22.01.2020 - 17:13 Uhr
SchönseeOberpfalz

Zweiter Schritt für Seniorenheim Schönsee

Ein Investor plant in Schönsee ein Seniorenheim und Betreutes Wohnen. Alle Stadträte begrüßen das Projekt, aber die Aufstellung des Bebauungsplans erfolgt nicht einstimmig. Außerdem verringert sich die bebaubare Fläche.

Für den oberen Teil der Wiese zwischen der Dietersdorfer Straße und dem Biotop am Kurpark (unten) stellt die Stadt Schönsee den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Sondergebiet Seniorenbetreuung an der alten Säge“ auf.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Der Bau eines Seniorenzentrums durch einen niederbayerischen Investor war bereits im September 2019 Thema im Stadtrat. Damals stellte Geschäftsführer Josef Eglseder von der SWB Sonnenwohnbau GmbH aus Bad Birnbach und bereits auch die vorgesehenen Betreiber der Anlage, Gerda und Walter Duschner, das Konzept vor (siehe Infokasten). Die Verwaltung wurde daraufhin einstimmig beauftragt, die Vorarbeiten für das Projekt zu beginnen. Festgestellt wurde im Herbst auch, dass der Architekt des Bauträgers die detaillierte Planung erst startet, wenn die Stadt einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufgestellt hat.

Wir bekommen ein Seniorenheim, Tagespflege und Betreutes Wohnen ohne unser Zutun. Warum sollen wir abwarten?

Bürgermeisterin Birgit Höcherl

Vertagung abgelehnt

Dieser Punkt stand nun bei der ersten Sitzung im neuen Jahr auf der Tagesordnung: Mit 10:4 Stimmen beschloss der Stadtrat nach längerer Diskussion die Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans "Sondergebiet Seniorenbetreuung an der alten Säge" im beschleunigten Verfahren. Fünf FWG-Stadträte forderten mit einem Antrag zur Geschäftsordnung eine Vertagung. Sie wollten eine vorherige Bürgerbeteiligung mit Aufmaß (Schnurgerüst) am Gelände und dass der neue Stadtrat über das Projekt entscheidet. Der Antrag wurde mit 5:9 Stimmen abgelehnt.

"Ich bin überzeugt, wir haben einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan", bekräftigte Bürgermeisterin Birgit Höcherl, "wir bekommen ein Seniorenheim, Tagespflege und Betreutes Wohnen ohne unser Zutun. Warum sollen wir abwarten?" Und sie stellte klar: "Wir sind bis 30. April im Amt und haben das Projekt im August 2019 begonnen." Eine Bürgerversammlung zum Thema Seniorenheim sei in fünf bis sechs Wochen angedacht. Doch zurück zum Anfang der Sitzung. Wie mittlerweile üblich, herrschte im Zuhörerraum des Schönseer Sitzungssaales bedrückende Enge. Architekt Walter Edenhofer aus Pfarrkirchen informierte das Gremium, was seit der Projektvorstellung im September abgeklärt ist. Die damals vorgestellten drei Planungsalternativen für eine mögliche Bebauung (inclusive acht Parzellen für Wohnbebauung) der rund 15 000 Quadratmeter großen Wiese (hinter dem Grüngürtel an der Dietersdorfer Straße/Abzweigung Eslarn) haben sich erübrigt, nachdem festgestellt wurde, dass eine Teilfläche im Biotop liegt. Der Architekt präsentierte die Entwurfsplanung mit zwei eigenständigen Baukörpern für Pflegeheim und Betreutes Wohnen, vorgelagerten Parkplätzen sowie Erschließungsstraße. Zulässig sei eine dreigeschossige Bauweise (Höhe bis 10,50 Meter). Die neue Hauptzufahrt mit Sichtdreieck werde über die Dietersdorfer Straße erfolgen. Eine Besprechung am Landratsamt habe gezeigt, dass eine artenschutzrechtliche Prüfung erforderlich ist, wozu er bereits Schutzmaßnahmen für ein mögliches Vorkommen von Haselmaus & Co. auflistete.

Architekt Walter Edenhofer stellte die Baugrenzen für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan vor. Die zwei Baukörper (links Betreutes Wohnen, rechts Pflegeheim) können eine maximale Höhe von 10,50 Meter erreichen.

Grün-Puffer bleibt

Die Räte hatten vorab ein Geheft mit den Informationen erhalten. Reinhard Kreuzer sah die zweite Zufahrt an der alten Säge problematisch. Es wurde sich darauf verständigt, diese als untergeordnet (für Rettungsdienst usw.) auszuweisen. Der Architekt betonte, dass der bestehende Grün-Puffer als Schall- und Sichtschutz unangetastet bleibt. "Eine Aufpflockung wäre eine gute Sache, damit die Bürger sehen können, wie die Gebäude in der Fläche wirken", wandte sich Kreuzer an Geschäftsführer Eglseder. Und Josef Eibauer, der die Lage "charmant" für die Anlage bezeichnete, hatte drei Probleme mit dem Beschluss und zwar mit dem beschleunigtem Verfahren und den Baugrenzen ("Maße sollten am Plan genau ersichtlich sein"). Außerdem sollte die Stadt mit dem Investor vorher einen Durchführungsvertrag schließen.

"Die Bürger können während der Auslegungsfrist von vier Wochen Stellungnahmen abgeben", erklärte der Architekt. Das beschleunigte Verfahren bedeute, dass es eine und nicht zwei Auslegungen gibt. Wie Geschäftsstellenleiter Matthias Jeitner informierte, sei es erst der nächste Schritt, einen städtebaulichen Vertrag mit dem Investor zu schließen. Es sei üblich, dass erst Baurecht geschaffen wird und dann die Eingabeplanung (kostet rund 60 000 Euro) erstellt wird. "Das Risiko ist sonst zu groß, denn erst mit Baurecht wird die Wiese etwas wert", ergänzte Eglseder.

"Seniorenheim und Betreutes Wohnen sind für Schönsee wichtig, aber wir beeinträchtigen das Flair des Kurparks", sagte Stadtrat Thomas Schiller und forderte, die Bürger im Vorfeld einzubinden. "Wir wollen das besondere Flair für unsere ältere Bevölkerung zu einem Kleinod der intensivsten Art machen", erwiderte die Bürgermeisterin. Der Rundweg bleibe offen, denn man wolle ältere Bürger nicht abschotten. "Wir haben die einmalige Chance, ein sinnvolles Projekt auf den Weg zu bringen und sollten uns deshalb nicht verzetteln", betonte Birgit Höcherl vor der Abstimmung. Der nächste Schritt ist der Bauantrag im normalen Baugenehmigungsverfahren. "Sie behalten ihre Planungshoheit", bekräftigte der Architekt in Richtung Gremium.

Projektvorstellung:

Pflegeheim und Betreutes Wohnen

SWB-Geschäftsführer Josef Eglseder aus Bad Birnbach will in Schönsee investieren. Im "Sondergebiet Seniorenbetreuung an der alten Säge" plant er ein dreigeschossiges Pflegeheim mit 40 bis 46 Betten (überwiegend Einzelzimmer mit Balkon). Im Erdgeschoss ist eine Kapelle und eventuell eine Tagespflege-Einrichtung angedacht. Der Investor plant direkt daneben einen zweiten Baukörper für Betreutes Wohnen. Etwa zwölf abgeschlossene Wohnungen mit Balkon/Terrasse (47 bis 67 Quadratmeter) sollen in Nähe zum Keckenweiher, Kirche und Kindergarten entstehen. (ptr)

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