(eib) Seit dem 100. Stammtisch im April gibt es ein paar Neuerungen, die bei den Gästen gut ankommen. Der monatliche Rhythmus mit dem Treffen jeden ersten Mittwoch bleibt, jedoch wechseln sich jetzt die Stammtischlokale jeden Monat zwischen beiden Ländern ab. Treffpunkt am ersten Mittwoch im Juni war das Restaurant des Freizeitzentrums in Rybník (Weiher), am 4. Juli ist wieder die Pizzeria "La Strada" in Schönsee an der Reihe. Neu ist auch, dass zukünftig jeder der monatlichen Stammtische unter einem Thema mit grenzüberschreitendem Bezug stehen wird.
Thema der deutsch-tschechischen Stammtischrunde im Juni in Rybník war das "Leben an der Grenze". Bürgermeister Miroslav Kadlec ließ es sich nicht nehmen, die Gäste von beiden Seiten zu begrüßen und sich und seine kleine Gemeinde mit 200 Einwohnern vorzustellen. Die hochinteressante Schilderung des gemeindlichen Lebens in der tschechischen Grenzgemeinde führte zu einem regen Frage- und Antwortspiel, von Veronika Hofinger und Tereza Pechová vom CeBB übersetzt. Eingangs erzählte der Bürgermeister, dass er in Rybník seine Kindheit verbrachte, dann 30 Jahre in Mähren lebte, er jedoch sein Heimatdorf nicht aus den Augen verlor und schließlich zurückkehrte, "weil ich hier meine Wurzeln habe".
2014 zum Bürgermeister gewählt, war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, Kontakt mit dem Stadlerner Nachbarbürgermeister Gerald Reiter und den weiteren Kollegen des Brückenlands aufzunehmen. "Vieles, was in den letzten Jahren passiert ist, habe ich der Zusammenarbeit mit der bayerischen Nachbarseite zu verdanken", fasste der Bürgermeister seine grenzüberschreitenden Erfahrungen zusammen.
Der Chef des weit über Rybník hinaus bekannten und gut gehenden Restaurants mit Hotel saß mit am Stammtisch und ließ sich manche interessante Details über die Tourismusentwicklung entlocken. Der Ort hat 101 Gästebetten mit einer guten Auslastung, darunter viele Familien, Radfahrer-, Schüler- und Jugendgruppen. Dies kommt nicht von ungefähr, denn: "Wir lassen uns jedes Jahr etwas Neues einfallen, um attraktiver zu werden. Außerhalb der Saison werben wir mit Pauschalangeboten."
Für Manchen ist es schon verwunderlich, dass es in Tschechien noch so kleine Gemeinden gibt. Auf bayerischer Seite hat die Gebietsreform in den 70er Jahren viel größere kommunale Einheiten geschaffen. "Diese Diskussion gab es auch bei uns, sie ist jedoch vom Tisch" meinte der Bürgermeister, der auch die Finanzen der Gemeinde offenlegte. Trotz geringer eigener Steuereinnahmen hat der Haushalt ein Volumen von umgerechnet rund 300 000 Euro. Die Kommune vermietet 26 eigene Wohnungen, finanziert sich über staatliche Umlagen, Fördergelder, Forstwirtschaft und ist schuldenfrei. Das überraschte die am Stammtisch sitzenden Deutschen ziemlich.
"Die kleinen Gemeinden sind in Tschechien eigentlich alle ohne Schulden. Prinzip ist, nur so viel auszugeben, was im Jahr zur Verfügung steht. Was wir uns nicht leisten können, müssen wir zurückstellen", meinte der Bürgermeister, dem zwei Stellvertreter und vier Gemeinderäte zur Seite stehen. Kompliziertere Verwaltungsaufgaben werden in den größeren Nachbarkommunen Pobežovice, Domažlice und Horsovský Týn abgewickelt. Auch die ärztliche Versorgung geht mehr über ärztliche Zentren in den größeren Orten. Interessant war, dass von den etwas über 100 Einwohnern im arbeitsfähigen Alter 31 zu ihrem Arbeitsplatz in Deutschland über die Grenze pendeln.
Nach dem offiziellen Teil überraschte der Bürgermeister die Stammtischrunde mit der Einladung zur Brotzeit. Eine gute Gelegenheit, an den Tischen den Meinungsaustausch im deutsch-tschechischen Dialog fortzusetzen, dann auch mit dem etwas später zur Runde stoßenden Bürgermeister der Stadt Pobežovice, Hynek Riha. Maria Eliásová, Europäische Freiwillige im CeBB, lud mit einem Flyer mit den Terminen dieses Jahres zum nächsten Stammtisch am 4. Juli in der Pizzeria nach Schönsee ein. Thema ist die ärztliche Versorgung auf beiden Seiten der Grenze.
Schönsee
17.06.2018 - 12:19 Uhr
Was sich die Nachbarn leisten
von Hans Eibauer
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