08.07.2018 - 16:23 Uhr
SchönseeOberpfalz

Im Zauberwald gibt es keine Grenzen

Elfen, Waldschrate und Wichtel sind Fabelwesen, die der Mensch nicht sieht. Im Freilichtspiel “Irrlichter” in Friedrichshäng ist das anders: Die märchenhaften Gestalten verzaubern nicht nur den Grenzgänger Seppi, sondern auch das Publikum.

von Ludwig HöcherlProfil

(mmj) Auf der Naturbühne am Eulenberg, in Sichtweite der Grenze zu Tschechien, spielt das von Martin Winklbauer verfasste Freilichttheaterstück "Irrlichter". Mit der Inszenierung der nicht ganz frei erfundenen Geschichte, begleitet von zauberhafter Lichttechnik und bunten Kostümen, ziehen die Darsteller ihr Publikum nicht nur in eine andere Welt. Sie erinnert zudem an die Zeit des Kalten Krieges, die besonders der Bevölkerung der Grenzregion damals täglich bewusst wurde.

"In der Nacht, als der Seppi geboren wurde, hörte ich Nebelfrauen sprechen", sagt Buzl (Michael Schwarz) zu den Eltern (Catherina Fakler und Georg Schmid) des kleinen Buben. "Wenn das zutrifft, ist das Kind ein besonderer Mensch", ist der Tannenzapfensammler überzeugt. Die Prophezeiung wird wahr, der Ende der 1930er Jahre geborene Bub ist so ganz anders als seine Mitmenschen. Auch knapp 20 Jahre später, Seppi (Sebastian Betz) ist mittlerweile ein junger Mann, kennt seine Fantasie keine Grenzen. Nebelfrauen und Wichtel sind für ihn genauso real wie seine Familie. Doch das wird ihm und einer seiner geliebten Nebelfrauen zum Verhängnis.

Zwischenwelt erscheint

Der dunkle Wald ist in malerisches Licht getaucht ist, eine feine Melodie erklingt: Geheimnisvoll wird es auf der Bühne am Bergweberhaus, wenn die Figuren der Zwischenwelt dort erscheinen und Seppi mit ihnen Kontakt aufnimmt. Die Elfe Lea (Julia Veitenhansl) ist von dem Mensch so angetan, dass sie ihm verbotenerweise ihren Namen verrät. "Das hätte sie niemals tun dürfen", rufen die Wichtel außer sich. Den Waldwesen bleibt Leas Vergehen nicht verborgen, Schrat (Stephan Reiminger) ruft sein Volk zum Gericht. Zusammen mit den vier Elementen Wasser (Judith Höcherl), Feuer (Stefan Pabinger), Erde (Celina Ehrenthaler) und Luft (Magdalena Höcherl) wird Lea aus dem Wald verbannt.

Auch Seppi leidet unter den Folgen der Begegnung mit Lea. Die Grenze zur Tschechoslowakei hat für ihn keine Bedeutung, doch der Eiserne Vorhang, der die Länder in dieser Region trennt, wird dem jungen Erwachsenen zum Verhängnis. Denn als er auf der Suche nach den Waldwesen mehrmals die Grenze ins Nachbarland ignoriert und tschechische Soldaten ihn zurückbringen, wird der amerikanische Agent Henesy (Martin Fakler) auf Seppi aufmerksam. Er sieht in dem Grenzgänger ein "unkalkulierbares Risiko". Einigen Zuschauern stockt der Atem, als auf bayerischer Seite ein Panzer auffährt. Die Zwangseinweisung in eine Anstalt können Seppis Eltern (Birgit Höcherl und Herbert Spichtinger) und seine Schwester Rosi (Miriam Höcherl) nicht verhindern. Doch Seppi gelingt die Flucht und weil er sich schuldig fühlt, bemüht er sich, die Elfe Lea mit Hilfe der eifrigen Wichtel zu befreien. Agent Henesy setzt alles daran, den jungen Mann wieder in die Anstalt zurückzubringen, doch auch er kann sich Leas Gesang nicht entziehen. Verzaubert von ihrem Lied stammelt Henesy schließlich, dass die Grenze unbedingt untergraben werden müsse und niemals akzeptiert werden dürfe.

Immer noch aktuell

Behutsam und doch eindrucksvoll setzt sich das Stück mit dem Anders-Sein, dem Umgang mit der Natur und dem Umgang mit Grenzen auseinander - Themen, die heute noch genauso aktuell sind wie in den 1950er Jahren. Zu Beginn des Freilichtspiels begrüßte Paschervorsitzende Birgit Höcherl, selbst unter den Protagonisten auf der Bühne, die Besucher. Die Schönseer Bürgermeisterin und verantwortliche Spielleiterin verwies dabei auf die vielen Kinder und jungen Darsteller, die sich bei diesem Stück besonders engagieren. Die Zuschauer würdigten die Leistung aller Laienschauspieler mit tosendem Applaus und bestaunten nach der Aufführung die aufwendigen Kostüme und die Arbeit der Maskenbildnerinnen. Rund ums Bergweberhaus, in der Küche und den Verpflegungsständen, waren ebenfalls viele freiwillige Helfer aktiv. "Schrazlnester" und "Quarkschleifen" haben "am Berch" inzwischen legendären Ruf. Vor der Aufführung, in der Pause und zum Ausklang des Abends sorgten die Musikanten der Grenzland Blaskapelle Dietersdorf für Unterhaltung, Pascherwurst und -bier passten bestens zur urigen Atmosphäre am Eulenberg.

Weitere Vorstellungen gibt es am Freitag und Samstag, 13./14. Juli, jeweils um 20 Uhr (Einlass ab 18 Uhr, Zufahrt zum Parkplatz oberhalb der Bühne bis 19 Uhr).

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