Treffpunkt für den ersten deutsch-tschechischen Stammtisch in diesem Jahr war das Stammlokal auf deutscher Seite, die Pizzeria "La Strada" in Schönsee. Beim zwanglosen monatlichen Treffen von Deutschen und Tschechen aus der Region stand diesmal das Thema "Musik" im Mittelpunkt. Gast war Kamil Jindřich, Leiter des Städtischen Kulturzentrums in Domažlice (Taus), zugleich Musiklehrer und Mitglied der Tauser Dudelsackkapelle, die beim nächsten Bayerisch-Böhmischen Volkstanznachmittag am Sonntag, 27. Januar, um 14 Uhr im CeBB zusammen mit dem "Regschburga Musikantenstammtisch" und der Schönseer Volkstanzgruppe auftreten wird.
Kamil Jindřich ist in Schönsee kein Unbekannter, denn er begeisterte im CeBB schon oft als virtuoser Musiker. Am Stammtisch erzählte er nicht nur über die Musiktradition des Chodenlands, er hatte als traditionelle Instrumente die Teufelsgeige – bei uns als "Stoußrumpl" bekannt – den „Famfrnoch“ und den Dudelsack dabei. Gerne nutzten die Gäste die Gelegenheit zum Ausprobieren der Instrumente.
Vor dem gemütlichen Teil erzählte Jindřich über sein Aufwachsen mit Musik von Kind auf sowie über seinen Werdegang. Er sprach über die Tätigkeit im städtischen Kulturzentrum mit der großen Aufgabe, das jährliche Chodenfest Mitte August zu organisieren – allein im Vorjahr kamen über 80 000 Besucher. Gedanklich nahm er die Stammtischgäste mit an die tschechisch-deutsche Grenze mit dem musikalischen Austausch und berichtete über das Schicksal der Musiktradition im Chodenland in der Zeit des totalitären Regimes in Tschechien, als religiöse Zeremonien missbraucht wurden.
Beim Blick in die Gegenwart schilderte Kamil Jindřich die heutige Situation der Volksmusik und des Volkstanzes in seiner Heimatregion. Seine Feststellung ist, dass sich die Unterschiede in der bayerischen und tschechischen Volkstradition immer mehr verwischen.
Nach dem gelungenen musikalischen Mitmachteil kamen noch einige Themen auf das Tablett. Ein Gast äußerte große Bewunderung für die tschechischen Kunstgrundschulen – in Domažlice sind es über 600 Schüler, die neben dem regulären Unterricht nachmittags und abends Musik, Theater und Tanz lernen und mit musischer Erziehung aufwachsen. Kamil Jindřich nutzte die Gelegenheit, um zru Neuauflage des Chodenfestes einzuladen, das heuer von 9. bis 11. August stattfindet.
Organisatorin des 109. Stammtisches war zum ersten Mal Klára Halienková, die Anfang Januar ihr Freiwilliges Europäisches Jahr im Centrum Bavaria Bohemia begann und dafür sorgte, dass der erste von ihr betreute Stammtisch in guter Erinnerung blieb. Sie lud zum Abschluss bereits zum nächsten Stammtisch am 6. Februar nach Rybník (Waier) ein, bei dem es der Jahreszeit entsprechend um das Thema Fasching gehen wird.
Kamil Jindřich gab den Stammtischgästen einen vereinfachte Selbstbauanleitung für eine böhmische Teufelsgeige mit an die Hand: Man nehme einen Stecken, einen Bügel, einen Topf, eine Backform für Kuchen, ein paar Glöckchen sowie Blech, das scheppert. Dazu noch als Hut einen geschnitzten Teufelskopf oder ein anderes mythisches Wesen, und fertig ist die „Vozembouch“, wie die "Stoußrumpl" im Böhmerwald genannt wird. (eib)













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