30.11.2018 - 16:18 Uhr
SchönseeOberpfalz

Lob und Tadel für BR-Doku

Diese Doku-Serie polarisiert. Während etwa Bürgermeisterin Birgit Höcherl und vor allem Filmkritiker von der BR-Produktion "früher oder später" begeistert sind, üben andere heftige Kritik. Alt-Bürgermeister Hans Eibauer etwa sagt über die Serie: "Sie zeigt eine sehr einseitige und schräge Sichtweise auf Schönsee."

Wieder ist jemand gestorben: Hubert Reimer dirigiert seinen Chor von Beerdigung zu Beerdigung.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Die Meinungen in Schönsee klaffen ziemlich auseinander. Alle Befragten berichten: Die Leute finden die Produktion entweder super oder ärgern sich über die vier halbstündigen Folgen. Hans Eibauer, über drei Jahrzehnte lang Bürgermeister im Ort, empfindet die Doku gar als einen "Schlag ins Gesicht". In der Doku heiße es: "Die jungen Leute wandern ab, weil es keine Perspektive gibt." Eibauer verwies dagegen auf das Unternehmen Irlbacher mit über 600 Mitarbeitern. Außerdem betonte er: "Ich möchte mal einen Ort sehen, der so eine Dichte an Läden hat. Freitag und Samstag findet man fast keinen Parkplatz."

Sicherlich lägen in der Stadt Dinge im Argen. Und sicher gebe es auch schräge Vögel - womit Eibauer einerseits die in der Doku-Serie porträtierten Mitglieder der veganen Kommune meinte, als auch das Ehepaar Schöfl, Landwirte und im Nebenerwerb Bestatter. Ganz so negativ wie es klingt, meint der Alt-Bürgermeister das aber nicht, denn er betont: "Das ist auch bereichernd."

Trailer "früher oder später"

Roter Faden erkennbar

Was den studierten Politik- und Zeitungswissenschaftler stört, ist der "exotische Blick auf Schönsee, weit weg von der Wirklichkeit". Er verstehe die Intention, die Reportage interessant zu gestalten, schließlich habe er nach seinem Studium selbst drei Jahre für den BR gearbeitet. Allerdings gebe es viele in Schönsee, die zukunftsorientiert arbeiten. Deshalb sei die Doku für diejenigen, die sich engagieren, ziemlich frustrierend.

Ganz anderer Meinung ist die amtierende Bürgermeisterin Birgit Höcherl. Natürlich habe sie die unterschiedlichen Reaktionen auf "früher oder später" mitbekommen - auch die kritischen Stimmen. Allerdings gehe es in der Doku um die Geschichte. Sie könnte in jedem Ort Bayerns spielen. "Die Produktion hat einen roten Faden und ist ausdrücklich keine Bestandsaufnahme von Schönsee an sich." Die Bürgermeisterin betont: "Das ist auch nicht der Hintergrund des Films. Und in diesem Zusammenhang muss man das sehen." Ihr positiver Eindruck von der Kurz-Serie wird flankiert von den guten Kritiken in der Presse. Auf "Spiegel Online" ist von einem "Doku-Highlight" die Rede. Der Autor schreibt: ",Six Feet Under' in der Oberpfalz, toll." Auch die Süddeutsche Zeitung adelt das "mehrteilige Epos über das Dorf Schönsee", die den Menschen und ihrem Alltag dramatisch nahe komme.

Mehr zur Doku "früher oder später" gibt es hier zu lesen

"Schmarrn hoch drei"

Und was sagen die Protagonisten der Doku? Hubert Reimer, Leiter des Schönseer Chors, bleibt vor allem die Premiere im Deutschen Theater München in Erinnerung. Die Sänger hatten vor 1200 Gästen einen Auftritt: "Das war ein großartiges Erlebnis." Reimer klagt aber auch, dass der Kirchenchor in der Serie zu kurz wegkommt. Von einer Chorreise nach Meißen, bei dem die Schönseer vor 1000 Leuten im Dom sangen, ist nur eine Szene von einer Rast auf einem Parkplatz übrig geblieben. Deshalb sieht er die Doku zwiegespalten, wenngleich er sie an sich nicht schlecht findet. Seine Frau Maria hingegen hält von der Serie "gar nichts". Sie spricht von einem "Schmarrn hoch drei". Schönsee sei "ganz falsch dargestellt". Es sei das eingetroffen, was sie befürchtet habe: "Die Leute meinen, in Schönsee leben's noch wie vor 100 Jahren."

Sie zeigt eine sehr einseitige und schräge Sichtweise auf Schönsee.

Alt-Bürgermeister Hans Eibauer

Die Produktion hat einen roten Faden und ist ausdrücklich keine Bestandsaufnahme von Schönsee an sich.

Bürgermeisterin Birgit Höcherl

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Kommentare

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Doris Mois

Mir hat die Doku-Serie sehr gut gefallen.Auch wenn ich die letzte Folge erst noch anschaun muß....Es geht ja nicht um eine Darstellung von Schönsee (die ws wenige interessieren würde -sorry),sondern eher um die Protagonisten.Eben das Ehepaar,das nebenbei als Bestatter arbeitet und auf der anderen Seite die vegane Kommune.Zwei Welten nebeneinander,wie sie nicht gegensätzlicher sein könnten.Wenn man sich drauf einlässt,ist die Serie sehr berührend (zB das alte Ehepaar,das sich auf die Enkel freut und dann eine Absage vom Sohn bekommen

02.12.2018