23.12.2020 - 14:45 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Anna Maria Sturm hat den Schritt aus Berlin zurück in die Oberpfalz gewagt

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Die Rosenmüller-Filme und "Wackersdorf": Anna Maria Sturm ist eine gefragte Schauspielerin. Sie hat Jahre lang in Berlin gewohnt. Nun lebt sie wieder in der Oberpfalz. Bei einem Spaziergang spricht sie über Heimat, Frankreich und Atommüll.

Anna Maria Sturm genießt die Ruhe am winterlichen Murner See.
von Eva WagnerProfil

Ein Spaziergang am Murner See. „Ganz schön erwachsen geworden, die Kati“, kommt einem wohl in den Sinn, wenn man Anna Maria Sturm heute trifft. Kein Wunder, schließlich liegt ihre Rolle als Kati in Marcus H. Rosenmüllers Film „Beste Zeit“ auch schon wieder 13 Jahre zurück. Seitdem ist viel passiert im Leben der Schauspielerin, die in der Oberpfalz aufgewachsen ist und inzwischen auch wieder vorwiegend hier lebt. Anna Maria Sturm hat nicht nur zahlreiche Filme gedreht, sondern ist außerdem regelmäßig auf der Theaterbühne zu erleben. Weiterhin tritt sie mit ihrem "Anna Maria Sturm Quintett" immer wieder als Jazzsängerin auf. „Ich kann nicht sagen, was ich am liebsten mache“, sagt sie. „Das ist einfach alles ein Teil von mir.“

Anna Maria Sturm über einen Videodreh in Schwandorf

Ein Teil von ihr ist außerdem immer ihre Oberpfälzer Heimat geblieben. Auch als sie berufsbedingt nach Berlin zog, kam sie immer wieder regelmäßig hierher zurück. „Ich bin eben ein Landei“, sagt Anna Maria Sturm und lacht. „Dazu stehe ich auch. Ich mag einfach die Ursprünglichkeit, die Natur. Hier ist alles noch ein bisschen unaufgeregter. Schon als Kind hatte ich immer schnell Heimweh.“ Während es andere in ihrer Jugend möglichst weit weg zieht von daheim, war Anna Maria Sturm nach dem Abitur froh, dass sie an der Schauspielschule in München angenommen wurde. „Das war dann doch nicht ganz so weit weg von daheim.“

Wieder in der Oberpfalz

Vor einigen Monaten hat die Schauspielerin und Sängerin, die inzwischen auch Mutter einer kleinen Tochter ist, ihren Hauptwohnsitz wieder von Berlin in die Oberpfalz verlegt. „Mir wurde es auf Dauer in der Stadt zu eng“, erzählt sie. „Ich wollte es wieder ruhiger haben. Dazu kommt natürlich auch, dass meine Familie hier lebt.“ Ihre Wohnung in Berlin hat sie aber behalten. „Ich bin zwar ein Landmensch, aber es fehlt mir natürlich auch, wenn ich meine Kollegen so gar nicht mehr sehe. Und gerade Musiker leben eben meistens in der Stadt.“ Anna Maria Sturm genießt es, beides haben zu können. Die Ruhe hier in der Oberpfalz und auch den Trubel in der Hauptstadt – ab und zu zumindest, wenn ihr danach ist.

"Hier ist alles noch etwas unaufgeregter", sagt Anna Maria Sturm über die Oberpfalz.

"Wackersdorf" begleitet sie

Seit dem Film „Wackersdorf“, in dem Anna Maria Sturm die Rolle einer Umweltaktivistin spielte, die an die Geschichte ihrer Mutter Irene Maria Sturm angelehnt war, wird sie immer wieder auf der Straße erkannt. Etwas, an das sie sich noch gewöhnen muss. „Das ist mir halt in Berlin nie passiert“, sagt sie und muss wieder lachen. „Dort bin ich nun wirklich nichts Besonderes. Aber hier kommt es schon vor, dass ich sogar beim Tanken oder Einkaufen angesprochen werde. Da erschrecke ich dann immer erst einmal.“ Dieser Film führte jedoch nicht nur dazu, dass sie in ihrer Heimat noch ein bisschen bekannter wurde, sondern löste auch einige Erinnerungen aus. „Da kam vieles von früher wieder hoch“, erzählt Anna Maria Sturm, für die der Widerstand gegen die WAA ein Teil ihrer Kindheit war.

„Die Ausstattung des Films war ja wirklich sehr gut. Schon allein bei einigen Details wurde ich sofort wieder in diese Zeit zurückversetzt. Die ganzen Flugblätter, die Kostüme, die ganzen Komparsen mit den Haarschnitten von früher, das war zum Teil wirklich so, als würde man das Ganze noch einmal erleben. Nur aus einer ganz anderen Perspektive.“ Gut findet Anna Maria Sturm, der das Thema Umwelt- und Klimaschutz auch persönlich sehr am Herzen liegt, dass „Wackersdorf“ auch beim Publikum diese Thematik wieder ins Bewusstsein gebracht hat. „Die Frage ist doch aktueller denn je: Wie geht man mit seinem Müll um, auch mit dem Atommüll? Es belastet mich sehr, wenn ich sehe, was da um uns herum passiert. Wir steuern ins komplette Desaster hinein, wenn wir so weitermachen wie bisher.“ Anna Maria Sturm ist zwar keine Politikerin wie ihre Mutter, dennoch möchte auch sie sich in Zukunft mehr engagieren. „Mit einer Freundin zusammen denke ich darüber nach, einen Verein zu gründen, der sich für die Umwelt und soziale Zwecke einsetzt.“

Und auch sonst hat die sympathische Oberpfälzerin noch einiges vor. „Gerade habe ich einen Spielfilm für die ARD gedreht“, erzählt sie. "Bei mir ergibt sich das immer sehr spontan, was als nächstes ansteht.“ Natürlich macht Anna Maria Sturm auch ihre eigenen Projekte wie ihre Musik. Ein weiterer Wunsch: „Dass ich nach meinem ersten französischen Film auch in Frankreich noch mehr Fuß fasse und dort noch ein paar Filme drehen kann.“ Jetzt feiert Anna Maria Sturm jedoch erst einmal Weihnachten. Zusammen mit ihrer Familie und ihren Pferden, die natürlich auch hier in der Oberpfalz ihr Zuhause haben.

Wohin sie ihr beruflicher Weg auch führt: Anna Maria Sturm kommt immer wieder gern in ihre Heimat zurück.
Info:

Zur Person

  • Anna Maria Sturm (Jahrgang 1982) schloss 2007 ihre Schauspielausbildung an der renommierten Otto-Falkenberg-Schule in München ab. Schon als Schauspielstudentin stand sie mehrfach auf der Bühne der Münchner Kammerspiele
  • Parallel zu ihrer Theaterarbeit begann ihre Filmkarriere. Anna Maria Sturm wurde für die Hauptrolle in der Kinotrilogie „Beste Zeit“ (2007), „Beste Gegend“ (2008) und „Beste Chance“ (2014) von Marcus H. Rosenmüller besetzt.
  • Danach folgten weitere Fernsehrollen, wobei ihre bisher bekannteste wohl die der jungen Kommissarin „Anna Burnhauser“ sein dürfte, die sie in der Krimireihe „Polizeiruf 110“ bis 2013 verkörperte.
  • Im Dezember 2019 kam ihr erster internationaler Film in französischer Sprache „Les Traducteurs – Die Übersetzer“ in die Kinos.
  • Erste musikalische Auftritte begannen ebenfalls während ihres Schauspielstudiums. Hier sang sie erstmals bei Festen und Preisverleihungen für ein breiteres Publikum und entwickelte schnell ihre Liebe und Faszination für die klassische Musik und die des Jazz.
  • In dieser Zeit entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Saxophonisten und Komponisten Wanja Slavin, mit ihm trat sie zunächst in musikalischen Lesungen auf, bevor sie das Anna Maria Sturm Quintett gründete und 2014 ihre erste Jazz-Platte „Tales of Woe“ aufnahm.
  • Anna Maria Sturm widmet sich seither neben ihrer Tätigkeit als Schauspielerin immer intensiver der Musik, gründete 2016 das Trio „Love & Lost“ und plant demnächst einen weiteren Record-Release mit ihrem Quintett.
In ihrem ersten französischen Film „Les Traducteurs“ spielte die Oberpfälzerin 2019 eine Übersetzerin.
In der Krimireihe "Polizeiruf 110" war Anna Maria Sturm bis 2013 auch als Polizistin Anna Burnhauser zu sehen.
Bei den Münchner Kammerspielen stand sie 2013 bis 2015 im Stück "Fegefeuer in Ingolstadt" auf der Bühne.
Im Film "Wackersdorf" spielte Anna Maria Sturm 2018 die Rolle einer Umweltaktivistin, die an die Geschichte ihrer Mutter angelehnt war.
Bekannt wurde die Oberpfälzerin als Kati in Marcus H. Rosenmüllers Film "Beste Zeit" aus dem Jahr 2006.

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