15.05.2020 - 12:12 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Autodieb droht: "Ich knall' euch alle ab"

Einer der angegriffenen Polizisten sagt: "So etwas hat es in den letzten 20 Jahren in Schwandorf nicht gegeben". Uniformierte stellen einen Autodieb, der mit Haftbefehl gesucht wird. Der 25-Jährige drischt zu, wütet wie ein Berserker.

Ein Polizist leidet noch heute unter den Folgen der Verletzung, die ihn der Autodieb beigebracht hatte. Das Gericht verurteilte den Täter zu einer Haftstrafe.
von Autor HOUProfil

Der Mann auf der Anklagebank brachte 14 Vorstrafen mit. Ein in seiner Heimat Greifswald bekannter Gewalttäter, der trotz seiner 25 Jahre die Zellen von Justizvollzugsanstalten kennt. Wieder einmal auf freiem Fuß, stahl er ein Auto und machte sich auf die Fahrt nach Italien. In Schwandorf ging der Berufskoch von der Autobahn, weil ihm seine Mutter per Blitzauftrag Geld überweisen wollte. Grund: Nichts an Barmitteln dabei, der Tank fast leer.

Was in der oberpfälzischen Kreisstadt geschah, steht in den Annalen der lokalen Polizeiinspektion als (Zitat eines beteiligten Beamten) "heftigster Fall von Widerstand seit 20 Jahren". Zwei Uniformierte, 52 und 21 Jahre alt, kontrollierten den eben an der Hochrainstraße aus seinem Pkw gestiegenen Mann. Er flüchtete nach kurzem Wortwechsel zu Fuß, wurde eingeholt und sollte festgenommen werden.

Der 25-Jährige leistete Widerstand. Er trat und schlug um sich, wurde zu Boden gebracht. Dann biss er dem 21 Jahre alten Uniformierten in einen Finger. Dass geschah mit solch aggressiver Gewalt, dass der Beamte bis heute unter den Folgen leidet. Es kam noch schlimmer. Der Autodieb von der Ostseeküste griff nach der Dienstwaffe des Polizisten, umklammerte den Griff der Pistole und drohte: "Ich knall' euch alle ab!"

"Ich hatte Angst", ließ der auch durch Schienbeintritte attackierte Beamte jetzt vor dem Amberger Schöffengericht erkennen. Sein Kollege half ihm, so gut es in der eskalierenden Situation ging. Dann kam Verstärkung, wurde der 25-Jährige gefesselt. Doch Ruhe gab er nicht. Auf der Wache und später im Schwandorfer Krankenhaus führte er sich auf wie ein Berserker: Tritte, Hiebe, Beleidigungen.

Der Gewalttäter wurde auf Weisung der Staatsanwaltschaft Amberg wegen des bestehenden Haftbefehls nach Mecklenburg-Vorpommern überstellt. Den Unterlagen ließ sich jetzt entnehmen: In einer Justizvollzugsanstalt griff er kurz darauf abermals Beamte an. Deutlich wurde auch: Er hatte das vor seiner Festnahme in Schwandorf auch schon auf einer Polizeiwache im Osten Deutschlands getan. Einer also, der mit Athletenfigur rücksichtslos mit Einsatzkräften des Staates umsprang.

Für das unter Vorsitz von Kathrin Rieger tagende Schöffengericht war wichtig: In Schwandorf wurden vier Polizisten heftig attackiert. Einer von ihnen so, dass sein Finger wohl immer taub und geschädigt bleiben wird. Der Täter ließ über seinen Anwalt Thomas Penneke (Rostock) die wüsten Attacken einräumen. Er selbst entschuldigte sich. Doch der am heftigsten geschädigte Beamte, der um sein Leben fürchtete, mochte dieses Bedauern nicht annehmen.Der Prozess endete mit einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Staatsanwalt Frank Gaßmann hatte diese Ahnung beantragt.

Allerdings wurden in das Urteil zwei Ahndungen aus Mecklenburg-Vorpommern wegen Angriffen auf Staatsbeamte mit einbezogen. Außerdem darf der Mann eine momentan laufende Drogenentzugstherapie fortsetzen. Momentan ist er deswegen im Bezirkskrankenhaus Regensburg. Doch wegen der räumlichen Entfernung zu seinen Angehörigen möchte er gerne nach Rostock verlegt werden.

Lesen Sie hier: 20-Jähriger wird nach Messerattacke freigesprochen, muss aber in die Psychiatrie

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