07.04.2019 - 12:40 Uhr
SchönseeOberpfalz

Wie steht es um die katholische Kirche in Bayern und Tschechien?

Gibt es noch die katholische Idylle und wie hat der Missbrauchsskandal die Kirche in Bayern und Tschechien getroffen? Auf Fragen wie diese wurden von den hochkarätigen Podiumsgästen im Centrum Bavaria Bohemia Antworten gesucht.

Am Podium diskutieren (von rechts) Pater Dr. Stanislav Pribyl (Generalsekretär der Tschechischen Bischofskonferenz), Joachim Unterländer (Vorsitzender des Präsidiums des Landeskomitees der Katholiken in Bayern), Prälat Michael Fuchs (Generalvikar im Bistum Regensburg), Dr. Eva Vybíralová (Historikerin und Theologin aus Prag), Martin Kastler (Bundesvorsitzender der Ackermann-Gemeinde und europapolitischer Sprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken) sowie Moderator Matthias Dörr, Geschäftsführer der Ackermann-Gemeinde.
von Hans EibauerProfil

Der Abend wurde von Matthias Dörr, Geschäftsführer der Ackermann-Gemeinde, einer im Jahr 1946 gegründeten Vereinigung sudetendeutscher Katholiken, moderiert. Dieser wollte mit seinen Fragen an die drei deutschen und zwei tschechischen Diskutanten beim bayerisch-böhmischen Dialogforum im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) die belastenden Tendenzen nicht ausklammern, aber auch Perspektiven für die Zukunft der Kirche ermöglichen. CeBB-Leiterin Veronika Hofinger freute sich in ihren Eingangsworten über die Wahl des CeBB als Diskussionsort an der Schnittstelle beider Nachbarländer und über die von der Ackermann-Gemeinde mitgebrachte Wanderausstellung "Zeugen der Menschlichkeit". Diese wird noch bis 9. Mai in der historischen Gewölbehalle zu sehen sein.

Kirchen werden leerer

"Ja, wir sind im Bistum Regensburg keine Idylle mehr in der katholischen Landschaft. Die Glaubenswirklichkeit schwindet, die Kirchen werden leerer, die Zahl der Priester halbierte sich, aber die Menschen haben noch eine gute Vorstellung von der Kirche bei uns", sagte Michael Fuchs, Generalvikar der Diözese Regensburg. In Tschechien sind die Kirchen schon seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs leer. Hier freut man sich über die wenigen, aber engagierten Gläubigen, die ohne staatliches Geld und viel Idealismus für die Verbreitung der christlichen Botschaft in einem säkularen Land sorgen.

Pater Dr. Stanislav Pribyl, Sekretär der tschechischen Bischofskonferenz, berichtete weiter von Aktionen wie dem Tag der offenen Kirchen, um Abgewandte in die Gotteshäuser zu locken oder vom Projekt Kirche und Tourismus, bei dem Klöster mit Übernachtungen das Überleben sichern. "Wir zeigen in der Öffentlichkeit, dass wir eine katholische Familie sind und gehen bewusst mit unseren zwei Kindern in den Sonntagsgottesdienst", sagte die Historikerin und Theologin Dr. Eva Vybíralová. Die Tschechin studierte in Deutschland Theologie, promovierte und arbeitet jetzt als Mitarbeiterin am Institut für das Studium totalitärer Regime in Prag. Die kleinen Gemeinden überlebten nur dank ihres starken Zusammenhalts. "Das Mitwirken der Laien ist in Tschechien viel ausgeprägter als in Deutschland", stellte die Rednerin fest, die Kirchengemeinden in beiden Ländern sehr gut kennt.

Nicht nur Pessimismus

Die theologische Seite ergänzten zwei engagierte Laien auf dem Podium. Beide ehemalige Politiker, die nach ihrer Zeit als Abgeordnete in kirchennahen Organisationen leitend tätig sind. Der eine, Martin Kastler aus Mittelfranken, saß im Europaparlament, ist sein 2010 Bundesvorsitzender der Ackermann-Gemeinde und leitet das Verbindungsbüro in Prag. Der andere, Joachim Unterländer aus München, war von 1994 bis 2018 Landtagsabgeordneter und ist jetzt Präsidiumsvorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern. Er bezeichnete den Missbrauchsskandal als große Last in jeder Hinsicht, die alle Gliederungen noch lange beschäftigen wird "Für die Kirche stellt sich die Frage nach Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit. Bei aller Dramatik mag ich aber dem Pessimismus nicht das Wort reden." Er beschrieb die hohe Qualität des kirchlichen sozialen Engagements und betonte die immense Leistung in der Flüchtlingskrise. Aufgabe der Kirchen ist es, den Menschen, die in Not oder auf der Flucht sind, zu helfen. Schade fand er nur, dass die Kirche in der Öffentlichkeit immer mehr als reiner sozialer Dienstleister wahrgenommen wird. Bei Martin Kastler war die Frage des Moderators nach der Position der Kirche zur Europawahl am 26. Mai bestens aufgehoben.

"Wir Christen haben eine große Verantwortung für Europa. Wir sollten mit unserer Stimme Flagge zeigen gegen die Populisten, Nationalisten und Extremisten von links und rechts." Zuvor nahm er die Christen in die Pflicht, optimistisch zu sein und die Kirche nicht nur in der Rolle als Sozialdienstleister, sondern als kulturelle und geistliche Größe zu sehen.

Diskussion:

Was sagt das Publikum

Der Neustädter Zahnarzt Werner Brunner sprach historische Traumata, zurück bis zum Beginn der Herrschaft der Habsburger in Böhmen an. Dazu die Antwort von Stanislav Pribyl , der in allen Traumata, von den Hussiten bis zur Vertreibung, auch eine Chance sah.

Bürgermeisterin Birgit Höcherl bedauerte, dass die Leute nicht wissen, was die Kirche leistet. „Es mangelt an Präsenz und Glaubwürdigkeit, die Seelsorger haben keine Zeit mehr.“ Ihr Vorschlag: „Bürotätigkeit auslagern und Laien stärker einbinden.“ Zum Schluss kam aus dem Publikum noch die Frage an Eva Vybíralová, ob sie es während ihres Theologiestudiums bedauert habe, nicht als Priesterin geweiht werden zu dürfen. Ihre knappe Antwort lautete: „Ich wollte nie Priester werden.“

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