13.03.2020 - 11:50 Uhr
SchönseeOberpfalz

Nature Community auf dem Weg zum Aushängeschild

Was kommt da auf die Stadt zu? Das war die Frage in Schönsee, als Anfang 2016 mit der Nature Community ein neuer Besitzer das Hotel St. Hubertus übernahm. Mittlerweile sehen sich die neuen Hausherren in ihrer Marschroute bestätigt.

Mittelpunkt des dritten „Love and Peace gathering“ vom 10. bis 13. Juli wird wieder die geschwungene Holzbühne sein. Zum erstmaligen Treffen der europäischen Vereinigung von Ökodörfern werden Hunderte von Teilnehmern erwartet.
von Hans EibauerProfil

Was wurde nicht alles gemunkelt, als vor vier Jahren das Schönseer Hotel, in den 1970er und -80er Jahren eines der Tophäuser im Oberpfälzer Tourismus, von einer Gruppe übernommen wurde, deren vegane Lebensweise in einer Sinngemeinschaft für einige überhaupt nicht ins Weltbild passte. Jene Einheimischen, die den Besitzwechsel eher als Chance begriffen und keine Steine in den Weg legen wollten, können sich heute bestätigt fühlen. Seit die BR-Sendung „Radioreisen“ am 16. Februar in einem zehnminütigen Beitrag über das Projekt berichtete, zeigte sich, dass Schönsee ein Aushängeschild mehr hat.

Die nicht leichte Start- und Findungsphase ist nach vier Jahren Vergangenheit. Die beiden Anfang des Jahres gewählten Vorstände der Nature Community eG, Ulrich Jung und Andreas Materne, berichten bei einem Rundgang von erstmals schwarzen Zahlen im Jahr 2019. „Wenn man sich die Buchungen für 2020 anschaut, dann wird das Ergebnis heuer noch weiter im Plus liegen“ sagten die beiden für die Genossenschaft Verantwortlichen. Jung ist Architekt mit einem auf Energieberatung fokussierten Büro in Ingolstadt, Materne gehört eine Unternehmensberatung in München, die er jetzt von Schönsee aus leitet. Beide gehören zu den Wegbereitern der Community in der Oberpfalz.

Alle, die das „Faßl“ noch als Ballsaal, Jagdtrophäen-Schauort und Treffpunkt für gesellige Veranstaltungen kennen, werden staunen, was die Nature Community daraus und aus weiteren früheren Gasträumen gemacht hat. Der Fliesenboden im "Faßl" wich einem beheizbaren Naturholzboden, der in Eigenleistung verlegt wurde. Dunkle Einbauten sind verschwunden, eine Türöffnung bietet eine direkte Verbindung ins Grüne. Auf über 150 Quadratmetern ist eine helle, einladende Fläche für Yoga, Meditation und Bewegung entstanden. Auch die frühere St.-Georg-Stube ist mit dem warmen Dielenboden nicht mehr wiederzuerkennen. Der Raum wird für Gemeinschaftsprozesse, kleinere Gruppentreffen, Musik und Tanz genützt. Die "Schönseer Stube" wandelte sich zu einem weiteren Besprechungs-und Gruppenraum.

Die veränderten Raumangebote brachten auch den wirtschaftlichen Umschwung: Waren es im Vorjahr etwa 30 Termine und Veranstaltungen, so gibt es für 2020 bereits 50 Buchungen – von kleinen Gruppen mit knapp zehn Teilnehmern bis zu zwei Großveranstaltungen mit vielen hundert Gästen. Die beiden Vorstände diskutieren einmal in der Woche beim Meeting der inzwischen 40 zum Kern zählenden Mitglieder die Abläufe, Gruppenprozesse, Termine und Pläne der Gemeinschaft. Bei den Investitionen steht oben auf der Agenda die Runderneuerung des Tagungshauses. Der reine Fichtenwald soll in einem mehrjährigen Projekt „Lebensraum Waldgarten – Biotop für Mensch und Natur“ beispielhaft entwickelt werden. Als größte Baustelle wird das frühere Jagdmuseum in Angriff genommen. Aktuell ist in der ausgeräumten Sammlung eine Holzwerkstatt untergebracht. Jetzt hat dort einer der ständigen Bewohner eine Fahrradwerkstatt eingerichtet und sich hier auf den Umbau von Fahrrädern zu E-Bikes spezialisiert. Dieses Angebot sei nach Meinung von Andreas Materne und Uli Jung auch für den Radtourismus im Schönseer Land interessant. Eine Zusammenarbeit mit Tourismus-Anbietern, die Radurlauber im Blick haben, könnte sich anbahnen.

Herausragende Veranstaltung in der Nature Community ist in der letzten Juliwoche das 25. Europatreffen von „GEN europe“, der europäischen Vereinigung von Ökodörfern und Lebensgemeinschaften (global eco villages network) mit Sitz in Spanien. Zu diesem heuer erstmals in Deutschland stattfindenden Event gibt es schon mehr als 750 Anmeldungen, Tendenz steigend. Ein paar Wochen vorher findet vom 10. bis 13. Juli das dritte „Love and peace gathering“ statt. Koordiniert wird es von Nena und David Mages als Koordinatoren, inzwischen in der Gemeinschaft ihre Heimat gefunden haben, wenn sie nicht gerade in aller Welt unterwegs sind.

Weiter Infos zur Nature Community gibt es hier

Zur Absprache kamen "GEN europe"-Koordinator Tom Feeney (Mitte) und der deutsche Ansprechpartner des Europanetzwerks, Matthias Dress (Zweiter von rechts) zur Nature Community, die von Andreas Materne (links) und Ulrich Jung (Zweiter von links) vertreten. Vor ihnen ausgebreitet liegt der beim Besuch erarbeitete "Wo-findet was-statt"-Plan.
Hintergrund:

Europatreffen "GEN europe"

Das Europatreffen findet in der Woche nach dem Seefest von 27. bis 31. Juli statt. Bisher haben sich schon über 750 Teilnehmer aus vielen europäischen Ländern angemeldet. Rund 250 können im Bereich der Nature Community untergebracht werden, die restlichen 500 Gäste werden Übernachtungsmöglichkeiten in der Region nützen.

"GEN europe" ist eine 1995 gegründete Vereinigung von 115 Ökodörfern in ganz Europa mit Sitz in Spanien, das im Global Eco Villages Network organisiert ist. Ähnliche Organisationen gibt es auf allen Kontinenten mit zusammen mehr als 1000 Mitgliedern. Geschätzt wird, dass es weltweit mehr als 10000 Ökodörfer gibt. Die jährliche "GEN europe"-Konferenz findet heuer erstmals in Deutschland statt. Es ist eine besondere Auszeichnung für die Nature Community, dass das 25. Treffen in Schönsee stattfindet

Eigentümer und Betriebsform

Grundstückseigentümer ist die 2014 gegründete Stiftung mit dem Namen "Be the change - Stiftung für kulturellen Wandel" mit Sitz in Schönsee. Sie hat Ende 2015 das Areal von der Besitzerfamilie Utz erworben, der Besitzübergang folgte im März 2016. Eigentümer der Gebäude, des Inventars und Betreiber ist die Nature Community eG.

Die Genossenschaft ist eine geläufige Unternehmensform, wie beispielsweise die Raiffeisengenossenschaften. Die derzeit rund 40 Mitglieder der eingetragenen Genossenschaft wählen jährlich den Vorstand und Aufsichtsrat. Vorstände 2020 sind Andreas Materne. Dem Aufsichtsrat gehören Michael Stahl, Peter-Michael Jänsch und Heike Natterer an. Die Nature Community eG zahlt an die Stiftung als Grundstückseigentümerin eine jährliche Pacht, die den Zins- und Tilgungsaufwendungen für den Grunderwerb entsprechen. (eib)

Hier erhalten Sie Informationen zur Vereinigung "Gen Europe"

Das frühere "Faßl" im Hotel St. Hubertus ist nicht mehr wiederzuerkennen. Statt kalter Fließen ist hier nun ein warmer Holzdielenboden verlegt. Ein idealer Raum für Gymnastik, Bewegung und Yoga.
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