23.11.2018 - 14:31 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Alles Walzer, Rebecca!

Die Schwandorferin heißt mit Familiennamen Walzer. Wenn das kein gutes Omen für den Tanzsport ist. Die junge Linedancerin ist Deutsche Meisterin. Dafür musste die 16-Jährige nicht nur viele Tanzschritte, sondern auch Lächeln lernen.

von Irma Held Kontakt Profil

Und dieses Lächeln hat Rebecca Walzer inzwischen genauso perfekt an- und eingeübt wie die Schrittfolgen. „Ich schau’ im Training meist ernst, auf der Bühne funktioniert das Lächeln aber.“ Diese Verwandlung vollzieht sich inzwischen automatisch mit dem Anziehen der verschiedenen Tanzkleider. Wer denkt Linedance, das ist Country-Stil mit Stampfen, Springen, Klatschen hat schon einmal weit gefehlt. Vier mal zwei Minuten dauert jeder Meisterschaftsauftritt in den Kategorien, Walzer, Polka, Cha Cha Cha und Nightclub.

Von rustikalen Einlagen purer Lebensfreude kann keine Rede sein. Aufreizende Hüftschwünge, grazile Bewegungen, sanfte Drehungen, schmachtende Blicke und bei der Polka ein Röckchen, das fließend mitschwingt, das ist moderner Linedance. Nur die obligatorischen Westernstiefel, auch wenn sie nicht unbedingt passend zum eleganten Charleston-Kleid sind, erinnern an den Ursprung dieser Tanzrichtung.

Rebecca zeigt die einzelnen Tänze in den heimischen Wohnräumen. Neben der Trainingsbühne in Wackersdorf muss schon mal Omas Wäschekeller zum Üben herhalten. „Notfalls geht es auch in meinem Zimmer.“ Sie erklärt: „Die meisten Tänze haben acht Counts und dann beginnt die Schrittfolge von vorne. Nur beim Walzer wird 1,2,3,4,5,6 gezählt.“ Sie gleitet über den Tanzboden, als wär das alles ein Kinderspiel, ist es aber nicht. Es ist anstrengend. Die Mühe ist jedoch gut versteckt hinter einem Dauerlächeln. Stoppt die Musik und Tänzerin Rebecca verwandelt sich zurück in den Teenager sind die körperliche Anstrengung und höchste Konzentration in einem schnellen Atmen hörbar.

Kleiderordnung

„Irgendwann hat man das alles im Kopf. Anfangs ist es schwer, sich das zu merken, aber es sind auch viele Basics dabei.“ Eine Art Kleiderordnung verlangt für den Walzer ein langes Kleid zum Beispiel, keine nabelfreie oder bauchfreie Bekleidung, Träger mindestens einen Zentimeter breit. Da werden dann von Oma oder Mama, die Spaghettiträger mit aufgenähten Blumen oder Samtbändern verbreitert. Das Tanzoutfit kommt aus Shanghai, der Kosten wegen. Rebeccas Familie investiert einiges in den Sport. Als die Schülerin im Oktober Deutsche Meisterin Newcomer wurde waren zwei Wettbewerbstage im thüringischen Meiningen angesetzt. Die Fans aus der Familie kamen natürlich mit.

Angefangen hat Rebecca Walzer 2013 mit Linedance. Eine Freundin animierte sie dazu. Jene hat längst aufgehört, Rebecca sich zur Turniersportlerin entwickelt. Bei Einzelwettbewerben steht sie mit allen Teilnehmerinnen ihrer Altersklasse in Lines, zu sechst etwa – eine Reihe vorne, eine dahinter – auf der Tanzfläche. Die drei Preisrichter bewerten aber jede einzeln. „Ich bin so konzentriert, wenn andere falsch tanzen, merke ich das nicht.“ Die meisten ihrer Konkurrentinnen kennt Rebecca inzwischen. „Auf der Tanzfläche sind wir Gegner, in der Kabine helfen wir uns gegenseitig.“

Aufbrezeln lohnt sich

Sind die Schritte perfekt gesetzt, kann in einer Konkurrenz, der Gesamteindruck zum entscheidenden Kriterium werden. „Aufbrezeln macht schon was aus“, kommentiert Rebecca. Vier Tänze werden gezeigt, das schlechteste Resultat wird gestrichen. Die Schwandorferin mag es, wenn die Konkurrenz hart und dicht beieinander ist. „Dann werden die Wertungen besser.“ Zur Zeit trainiert sie nur einmal pro Woche, aber zwei Trainingseinheiten sind üblich, vor Wettbewerben – die Choreographie ist vom Verband vorgegeben – sind es drei. Auch Einzelunterricht ist dann Standard. Eineinhalb Stunden vergehen dabei wie im Flug. „Ein Schritt wird so oft wiederholt, bis er sitzt. Ob da 20 Wiederholungen reichen ist fraglich.“ Eine ganz besondere Einzelstunde war bisher „das Highlight“ für die 16-Jährige, Profi Daniel Trepat gab ihr Tanzunterricht. „Er hat viel auf Technik geachtet.“ „Ursprünglich“, plaudert Rebeccas Mutter Sabine aus dem Nähkästchen, „wollte sie mal aufhören, wenn sie Deutsche Meisterin ist“. Davon will Rebecca jetzt nichts mehr wissen. Die Mission Titelverteidigung läuft.

Ich bin so konzentriert, wenn andere falsch tanzen, merke ich das nicht.

Rebecca Walzer

Linedance:

Rebecca Walzer ist Mitglied der Luckyliners Wackersdorf. Der Country- und Western-Tanzsportverein orientiert sich nicht an einer bestimmten Musikrichtung. Getanzt wird auf jede Musik. Regelmäßig nehmen Einzeltänzer oder Teams an Wettbewerben teil. Trainiert wird montags im Mehrgenerationenhaus Wackersdorf an der Hauptstraße 15: 17.30 bis 18.30 Uhr Kids/Anfänger; 18.30 bis 19.30 Uhr Teens/Fortgeschrittene und 19.30 bis 20.30 Uhr Erwachsene Fortgeschrittene, Breiten- und Turniersport. Ebenfalls montags treffen sich im Schützenheim Schwandorf, Restaurant Olympia, Wackersdorfer Straße 75a, von 18 bis 19 Uhr Erwachsene und Anfänger. Donnerstags trainieren im Schützenheim Schwandorf von19.30 bis 21 Uhr Erwachsene Fortgeschrittene, Freizeit- und Breitensportler.

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