20.11.2020 - 17:11 Uhr
SchwandorfOberpfalz

40-Jähriger vor Gericht: Ehefrau geschlagen und getreten

Der Ehemann will mit den Kindern zurück nach Syrien. Die Ehefrau sucht das zu verhindern. Der Streit eskaliert, der Mann schlägt zu und tritt seine Frau. Vor dem Schwandorfer Amtsgericht ist dennoch von Versöhnung die Rede.

Ein Mann droht einer Frau mit der Faust. Dabei blieb es im Sommer 2019 nicht. Ein 40-Jähriger trat seiner gleichaltrigen Frau sogar gegen den Kopf. Die zeigte ihn an.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Bei der 40-jährigen Mutter schrillen die Alarmglocken, als sie ein Telefongespräch mithört. Ihr gleichaltriger Mann, mit dem sie im Landkreis Schwandorf in einer Mietwohnung lebt, will zurück in die Heimat, die Kinder gleichsam entführen. Die Syrerin schnappt sich die Pässe, eilt in den Keller. Sie will die Dokumente verstecken. Ihr Mann holt sie im Treppenhaus ein, schlägt und tritt auf die am Boden Liegende ein. Die Vermieter im Erdgeschoss helfen der verletzten Frau und holen die Polizei. Was sich im Sommer 2019 in einem Mietshaus abspielte, fand am Donnerstag seine Fortsetzung vor Gericht.

"Ich weiß, dass die deutschen Gesetze auf der Seite der Frau stehen", sagte der 40-jährige Syrer vor Strafrichterin Jennifer Jäger. Vor ihr musste er sich wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung verantworten. Die Schläge ins Gesicht seiner Frau gab er zu. Getreten habe er sie nicht, ebenso wenig mit dem Tode bedroht. Mit dem Grund für den Streit wollte der Mann nicht herausrücken. Das sei privat, auch wolle er sich mit seiner Frau versöhnen.

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Das wird so schnell nicht geschehen, stellte seine Frau klar, die seit der Tat weiter mit den Kindern in der Wohnung lebt. Ihrem Ehemann hat die Polizei ein Kontaktverbot erteilt. Auch wenn die Frau eine Versöhnung "später einmal" nicht ausschließt, beschrieb sie ihr Martyrium so genau wie unaufgeregt. Das Telefonat, den Streit im Hausflur, die beiden Watschen, dann sei sie zu Boden gegangen. Es folgten zwei oder drei Tritte an den Kopf. In ihrer Not flüchtete sich die Mutter mit den drei Kindern nach den Prügeln zu den Vermietern, die mit im Haus leben.

"Ich hab den Mann nach oben gebracht und ihn beruhigt", berichtete der Vermieter, "und ihm klar gemacht, dass das so nicht geht." Dass es nicht die ersten Schwierigkeiten bei den Nachbarn waren, brachte die Vermieterin auf den Tisch: Die Syrerin habe schon vorher einmal Hilfe im Frauenhaus gesucht. Nach seinem Rauswurf durch die Polizei nach der Tat zog der Mann zu einem Freund. Das Kontaktverbot hält er ein, seit ein paar Monaten darf er die Kinder einmal in der Woche besuchen.

Die Frau hatte Glück im Unglück, kam mit einer Kieferprellung davon, wie ein Arzt im Schwandorfer Krankenhaus attestierte. An einer Verurteilung des Mannes wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung führte für Staatsanwalt Jakob Uhlik kein Weg vorbei. Er forderte ein Jahr Haft, ausgesetzt zur Bewährung. Die Bedrohung und die Schläge sah auch Richterin Jennifer Jäger als bewiesen an, ebenso die Tritte: "Das ist für eine Geschädigte nicht nur besonders gefährlich, sondern auch besonders demütigend." Sie verurteilte den 40-Jährigen zu neun Monaten Haft, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Außerdem muss er 1000 Euro Geldauflage in Raten abstottern.

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