23.02.2021 - 12:09 Uhr
SchönseeOberpfalz

Zeitersparnis und "Gewinn für Familie": Schönseer schildern Erfahrungen aus dem Home-Office

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Wer in der Region im Home-Office arbeiten kann und sich täglich lange Wege zur Arbeit nach Schwandorf, Weiden oder Regensburg spart, für die oder den hat die Corona-Krise auch etwas Gutes. Zwei Beispiele aus Schönsee untermauern das.

Fred Bayer in seinem Home-Office in Dietersdorf. Zusammengerechnet hat er dort jetzt auch schon fünf Monate verbracht, seit dem ersten Lockdown am 17. März 2020.
von Hans EibauerProfil

Laut einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung arbeitet derzeit jeder Vierte in Deutschland im Home-Office. Dazu gehören auch Mathias Friese aus Schönsee und Fred Bayer aus Dietersdorf. Für beide war es üblich, täglich viele Kilometer zur Arbeit zu fahren – bis zum ersten Corona-Lockdown am 17. März 2020. „Ich bin vom ersten Tag des Lockdowns bis heute im Home-Office und habe keinen Tag mehr an meinem Arbeitsplatz bei Witt-Weiden gesessen", sagt Mathias Friese. In dieser Zeit habe er rund 20 000 Kilometer Fahrstrecke und täglich eineinhalb Stunden Sitzen im Auto gespart.

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Bei Witt ist Friese seit 18 Jahren als Mediengestalter in der Katalogvorproduktion tätig. Sein Kreativteam mit elf Leuten, alle im Home-Office, bereitet für jährlich 100 verschiedene Kataloge der Witt-Gruppe die Gestaltung der Seiten für den Druck vor. Sein Arbeitsablauf daheim unterscheidet sich nicht viel vom früheren Bürotag in Weiden: Um 7 Uhr einloggen, Computer hochfahren, Kopfhörer auf und schon bietet der heimische Rechner Zugriff auf alle nötigen Daten und Programme.

"Ich bin vom ersten Tag des Lockdowns bis heute im Home-Office und habe keinen Tag mehr an meinem Arbeitsplatz bei Witt-Weiden gesessen."

Mediengestalter Mathias Friese

Die 37,5 Stunden in der Woche am Schreibtisch zuhause würden wie im Flug vergehen, schildert Mathias Friese. Und für den Arbeitgeber sei es kein Problem, wenn im Home-Office die Arbeitszeit flexibel gestaltet wird. Natürlich säße er manchmal auch spätabends am Rechner, wenn ein Projekt besonders pressiert. Das Wochenende hält sich Friese allerdings frei für sein Hobby Waldarbeit. Es sei ein wunderbarer Ausgleich zum stundenlangen Sitzen vor dem Bildschirm.

Fred Bayer, Diplom-Ingenieur bei der Firma AVL Software & Functions in Regensburg, dirigiert ein 60-köpfiges Ingenieurteam von seinem Zuhause in Dietersdorf aus. Er ist seit fünf Monaten im Home-Office tätig – zwei Monate im Frühjahr 2020 und drei Monate seit Ende letzten Jahres. Bei der Unternehmensgruppe dreht sich alles um Steuerungselemente und -software für Autos verschiedener Hersteller. Der Job seines Teams ist es, grob umrissen, das Herz der Steuerung beim Auto zu programmieren.

Es sei interessant gewesen, wie reibungslos der Schritt vom Büro ins Home-Office im Unternehmen ging, blickt Bayer zurück. „Von einem Tag auf den nächsten verschwanden beim Lockdown im März alle 600 Mitarbeiter vom Firmensitz Regensburg ins Home-Office." Die Infrastruktur, dazu gehört natürlich auch schnelles Internet am Wohnort, sei perfekt vorbereitet gewesen, die Umstellung habe reibungslos geklappt. Trotzdem sei es für ihn und sein Team eine neue Erfahrung gewesen.

Die Vorteile beim Home-Office liegen für Fred Bayer auf der Hand. Nicht mehr täglich nach Regensburg pendeln zu müssen, sei für das Leben in einer Familie mit drei Kindern vom Krippen- bis ins Grundschulalter ein Gewinn. Weiter schlagen die Zeitersparnis für den Wegfall von mindestens zwei Stunden im Auto und Energiekosten für täglich nicht gefahrene rund 200 Kilometer gravierend zu Buche.

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Trotzdem ist Fred Bayer davon überzeugt, dass „in der digitalen Welt der Mensch genauso wie ein Unternehmen auch noch was Analoges braucht.“ Er meint damit das kurze Gespräch am Kaffeeautomaten, den Mittagsplausch in der Kantine, das Abendessen nach einem geschäftlichen Termin und den Sport mit Kollegen oder Freunden. Jeder der Home-Office macht, könne sich glücklich schätzen, wenn er sich im Wohnhaus ein ungestörtes Büro einrichten kann und trotzdem nah bei der Familie verbringen darf.

Wenn Bayer daheim am Schreibtisch sitzt, bestimmt der Terminkalender mit digitalen Kontakten im Halb- bis Stundentakt den Tag. Für 60 Mitarbeiter ist er der direkte Ansprechpartner. Die Hälfte sitzt in Regensburg, die anderen sind verstreut in Europa und in Asien mit Büros in Ungarn, Polen, Türkei, Indien und weiteren Ländern – da wird nur englisch miteinander gesprochen. Jeder Gesprächstermin folgt einer thematischen Agenda, die per Kommunikationssoftware für die Beteiligten zugänglich ist.

"Die zwischenmenschlichen Kontakte bleiben halt auf der Strecke."

Diplom-Ingenieur Fred Bayer

Seine letzte Dienstreise sei schon einige Zeit her und habe mit dem ICE von Regensburg zu den Kollegen nach Budapest geführt. Doch die Verbindung mit Ungarn klappe mittels Konferenz-Tools von Dietersdorf oder Regensburg genauso. „Die zwischenmenschlichen Kontakte bleiben halt auf der Strecke“ bedauert Fred Bayer, der einschneidende Änderungen durch die Corona-Erfahrungen auf die Arbeitswelt zukommen sieht: „Nicht zum Nachteil für den ländlichen Raum, nicht für die Ökologie.“ Die ersparten Kosten für ein Unternehmen bei weniger Geschäftsreisen oder reduzierten Büroflächen fließen zudem in die Gesamtbewertung ein.

Für Fred Bayer wartet im Home-Office schon der nächste Termin mit Indien. Anstelle eines Mehrtagestrips mit dem Flugzeug und Geschäftsessen, wird dies in einer zweistündigen Online-Konferenz von Dietersdorf aus erledigt. Dafür gibt's anschließend eine Brotzeit mit der Familie am heimischen Küchentisch.

Mathias Friese verbringt seit fast einem Jahr seine 37,5 Stunden Wochenarbeitszeit zuhause in Schönsee. Am heimischen Rechner hat er auf alles Zugriff, was er als Mediengestalter bei Witt braucht.
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