01.12.2020 - 16:51 Uhr
SchönseeOberpfalz

Machbarkeitsstudie "Grünes Band Europa": In Schönsee gibt es einen Schatz zu heben

Das „Grüne Band Europa“ verläuft vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer. Fast genau in der Mitte liegt Schönsee. Eine Machbarkeitsstudie zeigt, was hier touristisch möglich ist. CeBB-Leiterin Veronika Hofinger setzt dabei auf die Stadt.

Die Idee: Ein Ausstellungspavillon zum Thema „Grünes Band“ zwischen dem Parkplatz beim Centrum Bavaria Bohemia und der Ascha. Laut CeBB-Leiterin Veronika Hofinger könnte dieser ein attraktiver Anlaufpunkt für Besucher und ein Ausgangspunkt für Touren im Schönseer Land sein. Der Stadtrat will im Tourismusausschuss zunächst Kosten, Förderung und Gestaltung abklären.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Die Kulturlandschaft Schönseer Land könnte unter dem Aspekt "Grünes Band Europa" beim sanften und damit naturverträglichen Tourismus punkten. Veronika Hofinger, Leiterin des Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) sieht viel Potenzial. Ihr Aufruf an die Stadträte, "es als ein gemeinsames Thema zu betrachten" kam in der jüngsten öffentlichen Sitzung im Feuerwehr-Schulungsraum gut an.

"Es gibt sechs Initiativen von Bärnau bis Domažlice. Und was machen wir im Schönseer Land?"

Veronika Hofinger, CeBB-Leiterin

Veronika Hofinger, CeBB-Leiterin

Lücke schließen

Rund 12 000 Kilometer lang zieht sich der ehemalige Grenzstreifen zwischen West und Ost durch 24 europäische Staaten. Dort, wo im Kalten Krieg Stacheldraht und Wachtürme herrschten, schlummert ein hohes ökologisches Potenzial. Mit einer im Jahr 2017 in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie "Grünes Band Oberpfalz - Tschechien" soll die Lücke zwischen Thüringen und Oberösterreich geschlossen werden. Die Studie liegt seit Juni 2019 vor und war jetzt Thema der jüngsten Stadtratssitzung. "Es gibt sechs Initiativen von Bärnau bis Domažlice. Und was machen wir im Schönseer Land?", fragte Veronika Hofinger, Geschäftsleiterin des Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) eingangs in die Runde. Das "Grüne Band" sei 12 500 Kilometer lang, "und wir sitzen so ziemlich in der Mitte und haben es direkt vor der Haustüre." Die Stadträte waren über die Thematik informiert, denn wie Bürgermeister Reinhard Kreuzer eingangs feststellte, sei neben der Machbarkeitsstudie auch das "grenzüberschreitende Konzept für den Schutz und das Erleben der Natur des Böhmischen Waldes und der Oberpfalz" an alle gemailt worden.

Die Machbarkeitsstudie zum "Grünen Band" wird von der Regierung vorgestellt

Schönsee

Die CeBB-Leiterin ging dann auch nur kurz auf die Ergebnisse ein. So gliedert sich die Konzeption inhaltlich auf die drei Säulen Biotopverbund/biologische Vielfalt, historische Kulturlandschaft und naturverträglicher Tourismus. Methodisch würden Projekte mit thematischer und räumlicher Schwerpunktsetzung angeregt.

Wenig Besucher

Wie die Geschäftsleiterin feststellte, liegt das Schönseer Land auch im Projektgebiet Oberpfalz-Tschechien günstig in der Mitte. Die Studie kommt zu der Feststellung: "Der mittlere Bereich verfügt über die größten Potenziale, hat aber zugleich das geringste Besucheraufkommen." Veronika Hofinger ist sich deshalb sicher: "Hier gibt es einen Schatz zu heben."

Das Projektgebiet im grenznahen Raum des Regierungsbezirks Oberpfalz umfasst 293 Quadratkilometer. Die naturschutzfachliche Koordination liegt bei der Regierung der Oberpfalz. Für die Themen historische Kulturlandschaft und sanfter Tourismus ist das CeBB das Informations-, Beratungs- und Vernetzungszentrum. Es gebe zusätzliche Angebote, man wolle den Markenbegriff "Grünes Band" aufbauen und Potenziale für das Schönseer Land nutzen.

Wie Veronika Hofinger feststellte, biete sich das CeBB als Ausgangspunkt für Aktivitäten an. Nachdem das Haus nicht immer geöffnet ist, denke sie an eine Dauerausstellung in einem offenen Pavillon. Dieser könnte auf dem städtischen Grundstück zwischen Parkplatz und der Ascha im Kurpark stehen. Text und Karten könnten nicht nur auf das "Grüne Band Oberpfalz-Tschechische Republik" hinweisen, sondern zudem über regionale Schwerpunkte wie Handwerk, Aussichtspunkte, Biotope, Bügellohe, Mühlen/Glasindustrie sowie Kultur und Sport informieren. "Die Ausstellung soll nicht das Ziel, sondern der Ausgangspunkt für einen Besuch im Schönseer Land sein", betonte Hofinger. Gut wäre eine überdachte Sitzgelegenheit und interaktive Elemente. Allerdings müsse erst die Gestaltung und der Kostenrahmen (Förderung ist möglich) abgeklärt werden. Die Kofinanzierung durch die Stadt werde voraussichtlich bei 30 bis 40 Prozent liegen. Sie rief die Stadträte dazu auf, "es als ein gemeinsames Thema zu betrachten", denn das CeBB könne nicht alles machen.

Vereine ins Boot holen

Christian Karl, ILE-Regionalmanager für den östlichen Landkreis, war anwesend und versprach, die Aufnahme ins Regionalbudget zu prüfen. Generell könnte er sich vorstellen, den Prozess "Grünes Band" interkommunal auf der Bürgermeister-Ebene aufzubereiten. Stadträtin Bärbel Placke sprach sich für den Pavillon aus und auch dafür, dass die Stadt den sanften Tourismus federführend einleiten sollte. Allerdings mit den Vereinen als Mitstreiter. "Es wäre schade, wenn wir das Thema nicht besetzen", betonte Josef Eibauer im Hinblick auf die zentrale Lage. Andere Kommunen würden nicht schlafen, deshalb sollte man bald zu einem Ergebnis kommen. Veronika Hofinger wünschte sich vom Gremium, dass relativ schnell eine Struktur für mehrere kleine Schritte aufgesetzt wird. "Das Thema wird im Tourismusausschuss und mit Herrn Karl besprochen", erklärte der Bürgermeister zum Abschluss.

Hintergrund:

Initiative "Grünes Band Europa"

  • Gebiet
    Länge rund 12 500 Kilometer vom Eismeer im Norden Norwegens bis zum Schwarzen Meer an der Grenze zur Türkei. 24 europäische Staaten sind tangiert.
  • Ziel
    Die Natur- und Kulturlandschaft entlang des ehemaligen "Eisernen Vorhangs" zu sichern.
  • Machbarkeitsstudie
    Die Studie "Grünes Band Oberpfalz-Tschechische Republik" wurde 2017 in Auftrag gegeben. Im Juni 2019 erfolgte die Vorstellung im Centrum Bavaria Bohemia. Sechs Initiativen zwischen Bärnau und Domažlice sind am Laufen. Auch die Stadt Schönsee könnte mit der Marke "Grünes Band" den Tourismus ankurbeln.
Am Grenzübergang Friedrichshäng kreuzen sich mehrere Touren für Wanderer und Radfahrer. Touristisch wäre im Schönseer Land noch mehr möglich.

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