24.07.2020 - 16:59 Uhr
SchwandorfOberpfalz

"Alles top" für Animateur am Goldstrand

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Zumba, Wassergymnastik und immer gute Laune: Alessandro Goldhacker hat damit kein Problem. Schon mit 15 hat sich der Schwandorfer für den Job als Animateur qualifiziert. In diesem Corona-Sommer profitiert Bulgarien von seinem Talent.

Als Animateur muss Alessandro Goldhacker (links) immer gut drauf sein. Aktuell sorgt der Tourismus-Kaufmann er an der Schwarzmeerküste in Bulgarien für Spaß und Unterhaltung und lässt sich dabei auch von der Corona-Pandemie nicht entmutigen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Es ist heiß, die Sonne brennt herab auf die Pool-Landschaft an der Schwarzmeerküste Bulgariens. Alessandro Goldhacker raubt das nicht die Energie, im Gegenteil: Der Job als Animateur am Goldstrand von Bulgarien ist für ihn nicht schweißtreibende Arbeit, sondern der perfekte Urlaub, Spaßfaktor inklusive. Gerade erst hat der 19-Jährige aus Schwandorf seine Ausbildung als Tourismus-Kaufmann am Nürnberger Flughafen abgeschlossen, da kommt ihm ein Jahresurlaub im Zweitjob gerade recht. Jetzt hofft er nur, dass die Infektionszahlen an den Touristenorten am Schwarzen Meer auch weiterhin niedrig bleiben.

"Im Moment sind wir nicht überflutet, haben aber dennoch sehr viele Gäste, vor allem aus Deutschland, Polen und Frankreich", berichtet der junge Mann, der inzwischen bei der Entertainment-Firma "Fun and Sun Ltd." zum Chef-Animateur aufgestiegen ist. "Alles top, keine Kurzarbeit", meldet er von seinem Arbeitsplatz. Aktuell seien die Infektionszahlen niedrig, in geschlossenen Räumen gelte die Pflicht zum Mund-Nase-Schutz. Begrenzte Teilnehmerzahlen, Mindestabstand und Open-Air-Veranstaltungen sind nun ein Muss. Ob Tischtennisschläger oder Boccia-Ball, alles wird gründlich desinfiziert. "Die Touristen halten sich alle an die geltenden Regeln", erzählt der Schwandorfer. Er berichtet aber auch von vielen Hotels, die wegen der Pandemie geschlossen sind oder nur zu 60 Prozent ausgelastet werden dürfen. Viele Einheimische hätten durch massenhaften Stellenabbau in der Branche ihren Job verloren. Es bleibt ein Zustand zwischen Hoffen auf viele Buchungen im August und Bangen vor neuen Einschränkungen oder einem zweiten Lockdown. "Aber ich bin ziemlich optimistisch und gehe von einem guten Sommer 2021 aus", so Goldhacker.

Alles begann in der Türkei

Sein Faible für diese ganz spezielle Form des "Urlaubs" hat der Schwandorfer schon vor fünf Jahren als Teenager bei einem Aufenthalt in der Türkei entdeckt. Mit 15 mischte er zum erstem Mal mit in der Club-Szene mit, damals noch in den Schulferien und mit elterlicher Vollmacht. "Das steckt bei mir im Blut", ist der inzwischen 19-Jährige überzeugt. Die Eltern sind da aber nicht schuld, die Mutter ist Kinderkrankenschwester, der Vater arbeitet bei der Bundespolizei. Vom ersten Moment an war der Schwandorfer Feuer und Flamme für den Job in der Sonne, der meist Teil eines All-inklusive-Pakets ist.

Sein Tag beginnt um 9.30 Uhr mit einem Meeting für das Team, eine halbe Stunde später ist es vorbei mit der Ruhe, dann steht der Clubtanz am Pool an. Es folgen Aktivitäten wie Zumba und Wassergymnastik. Das ist der Teil, der Alessandro Goldhacker am meisten behagt, die abendlichen Showtänze oder Choreographien zu Musicals findet er schon etwas schwieriger. Für die nicht ganz so aktiven Gäste gibt es außerdem Dart. Mittags stehen dann "Cocktail-Spiele" im Pool an, laut Goldhacker das "Highlight des Tages". Nochmals Clubtanz, dann ist Mittagspause bis zu den Nachmittags-Aktivitäten um 16 Uhr, Feierabend hat das Bespaßungs-Team aber noch lange nicht. Um 20 Uhr beginnt der Endspurt mit Mini-Disco für die kleinen Gäste. Anschließend ist Showtime mit Tanz, Party oder Quiz. Feierabend ist so gegen 22.30 Uhr.

"Aber eigentlich muss man 24 Stunden am Tag ansprechbar sein", hat der Schwandorfer festgestellt: Kontakte knüpfen und auch mal Beschwerden entgegen nehmen, selbst dann, wenn sie das Zimmer statt das Programm betreffen. Für ihn sei es ein Traumjob, den er da in der Sonne und am Strand gefunden habe. "Man sollte ihn aber definitiv nicht unterschätzen, es ist trotzdem ein harter Job", stellt er klar. "Egal bei welcher Laune, man muss immer gut drauf sein und die Gäste unterhalten." Freilich werde man auch entsprechend geschult, berichtet der 19-Jährige, der inzwischen bei der Einstellung von Neulingen, dem "Recruiting", mitreden darf. Dass mal einer unter den Gästen ist, der seine Anstrengungen gezielt torpediert, das komme gar nicht vor. "Die Leute buchen ihren Urlaub gezielt, weil sie Animation möchten."

In Deutschland auch möglich?

Drei Monate hat Alessandro Goldhacker heuer für den Job am Schwarzen Meer dank Kurzarbeit im Hauptberuf herausschlagen können, und noch spürt er als Fitness-Fan keine Spur von Müdigkeit. "Wo nimmst du nur die Energie her?", wird der Schwandorfer von den Freunden daheim gefragt. Klar, sei das auch eine Frage des Alters, weiß der 19-Jährige, dabei gebe es durchaus auch "ältere" Mitarbeiter in der Branche, 30- oder gar 35-Jährige. Hin und wieder liebäugelt er selbst damit, den Sommer-Job zum Hauptberuf zu machen, möglicherweise als Koordinator und mit eigenen Anteilen an der Firma. Sogar Pläne für eine Expansion hegt er in seiner vierten Saison als Animateur. "Man könnte versuchen, mit diesem Modell nach Deutschland zu gehen", überlegt er, "ich habe schon mal den Steinberger See ins Gespräch gebracht".

Für mich ist das ein Traumjob. Man sollte ihn aber definitiv nicht unterschätzen, es ist trotzdem ein harter Job

Alessandro Goldhacker über seine Arbeit als Animateur

Alessandro Goldhacker über seine Arbeit als Animateur

Urlaub trotz Pandemie:

Deutschland und die Welt
Hintergrund:

"Fun and Sun Ltd.", der Arbeitgeber von Alessandro Goldhacker, ist nach Einschätzung des 19-Jährigen die größte Entertainment Company in Bulgarien. Die Mitarbeiter sind in rund 50 Hotels an der Schwarzmeerküste engagiert, außerdem in 10 Hotels am Roten Meer in Hurghada (Ägypten). Wer sich für einen Job als Animateur interessiert, braucht meist keine spezielle Ausbildung, Erfahrungen in der Tourismusbranche sind aber von Vorteil. "Englisch ist auf jeden Fall ein Muss", berichtet Goldhacker über die Einstellungskriterien, jede weitere Fremdsprache ein Plus. Der Schwandorfer kann da beispielsweise Ungarisch vorweisen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.