16.10.2019 - 13:46 Uhr
SchönseeOberpfalz

Eine Quelle ist zu wenig

Extrem trockene Sommer und schneearme Winter: Der Klimawandel führt dazu, dass das Grundwasser abnimmt. Im Bereich Schönsee fehlt zudem eine Verbundleitung, so dass Handlungsbedarf besteht. Die neue Förderrichtlinie hilft dabei.

Jederzeit gutes Trinkwasser: Die Wasserversorgung in der Gemeinde Schönsee soll zukunftssicher werden. Für das Struktur- und Sanierungskonzept sowie für eine Verbundleitung gibt es Zuschüsse.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

21 Tagesordnungspunkte warteten am Dienstagabend auf die Stadträte. Im öffentlichen Teil der Sitzung konnten die fünf Punkte aber zügig abgearbeitet werden. Zunächst ging es um die Wasserversorgungsanlage Schönsee. "Es ist heute nur ein genereller Einblick in die Thematik", betonte Bürgermeisterin Birgit Höcherl. Nachdem der Vertreter des Ingenieurbüros krankheitsbedingt nicht anwesend sein konnte, wird über die technischen Details in einer der nächsten Sitzungen informiert.

Zu wenig Niederschläge

Anwesend war aber Helmut Jahn vom Wasserwirtschaftsamt Weiden, der zunächst über die Studie "Wasserversorgungsbilanz Oberpfalz" informierte. "Der Klimawandel macht sich bemerkbar. Das kann auch das Wasserwirtschaftsamt feststellen", meinte Jahn. Seit 2003 seien Defizite bei der Grundwasserneubildung erkennbar. Die Statistik zeige seither nur ein Jahr mit ausreichend Niederschlägen. "Die Quellen reagieren stark sensitiv. Man kann die Augen davor nicht mehr verschließen", bekräftigte der Experte.

Er sprach die Bayerische Klima-Anpassungsstrategie 2009 an, bei welcher auch die Wasserversorgung eine Rolle spiele. 2016 sei von den Ämtern die Aufgabe "Erfassen und Bewerten" abgeschlossen worden. Nun stehe das zweite politische Ziel, die Herstellung von regionalen Verbünden an. Im Fokus stehe eine Trinkwasserversorgung mit sicheren Ressourcen und einer sicheren technischen Struktur. Die Gegebenheiten wurden oberpfalzweit auf einer Karte mit grünen, gelben und orangen Flächen dargestellt. Hier wurde den Stadträten der Handlungsbedarf deutlich vor Augen geführt, denn das Stadtgebiet Schönsee wies die Farbe Orange auf. Wie Helmut Jahn erläuterte, sei dies vor allem darauf zurückzuführen, dass es keine Ringleitung gibt und beispielsweise die Wasserversorgungsanlage Rackenthal nur einen Brunnen aufweist. "Bei Reparaturen ist hier die Versorgung mit Trinkwasser nicht mehr gegeben", so seine Erklärung. Wie Birgit Höcherl anmerkte, habe sich der geplante Leitungsverbund zwischen Schönsee und Gaisthal in Zusammenhang mit dem Bau der Staatsstraße verzögert.

Ohne Härtefallschwelle

Der Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes stellte fest: "Eine Wasserversorgung muss eine kostendeckende Einrichtung sein, die sich selber trägt." Es gebe aber auch Härtefälle mit einer hohen Pro-Kopf-Belastung. Dazu hatte er eine gute Meldung parat: "Die Förderung wurde mit einer Absenkung der Härtefallschwellen nachgebessert." Die Neuauflage 2018 der RZWas (Richtlinien für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben) sei ein großer Vorteil für Schönsee. Denn das Struktur- und Sanierungskonzept und auch der Bau erstmaliger Verbundleitungen werde aktuell ohne Härtefallschwelle mit einem hohen Fördersatz bedacht. "Wir sind bei der RZWas 2018 dabei und haben die Formulare schon ausgefüllt", betonte die Bürgermeisterin.

Helmut Jahn informierte zu den Vorgaben beim Bau von Verbundleitungen: "Diese sollen keine bestehenden Quellen ersetzen, soweit sie schutzfähig sind und die notwendige Wasserbeschaffenheit erwarten lassen." Auch die Planungsarbeit wird bezuschusst. Während das Strukturkonzept das gesamte Gemeindegebiet beleuchtet (Wo sind Anlagen? Was ist erhaltungswürdig?), werde im Sanierungskonzept der technische Bedarf für die Schwachstellen benannt. Die aktuellen Zuschüsse seien allerdings befristet: Der Abruf muss bis 31. Dezember 2021 erfolgt sein. "Aufgrund des Klimawandels kann die Förderung sicher nicht gekappt werden", lautete die persönliche Einschätzung von Birgit Höcherl.

Man wolle aber dranbleiben und sich in einer der nächsten Sitzungen die technischen Details zur Wasserversorgungsanlage Schönsee vom Ingenieurbüro erläutern lassen. "Es muss das langfristige Ziel sein, sich bei der Wasserversorgung gut aufzustellen", bekräftigte die Bürgermeisterin. Und Helmut Jahn stellte abschließend noch einmal klar: "Bei der Gewinnung von Wasser geht es um ein zweites Standbein für die Betriebssicherheit. Das hat nichts mit dem Klimawandel zu tun." Im Fokus stünden aber auch der Hochbehälter (passende Größe) sowie die Verteilung des Trinkwassers.

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