Schönsee-Dietersdorf-Friedrichshäng-Pleš (Plöß) mit zehn Objekten in der freien Landschaft, einer Filmdoku mit Interviews und dem Videofilmprojekt. Alle Beteiligten waren so begeistert, dass die beiden Professoren im kommenden Jahr, voraussichtlich im September, eine Neuauflage des Workshops mit neuen Studierenden und neuen Land-Art Installationen in Kooperation mit dem CeBB fest ins Auge fassen.

Die geschaffenen Land-Art Kunstobjekte sind seit Anfang Juni in der Landschaft frei zugänglich und werden hoffentlich lange Zeit Wanderer zum Nachdenken und Erinnern an die Zeiten des Eisernen Vorhangs bringen. Dass sich die Landschaft im Dreieck Friedrichshäng, Pleš (Plöß) und Bügellohe mit diesem Projekt zu einem Hotspot für Land-Art entwickelte, ist einem Besuch im vergangenen Jahr von Professor Aleš Hnízdil am Infostand des CeBB beim Brückenfest des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds (DTZF) in Prag zu verdanken.

Das Gespräch mit CeBB-Leiterin Veronika Hofinger – sie ist auch verantwortlich für die im Haus angesiedelte bayerisch-tschechische kulturelle Koordinierungstelle des Freistaats Bayern – mündete in die über ein halbes Jahr vorbereitete Kooperation der zwei bayerischen und zwei Prager Hochschulen.

Erste gemeinsame Aktion war das in der letzten Maiwoche abgehaltene Land-Art-Projekt „Grenzen:Bilder“ im Raum Schönsee-Dietersdorf-Friedrichshäng-Pleš (Plöß) mit zehn Objekten in der freien Landschaft, einer Filmdoku mit Interviews und dem Videofilmprojekt.

Alle Beteiligten waren so begeistert, dass die beiden Professoren im kommenden Jahr, voraussichtlich im September, eine Neuauflage des Workshops mit neuen Studierenden und neuen Land-Art Installationen in Kooperation mit dem CeBB fest ins Auge fassen.

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