Schwandorf
18.12.2020 - 19:36 Uhr
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Angst vor "Lockdown" im Hühnerhof: Schwandorfer Veterinäramt rechnet mit Vogelgrippe

Tote Wildvögel sind eine erste Warnung: Die Geflügelpest könnte schon bald manchen Hühnerhof zum "Lockdown" im Stall zwingen. Als "besorgniserregend" stuft das Schwandorfer Veterinäramt eine Reihe von Hinweisen ein.

Tausende Gänse, Enten und andere Vögel sind im November tot an der Westküste Schleswig-Holsteins aufgefunden worden. Auch in Passau wurde die Geflügelpest schon nachgewiesen. Beim Schwandorfer Veterinäramt befürchtet man, dass das Virus bald den Landkreis erreichen könnte. Archivbild: Christian Charisius/dpa
Tausende Gänse, Enten und andere Vögel sind im November tot an der Westküste Schleswig-Holsteins aufgefunden worden. Auch in Passau wurde die Geflügelpest schon nachgewiesen. Beim Schwandorfer Veterinäramt befürchtet man, dass das Virus bald den Landkreis erreichen könnte.

"Schon Ende Oktober gab es zahlreiche tote Vögel an der Ostseeküste", berichtet Dr. Josef König vom Schwandorfer Veterinäramt. Die Fachleute schlugen Alarm: Bei den Tieren wurde das Vogelgrippe-Virus nachgewiesen, bekannt auch unter dem Namen Geflügelpest. "Acht bis zehn Hausgeflügelbestände mussten dort schon gekeult werden", so der Tiermediziner. Und die Gefahr rückt näher: Auch in Passau wurde das Virus bereits identifiziert. "Das war kein Vogel, der tot aufgefunden wurde, den hat ein Jäger geschossen", weiß König, für den damit trotzdem klar ist, dass längst weitere gefiederte Wildtiere infiziert sind. "Es ist sehr stark anzunehmen, dass die Geflügelpest auch zu uns kommt – wenn sie nicht schon da ist", sagt der Fachmann. Jeden Tag würden neue Meldungen eintreffen.

Zeitpunkt alarmierend

"Verwunderlich ist vor allem, dass das Virus jetzt schon da ist", seufzt König. Denn eigentlich breite es sich erst so richtig aus, wenn es sehr kalt wird. "Das ist ein Influenza-Virus, wie bei den Menschen auch, fühlt es sich bei Kälte wohler." Den speziellen Typus, der nun im Anmarsch ist, kennt man bereits. Es handelt sich um das Influenza-A-Virus "H5N8". "Es ist der selbe Typ wie vor drei Jahren", informiert der Tiermediziner. Wie schon damals, kann die Medizin dagegen wenig ausrichten. "Wir können nichts machen, nur verhindern, dass das Virus auf Hausgeflügel übergreift." Allein im Wild- und Freizeitpark Höllohe bei Teublitz mussten damals 200 Tiere getötet werden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Vogelgrippe uns trifft, ist relativ groß. Ich will hier nicht schwarzmalen, aber mein Optimismus hält sich in Grenzen.

Dr. Josef König, Leiter des Schwandorfer Veterinäramts

Dr. Josef König, Leiter des Schwandorfer Veterinäramts

Aktuell läuft in allen Landkreisen ein Monitoring: Jäger bringen Proben von Wildvögeln, die Aufschluss darüber geben, wie verbreitet das Virus bereits ist. "Die Wahrscheinlichkeit, dass die Vogelgrippe uns trifft, ist relativ groß", sagt König. "Ich will hier nicht schwarzmalen aber mein Optimismus hält sich in Grenzen." Die Aufstallung, also die Haltung von Geflügel in geschlossenen Ställen, wird dann per Allgemeinverfügung als erste Maßnahme angeordnet. "Das ist für etliche Geflügelzüchter schon schwierig und auch eine Belastung für die Tiere", bedauert der Leiter des Veterinäramts.

Mit dem großen Auslauf ist es dann vorbei. Seitenwände mit Maschengrößen kleiner als 25 Millimeter sollten dann das Geflügel vor ungebetenen Besuchern schützen. "Die Abdeckung oben muss aber keine Plane mehr sein", so der Fachmann über neue Erkenntnisse. Denn es gehe hauptsächlich darum zu verhindern, dass sich Wildvögel an Trinkwasser oder an den Futterstellen von Gänsen oder Hühnern bedienen und so das Virus verbreiten.

Tritt das Virus in einem Zuchtbetrieb auf, gibt es nur eine Lösung: Alle Tiere müssen gekeult werden. "Bei 5000 bis 20.000 Tieren ist das existenzgefährdend", sagt König. Er weiß auch um den Konflikt, der im Falle einer Aufstallungspflicht zwischen Hobby-Tierhaltern und ihren professionellen Kollegen entbrennt. Vor drei Jahren habe es jede Menge Anrufe von Leuten gegeben, die mit der Verordnung haderten. "Wir sind doch nicht die Großen", hatten diejenigen argumentiert, die nur für den Eigenverbrauch ein paar Hühner hielten. Doch auch für sie gab es kein Pardon. "Je mehr Orte es gibt, an denen Geflügel gehalten wird, desto größer ist das Risiko", kalkuliert der Veterinärmediziner mit Blick auf den Trend zum eigenen Eier-Lieferanten. Tückisch ist das Virus aus deshalb, weil infizierte Wasservögel nicht unbedingt verenden. "Die Hennen fallen tot um, die Enten nicht", so König.

Sorge wegen Pandemie

Bleibt noch die Sorge, dass die Vogelgrippe irgendwann auch auf den Menschen übergehen könnte, also ein Typ entsteht, der humanpathogen ist. "Wir sind da sehr wachsam", erklärt der Tiermediziner, "auch hier muss man immer eine Pandemie im Blick haben".

Konsequenzen aus der Vogelgrippe vor drei Jahren

Hintergrund:

Tierseuche mit Anzeigepflicht

Die Geflügelpest wird auch als Vogelgrippe bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine durch Viren hervorgerufene anzeigepflichtige Tierseuche. Hühner, Gänse, Enten, Puten, wildlebende Wasservögel und im Prinzip alle Vögel können davon betroffen sein, einige Arten gelten aber auch lediglich als Überträger. Je nach Virus-Typ und Tierart ist eine Infektion tödlich, eine Übertragung auf Säugetiere wurde bislang nur vereinzelt beobachtet.

  • Infektionswege: durch Tröpfcheninfektion über die eingeatmete Luft oder über Kotpartikel. Nach bisherigen Erkenntnissen ist eine Übertragung über durchgegarte Geflügel- und andere Fleischprodukte ausgeschlossen.
  • Symptome: schwache Tier mit Fieber, Atemproblemen, Ödeme, Blauverfärbung der Haut und der Schleimhäute, Durchfall und Störungen der Motorik. Ein gewisser Prozentsatz der Tiere kann sterben, bevor Symptome auftreten, je nach Virustyp gibt es auch einen chronischen Verlauf.
  • Bekämpfung: Basis dafür ist in Deutschland das Tierseuchengesetzes und die Geflügelpest-Verordnung, die im Oktober 2007 grundlegend neu gefasst wurde.
Möglicherweise sind die Tage einer solchen glücklichen Hühnerschar mit viel Freiland gezählt. Fachleute rechnen damit, dass die Vogelgrippe im Anmarsch ist. Archivbild: dob
Möglicherweise sind die Tage einer solchen glücklichen Hühnerschar mit viel Freiland gezählt. Fachleute rechnen damit, dass die Vogelgrippe im Anmarsch ist.
Noch sind diese Hühner munter draußen auf der Wiese unterwegs. Kommt die Aufstallungspflicht, ist des mit der großen Freiheit vorbei. Symbolbild: Petra Hartl
Noch sind diese Hühner munter draußen auf der Wiese unterwegs. Kommt die Aufstallungspflicht, ist des mit der großen Freiheit vorbei.
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