Plöß, Wenzelsdorf oder Taus - diese früheren Ortsnamen aus dem Böhmischen werden im Pascher-Freilichtspiel am Eulenberg immer wieder erwähnt. Als der Regensburger Diözesanbischof Rudolf Voderholzer das Stück vor drei Jahren besuchte, zeigte er großes Interesse an der Erzählung vom Leben in der Bügellohe und an der Vertreibung aus dem nur wenige Gehminuten entfernten Wenzelsdorf. Als die Klöpplerinnen im März an der Verleihung des "Heimatpreis Oberpfalz" teilnahmen, wollte der Oberpfälzer Regierungspräsident Axel Bartelt daraufhin mehr über diese Handarbeit wissen. Dies nahm Bürgermeisterin Birgit Höcherl zum Anlass, um Bischof und Regierungspräsident ins Schönseer Land einzuladen.
Mühsam zu neuer Heimat
Vor dem "Fleischhackerhaus" in der Bügellohe hieß Birgit Höcherl nun die Ehrengäste willkommen. Besonders freute sie sich darüber, dass auch Gisela und Hans Forster, die Eigentümer des Hauses, sowie Josef Wachter, dessen Mutter den Stoff einer gespielten Szene überliefert hatte, gekommen waren. Die verstorbene Maria Wachter lebte einst in dieser seit 1969 verlassenen Siedlung. Auf der Basis ihres Berichts erarbeitete Pascher-Regisseur Martin Winklbauer eine Szene, in der Darstellerin Maria Hammerer die Verhältnisse vor 60, 70 Jahren in diesem Landstrich auf fast 900 Meter Höhe reflektiert. Mühsam hatten sich die Bewohner in Bügellohe ihre neue Heimat errichtet, zu Fuß waren sie von dort aus nach Schönsee oder Stadlern unterwegs.
Eine besondere Herausforderung war für die Kinder der tägliche Weg zur Schule in Stadlern. "Finster war es, wenn sie im Winter bei meterhohem Schnee weggingen, und finster war es auch, wenn sie durchgefroren heimkamen", ließ Maria Hammerer diese Zeit Revue passieren. Geringe oder gar keine Möglichkeit, einen nachhaltigen Broterwerb zu sichern, veranlassten die Bügelloh-Bewohner, nach und nach ihre zweite Heimat zu verlassen. Eindrucksvoll wurde in der Szene deutlich, dass die Geschichte auch heute noch aktuell ist. Mahnt sie doch intensiv an, dass Krieg und Vertreibung zu jeder Zeit und an jedem Ort Leid und Verlust bringt.
Fasziniert und nachdenklich zeigten sich der Bischof und der Regierungspräsident über die authentische Erzählung von Maria Hammerer. Rudolf Voderholzer und Axel Bartelt erwähnten Parallelen aus ihrer eigenen Familiengeschichte, nachdem von beiden Herren mütterlicherseits die Wurzeln ins Böhmische reichen.
Weitere Informationen über die ehemalige Siedlung zwischen Wenzelsdorf und der Burgruine Reichenstein gab den Besuchern die im Haus befindliche Dokumentationsrolle. Von Interesse waren dazu die Erinnerungen der jetzigen Eigentümerin Gisela Forster, geborene Lang, deren Eltern und Großeltern dieses noch letzte Haus in Bügellohe errichteten. Ergänzend schilderte Josef Wachter den langsamen Verfall der Siedlung, mittlerweile hat sich die Natur die Umgebung des "Fleischhackerhauses" zum Großteil zurückgeholt. Bei einer Brotzeit im Grenzwirtshaus Gerstmeier in Friedrichshäng lieferten die Erfahrungen in Bügellohe reichlich Gesprächsstoff. Der Abschluss des Aufenthalts im Schönseer Land war der Besuch beim Klöppelkreis Schönsee-Stadlern-Tiefenbach. Regierungspräsident Axel Bartelt erinnerte an die Verleihung des Heimatpreises, der seine Aufmerksamkeit an dieser filigranen Tätigkeit weckte. Er bat die Frauen, die sich über die prominenten Besucher freuten, in der Begeisterung für das Klöppeln nicht nachzulassen. Diese Tradition und Kunst solle auch in Zukunft erhalten bleiben.
Nun Kunsthandwerk
Regierungspräsident und Bischof staunten, wie die Klöppel am Klöppelsack hin und her flogen und bewunderten die Gelassenheit der Frauen im Umgang mit Klöppel, Garn und Nadeln. Sprecherin Frieda Roith informierte die Gäste über diese Beschäftigung, die vor Jahrzehnten den Familien zusätzlichen Broterwerb ermöglichte. Heute gebe es verschiedene Arbeitsvorlagen zum Klöppeln, das sich inzwischen zum Kunsthandwerk entwickelt hat. Mit dem Eintrag in das Landes- und Bundesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes wurde die Bedeutung des Klöppelns im Oberpfälzer Wald in besonderer Weise gewürdigt. Für den Diözesanbischof und den Regierungspräsident hatte Roith bei der Verabschiedung ein Geschenk parat: eine Engelfigur, natürlich mit Flügeln aus Klöppelspitze




















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.