22.11.2021 - 15:24 Uhr
SchönseeOberpfalz

Toby Mayerl zieht mit vielen Koffern voller Kultur ins Schönseer Caritas-Haus

Ein Haus auf dem Land mit Platz für 25.000 Schallplatten und jede Menge Musikinstrumente: Für Toby Mayerl aus Amberg erfüllt sich dieser Traum in Schönsee mit dem Caritas-Haus. Er hat aber mehr vor, als seine Sammlung unterzubringen.

Das Caritas-Haus in Schönsee erfüllt für Toby Mayerl gleich mehrere Funktionen, vor allem aber bietet es einen idealen Schnittpunkt zwischen geräumiger Wohnung und der Leidenschaft für Musik.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Am rosa Anstrich lag es nicht, dass Pianist und Konzertveranstalter Toby Mayerl in Schönsee beim Hauskauf ein Opfer von "Liebe auf den ersten Blick" wurde. "Gelb wäre mir lieber", bekennt der Musiker, der nur so sprudelt vor Ideen, die er in dem sogenannten Caritas-Haus gerne umsetzen würde.

Im Dezember 2020 hatte er beim Vorbesitzer, der Kirche, Interesse angemeldet, im September konnte er dann "übernehmen". "Da hatte ich das Haus schon fast abgeschrieben", gesteht der neue Besitzer, der ehrgeizige Pläne für die 90 Jahre alten Mauern hat. Wohnung, Konzertsaal, Gästezimmer, Probenraum, Freiluftbühne und nicht zuletzt Platz für die Instrumentensammlung und die vielen Schallplatten will er hier in der Eslarner Straße 1 unter einen Hut bringen.

"Eigentlich ist es viel zu früh, um darüber jetzt schon zu berichten", sagt der neue Eigentümer, der mit drei Bauphasen rechnet, die erst im Sommer 2023 abgeschlossen sein sollen. Immerhin, die Renovierung hat bereits begonnen und sie geht laut Hausherr gut voran: "Viele beneiden mich, dass ich überhaupt Handwerker dafür gefunden habe."

Dabei ist ihm auch klar, dass bei alten Häusern zuverlässige Aussagen nur schwer zu treffen sind, und mit den Finanzen sei das auch nicht einfach, gerade nach den schwierigen Pandemie-Zeiten für Berufsmusiker und Konzertveranstalter. "Ich muss jeden Schein umdrehen", klagt Mayerl, der nun auch auf Mittel aus der Städtebauförderung hofft.

Mit Hilfe einer Maklerin hatte er schon länger Ausschau gehalten nach einem geräumigen Anwesen,, einem alten Bahnhof oder einem alten Schulhaus. Erst später sei er auf das Anwesen in der Eslarner Straße gestoßen, das ihm für seine Zwecke gleich als optimal erschien. Kurzum "ein Glücksfall", für einen, der vom Vater die Sammelleidenschaft geerbt hat. Rund 25 000 Schallplatten wird Mayerl beim Umzug nach Schönsee im Gepäck haben, dazu kommen allerlei Instrumente und mehrere Klaviere.

Schoko-Tasting und Musik

Als erstes packt der Noch-Amberger den Wohnbereich im ersten Stock an, die Küche bleibt im Erdgeschoss. Wo früher der Kirchenchor zu mehrstimmigen Liedern ansetzte, sieht der neue Besitzer sein Wohnzimmer - mit einer Plattensammlung auf der vorhandenen Bühne. Hier kann er sich aber auch ab Winter 2023/24 Salonkonzerte vorstellen, etwa zwei bis drei pro Saison, dazu Lesungen, Vorträge oder Workshops. "Beispielsweise zur veganen Schokoladen-Manufaktur mit Tasting", lässt er seine Fantasie spielen. Für den Garten plant er eine große Terrasse mit Überdachung und Bühne, da könne es dann künftig einmal im Monat "Kultur im Caritas-Haus" mit bis zu 150 Gästen geben. "Im Untergeschoss sind Toiletten, die Infrastruktur ist da, und für das Haus gibt es sogar eine gastronomische Lizenz", freut sich Mayerl.

Längst hat er dabei eine Zusammenarbeit mit dem Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) ins Auge gefasst. Den früheren CeBB-Geschäftsführer Hans Eibauer kennt er von diversen Auftritten als Musiker. Fortführen will der künftige Neubürger von Schönsee auch die Tradition des Caritas-Hauses als Herberge für Gäste. "Bei mir sind immer mal wieder Musiker zu Besuch, die kriegen hier ein Gästezimmer", berichtet er mit Blick auf die Räume, die in der Vergangenheit auch den Praktikanten im CeBB als Wohnung dienten. Vier zum Großteil erwachsene Kinder und die Lebenspartnerin sind ohnehin am neuen Wohnsitz eingeplant. Immerhin gilt es inklusive Untergeschoss vier Stockwerke zu füllen.

Als erstes ist nun aber eine neue Heizung fällig. Was das Äußere betrifft, so sind keine großen Veränderungen geplant. Ein in den 70er Jahren angefügter Anbau wird zum Balkon, ein weiterer Anbau wahrscheinlich rückgebaut.

Homeoffice in Schönsee

"Ich habe mich da vor allem an alten Plänen orientiert", beschreibt Mayerl die Zusammenarbeit mit einem Architekten aus Neunburg beim Konzept für das unter Ensemble-Schutz stehende Gebäude. "Alles durchgeplant", so die Bilanz von einem, der zwar im Hauptberuf Pianist ist, sich aber auch als "Organisationstyp" sieht. Und was wird aus seiner Konzertagentur TNT Productions in Amberg? "Die bleibt", versichert Mayerl, der dort seit 55 Jahren lebt. "Es kann höchstens sein, dass ich an ein bis zwei Tagen im Homeoffice bin." Das ist dann allerdings bald in Schönsee.

So ist Toby Mayerl in Amberg unterwegs

Amberg
Die umfangreiche Schallplattensammlung (im Hintergrund) zieht mit ihrem Besitzer Toby Mayerl bald von Amberg ins Schönseer Caritas-Haus um.
Viel Platz für seine Sammlung von Musikinstrumenten: Das war auch ein Argument, das Musiker, Produzent und Konzertveranstalter Toby Mayerl dazu bewogen hat, aufs Land zu ziehen, nach Schönsee ins geräumige Caritas-Haus.
Hintergrund:

Von der Kinderbewahranstalt zur Kulturadresse

  • Der neue Eigentümer: Tobias oder Toby Mayerl ist Pianist, Produzent und Konzertveranstalter. Der Amberger tourt als Bandleader der Funkband „Grand Slam“ durch ganz Europa und war in der Vergangenheit Mitglied zahlreicher weiterer Bands. Neben seiner Tätigkeit als Live- und Studiomusiker leitet er die Konzertagentur TNT Productions in Amberg. Er begann mit sieben Jahren Klavier zu spielen, war mit zehn in seiner ersten Band und hatte mit 13 den ersten professionellen Auftritt. "Mein Haupteinfluss ist Miles Davis", sagt der Musiker, der P-Funk liebt und mit zahlreichen Stars die Bühne teilte. Die Bilanz: Rund 3000 Konzerte in ganz Europa, Anteil an über 40 veröffentlichten Album- und Single-Aufnahmen.
  • Die Vergangenheit: Das Caritas-Haus wurde 1927 geplant, war 1930 "Kinderbewahranstalt", also Kinderheim mit Räumlichkeiten wie Nähschule und Betschule. Ab den 50er Jahren Theaterbühne, neben Nutzung durch die Caritas auch mit Räumen für Kolping, katholische Jugendgruppen und Vereine, zuletzt Kindergarten mit Unterkünften für CeBB-Praktikanten im ersten Stock
  • Die Zukunft: Wohnen, Kleinkunst und Konzerte, "Kultur im Caritas-Haus".
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