28.10.2020 - 09:19 Uhr
SchwandorfOberpfalz

AKW-Abfall in Schwandorf: BN nennt Praxis "kritikwürdig"

Der Bund Naturschutz will weiterhin verhindern, dass "freigemessener" Abfall aus Atomkraftwerken im Schwandorfer Müllkraftwerk verbrannt wird. Die BN-Kreisgruppe nennt die Praxis "kritikwürdig".

"Die heute von den Atomkraftwerk-Betreibern eingesetzten Verfahren beim Rückbau sind leider legal, erfüllen aber nicht das Minimierungsgebot, sondern orientieren sich an den Betreiberinteressen", betont Klaus Pöhler vom Bund Naturschutz. Der BN lehnt die Verbrennung frei gemessenen AKW-Abfalls im Müllkraftwerk Schwandorf ab.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

"Die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Schwandorf bedauert, dass im Ausschuss für Kreisentwicklung, Umweltschutz und Touristik des Landkreises Schwandorf die Anträge zur Verhinderung der Verbrennung von ,freigemessenen‘ Abfällen aus dem Rückbau von Kernkraftwerken abgelehnt wurden", schreibt der Vorsitzende der Kreisgruppe, Klaus Pöhler. Er verweist auf das novellierte Strahlenschutzgesetz, das klar vorschreibe, "dass die Bevölkerung optimal vor radioaktiver Strahlung geschützt werden muss“. Es gelte das Minimierungsgebot.

"Willkürliche Grenze"

"Die heute von den Atomkraftwerk-Betreibern eingesetzten Verfahren beim Rückbau sind leider legal, erfüllen aber nicht das Minimierungsgebot, sondern orientieren sich an den Betreiberinteressen", betont Pöhler. Das führe heute dazu, dass Materialien aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Grafenrheinfeld in der Müllverbrennungsanlage des Landkreises Schwandorf in der Oberpfalz verbrannt werden, "ohne dass die Bevölkerung hierzu informiert wurde". Medizinische Untersuchungen zeigen laut Pöhler: "Jede radioaktive Strahlung belastet uns gesundheitlich, es gibt keine untere Grenze für schädliche Wirkungen."

Die Debatte um AKW-Abfall im Ausschuss:

Schwandorf

Das „10 µSv Konzept“ – also der aktuell gesetzte Grenzwert – setze eine rein willkürliche Grenze für die Strahlenbelastung der Bevölkerung fest. "Man hätte auch 1 oder 100 µSv nehmen können. Der Grenzwert ist nicht begründet und nicht aus dem Vorsorgeprinzip abgeleitet, sondern verfolgt das Ziel, möglichst viel radioaktiv belastetes Material frei zu messen, um so Kosten für eine anderweitige Lagerung zu sparen", so Pöhler. Die Grenzwerte stammen nach seinen Angaben aus der 1980er-Jahren, die Fachwelt komme mittlerweile zu ganz anderen Ergebnissen. Der Grenzwert müsse deshalb weiter gesenkt werden. "Einen zu vernachlässigenden Bereich der Strahlenbelastung gibt es also damit nicht." Eine Verbrennung solcher Materialien in Anlagen, denen in "unabhängigen Gutachten" nicht bestätigt werden könne, dass dabei keinerlei radioaktive Partikel in die Abluft entweichen können, lehne der BN deshalb strikt ab, so Pöhler weiter. 

Verteilung stoppen

Der BN fordert stattdessen eine Verwahrung an sicheren und bekannten Orten und klare Transparenz, was in welcher Zusammensetzung, in welchen Mengen und unter welchen Bedingungen gelagert wird. "Die Praxis des Freimessens und der Freigabe von gering radioaktiv belastetem Rückbaumaterial aus AKW ist überaus kritikwürdig. Der BN fordert, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Bevölkerung vor gesundheitlichen und genetischen Schädigungen zu schützen und diese Art der Verteilung von radioaktiv belastetem Material in die Umwelt zu stoppen", so Klaus Pöhler.

Die Regelungen zum "Freimessen" indes wird der Schwandorfer Kreistag nicht ändern können. Das wäre Sache des Bundestags. Die Anträge im Kreisenwicklungsausschuss hatten darauf gezielt, die Verbrennung in Schwandorf möglichst zu verhindern. Vor allem deshalb, weil das AKW Grafenrheinfeld nicht im Verbandsgebiet liegt.

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