20.09.2021 - 15:54 Uhr
SchwandorfOberpfalz

25 Jahre Fernwärme in Schwandorf

Die Fernwärmeversorgung ist ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende für die Stadt Schwandorf. Darauf weist Zweite Bürgermeisterin Martina Englhardt-Kopf hin. Werksleiter Walter Zurek hat zum Jubiläum erstaunliche Zahlen parat.

Die Versorgungszentrale der Fernwärme Schwandorf Süd liegt gegenüber dem Krankenhaus St. Barbara. Ihre Fassade wurde von Künstler Markus Raab in den letzten Monaten aufwendig künstlerisch gestaltet.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Die Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung Schwandorf blickte in einem Festakt auf 25 Jahre "heiße“ Fernwärme in Schwandorf zurück, der auf dem Gelände der Versorgungszentrale Süd am Ende der Birkenlohstraße stattfand. Zweite Bürgermeisterin Martina Englhardt-Kopf erinnerte dabei an 13 schwierige und finanziell erfolglose Jahre zwischen 1983 und 1995, als die Fernwärme vom Bayernwerk abhängig war. Aber erst danach nahm dieses Versorgungsangebot wirtschaftlich, ausbaumäßig und auch vom öffentlichen Zuspruch her richtig Fahrt auf.

Denn mit dem Ende des Bayernwerks wurde der Müllzweckverband Lieferant der Wärme, die sich derzeit über eine 58 Kilometer lange Rohrleitung in viele Schulen und Kindergärten, Behörden, Firmen, Wohnheime und Privathäuser verteilt. „Fast 9000 Personen oder ein Drittel der Einwohner Schwandorfs kommen in den Genuss der Fernwärme,“ ergänzte Walter Zurek, Werksleiter der Städtischen Wasser- und Fernwärmeversorgung. „Und damit,“ so Zurek, „sind wir ein harter Standortvorteil für Schwandorf“.

Anfangs nur 19 Abnehmer

Mitte der Neunziger kam es zu einem Konsens mit dem Zweckverband zur Müllverwertung Schwandorf: Am 21. Juni 1995 haben der damalige Verbandsvorsitzende Rupert Schmid und Oberbürgermeister Hans Kraus die Vereinbarung zur Lieferung einer stetigen Wärmeversorgung von bis zu 130 Grad Celsius und einer Leistung von 18 000 KW unterzeichnet. Insgesamt wurden in Schwandorf rund 5200 Meter Fernwärmetrasse neu verlegt. Aus dem Bestand konnten nur noch 2700 Meter weiter verwendet werden.

Am 15. September 1996 begann der Probebetrieb zur Lieferung kontinuierlicher Wärme an die Städtische Fernwärmeversorgung zur Verteilung an die vorhandenen 19 Abnehmer. „Anfangs,“ so wusste die Zweite Bürgermeisterin, „legte die politische und geschäftliche Führung den Fokus darauf, Anschließer zu erreichen“. Eine Kosten-Nutzen-Analyse wurde in dieser Investitionszeit nicht so streng betrachtet, da die Einsparung und Substitution fossiler Brennstoffe das vordringliche Ziel war. „Ökologie und Ökonomie müssen aber in Einklang sein, damit langfristige positive Entwicklungen möglich sind“, versicherte Englhardt-Kopf.

Skepsis der Bevölkerung

Die Führung, insbesondere die politische Führung, hatte 1995 eingesehen, dass die Fernwärmeversorgung nicht so nebenbei von den Kollegen der Wasserversorgung betreut werden kann, sondern personelle Verstärkung bezüglich Ausbildung und Quantität erforderlich ist. Die SWFS (Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung) begann ab dem Jahr 2000 mit der eigenen Projektierung von Fernwärmenetzerweiterungen, einschließlich Materialbeschaffung, teilweise Rohstrangbauten in Eigenregie und Bauleitung. Lediglich die Planungen und Ausführungen von Tiefbaumaßnahmen waren und sind reine externe Dienstleistungen.

Die folgenden Jahre im Vertrieb der Fernwärmeversorgung waren sehr schwierig, weil laut Englhardt-Kopf die Skepsis gegenüber einer zentralen, ortsansässigen Versorgung groß war.

Ruf verbessert sich stetig

Die Preisentwicklungen der anderen Energieträger in den Jahren ab 2000, die zuverlässige Wärmelieferung durch den Zweckverband Müllverwertung Schwandorf, die stetige Verbesserung der Wärmeverteilung und schnelle Beseitigung von Kundenproblemen „haben zu einem guten Ruf der Fernwärmeversorgung Schwandorf geführt, der bis jetzt stetig verbessert hat“.

Werkausschuss der Stadt Schwandorf beschloss eine Preiserhöhung.

Schwandorf

Insgesamt konnte die Fernwärmeversorgung bis zum heutigen Tage staatliche Zuschüsse in Höhe von 3,57 Millionen Euro in Anspruch nehmen, davon wurden 558 000 Euro an die Fernwärmekunden weitergereicht. Von den Kunden der 856 Abnahmestellen zum Jahresende 2020 hat die Fernwärmeversorgung Zuschüsse von 2,3 Millionen Euro erhalten. Das Wärmeverteilungsnetz wurde massiv ausgebaut. War Ende 1996 eine Fernwärmenetztrasse von knapp acht Kilometern in Betrieb, so waren es ein Vierteljahrhundert später 58,5 Kilometer. Es wurden in Leitungen und Versorgungszentralen 28,41 Millionen Euro investiert. 1,4 Millionen Euro an Altschulden der kalten Fernwärme wurden an die Stadt zurück bezahlt und bisher 863 000 Euro für die Erweiterungen der Fernwärmeauskoppelung im Müllheizkraftwerk erstattet.

Unter den zehn Größten

„Die Städtische Fernwärmeversorgung erwirtschaftet seit Jahren Gewinne, gerade wegen günstiger und stabiler Fernwärmepreise für unsere Kunden, dank dem relativ günstigen Bezug beim Zweckverband Müllverwertung Schwandorf, den staatlichen Förderungen und dem Fleiß und der Kreativität der Mitarbeiter der SWFS mit ihren Dienstleistern,“ freute sich die Zweite Bürgermeisterin.

Nachdem allein im Jahr 2020 die Verbrennung von fossilen Energieträgern in der Größenordnung von 7,8 Millionen Litern Heizöl ersetzt wurde, ist für Englhardt-Kopf völlig klar, dass „die Fernwärmeversorgung Schwandorf ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende für die Stadt Schwandorf ist“. Überdies befinde sich das Schwandorfer Fernwärmenetz aufgrund seiner Trassenlänge von fast 60 Kilometer und einer Kundenanschlussleistung über 46 000 KW unter den zehn größten in Bayern.

Künstler für die Fassade

Auch ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll stieß in die Hörner von Ökologie und Ökonomie. Nach seiner Berechnung wurden durch die Fernwärme in den letzten 25 Jahren 116 Millionen Liter Heizöl eingespart: „Geld, das nicht den Saudis zugute kam, sondern hier blieb.“

Künstler Markus Raab erläutert im Anschluss seine Werke an der Fassade des Industriebaues. Die hatte der 44-Jährige in den letzten Monaten angefertigt.

Hintergrund:

25 Jahre "heiße" Fernwärme in Schwandorf

  • 1983 hat sich der Stadtrat für ein Pilotprojekt zur Nutzung der Abwärme aus den Kühltürmen des damaligen Bayernwerks ausgesprochen.
  • 1995 Vereinbarung von Stadt Schwandorf und Zweckverband zur Müllverwertung Schwandorf zur Lieferung einer stetigen Wärmeversorgung
  • 1996 Probebetrieb zur Lieferung kontinuierlicher Wärme an die Städtische Fernwärmeversorgung zur Verteilung an die vorhandenen 19 Abnehmer.
  • 2021 Das Schwandorfer Fernwärmenetz ist aufgrund seiner Trassenlänge von fast 60 Kilometer und einer Kundenanschlussleistung über 46 000 KW unter den zehn größten in Bayern.

„Ökologie und Ökonomie müssen in Einklang sein, damit positive Entwicklungen möglich sind“.

Zweite Bürgermeisterin Martina Englhardt-Kopf

Zweite Bürgermeisterin Martina Englhardt-Kopf

„Durch die Schwandorfer Fernwärme wurden in den letzten 25 Jahren 116 Millionen Liter Heizöl eingespart“.

ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll

ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll

„Fast 9000 Personen oder ein Drittel der Einwohner Schwandorfs kommen in den Genuss der Fernwärme“.

Walter Zurek, Werksleiter Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung

Walter Zurek, Werksleiter Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung

 

 

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