31.08.2021 - 14:13 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Autotuner: "Wir werden immer kriminalisiert"

Kürzlich zog die Schwandorfer Polizei das aufgemotzte Auto eines 18-Jährigen wegen zahlreicher Verstöße aus dem Verkehr. Ist die Kreisstadt ein Hotspot für die Tuningszene? Wir haben mit der Polizei gesprochen – und mit einem Autotuner.

Mit einer Taschenlampe kontrolliert ein Beamter ein aufgemotztes Auto auf mögliche Verkehrsbeeinträchtigungen. Das passiert auch in Schwandorf immer wieder.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Tatort Gutenbergstraße in Schwandorf: Erneut haben sich dort autobegeisterte Jugendliche vergangenes Wochenende getroffen, um ihre aufgemotzten Autos zur Schau zu stellen. Prompt ging einer davon den Streifenbeamten der Polizei Schwandorf ins Netz, wie diese in einer Mitteilung veröffentlichten. Der Wagen, einer 3er BMW, war zu tief gelegt, nicht einmal acht Zentimeter über dem Boden. Und die aufgeschraubten Felgen waren auch nicht eingetragen. "Die Beamten sahen die Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt", heißt es, das Auto wurde aus dem Verkehr gezogen.

Ein 23-jähriger Tuningbegeisterter aus dem Landkreis Schwandorf hat dafür nur ein Schulterzucken übrig. "Wer bei uns aus der Szene dieser Leidenschaft nachgeht, kennt normalerweise die Regeln." Er möchte unerkannt bleiben, weder seinen echten Namen, die Marke seines Autos noch seinen Wohnort in der Zeitung lesen. "Man hat ansonsten nur noch die Polizei am Hals", ist er sich sicher. Er fühlt sich und "die Szene", wie er sagt, zu unrecht kriminalisiert.

Auto als Leidenschaft

Für ihn ist sein Auto seine große Leidenschaft - "da geht nichts drüber", wie er lachend sagt. Schon sein Vater, ein gelernter Automechaniker, hatte eine große Affinität für Autos, insbesondere ältere Baujahre. Und das hat er an seinen Sohn weitergegeben. "Wenn man die Geschichte des Autos kennt, dazu die alten Motoren mit Leistung, wenn man das das Klappern hört, das Wohlfühlen dabei - für mich gibt es nichts schöneres."

Sein Wagen ist für ihn auch ein Ausdruck seiner Individualität. "Ich möchte kein Auto, das jeder fährt, sondern eines, mit dem ich ausdrücken kann, wer ich bin." Auf seinem etwas älteren, tiefergelegten Gefährt, poliert bis in jede kleinste Ecke, prangen sportliche Felgen, die Farbe ist knallig. Ein Aufkleber ziert die Heckscheibe. Tuning, so sagt er, kann man quasi bereits schon kleinste Veränderungen am Auto nennen.

"Ich möchte mit meinem Auto keinen gefährden, ich mache das nicht für andere und ich bin schon gar kein Poser", macht er klar. "Autoposer", das Wort passt dem 23-Jährigen nicht. Für ihn klingt das abwertend, wie er sagt. Aber: "Sicherlich gibt es auch schwarze Schafe, die den ganzen Tag nichts besseres zu tun haben, als zehnmal mit zu lautem Auspuff um den Block zu fahren, um gesehen zu werden."

50 Delikte in diesem Jahr

Armin Kott, Dienststellenleiter in Schwandorf, sagt auf Anfrage von Oberpfalz-Medien, dass es in diesem Jahr 50 Verstöße gegen die Verkehrssicherheit durch Tuner gegeben habe. "Grundsätzlich halte ich diese Szene in Schwandorf für ein kleines Phänomen." Hotspots seien vor allem Amberg und Cham, wie auch der 23-Jährige bestätigen kann. Trifft man sich aber in Schwandorf, dann ist die Gutenbergstraße das Zentrum, sagt Kott. Streifenbeamte würden dort teilweise mit geschultem Personal gezielt kontrollieren, es gäbe aber auch immer wieder Mitteilungen von Anwohnern, die sich vom Lärm belästigt fühlen.

Was passiert eigentlich, wenn die Polizei auf ein Auto trifft, das die Verkehrssicherheit gefährdet? Kott sagt: "Hat das Auto gravierende Mängel, lassen wir es abschleppen und vom TÜV ein Gutachten erstellen." Sobald die Beweissicherung abgeschlossen sei, würde der Fahrzeughalter sein Auto wieder zurückbekommen und müsse Anpassungen vornehmen. "Das kontrollieren wir anschließend natürlich wieder." Dass Autos aus dem Verkehr gezogen werden, sei das äußerste Mittel, wie Kott sagt.

"Wollen keinem schaden"

Auch der 23-Jährige aus dem Raum Schwandorf hatte öfter mit der Polizei zu tun - meistens waren die Begegnungen aber freundlich. Er lacht. "Sobald Beamte ein Auto sehen, das nicht der Norm entspricht, man als Fahrer vielleicht noch tätowiert ist, dann ist man natürlich gleich im Visier." Schade sei das, wie er sagt. "Wir werden irgendwie immer von der Allgemeinheit kriminalisiert." Er selbst habe sich immer im Rahmen des Erlaubten bewegt, versichert er.

"Ich würde mir wünschen, dass unsere Szene allgemein nicht nur als lästig empfunden wird. Dass der schlechte Ruf, den wir oft haben, mal ein Ende nimmt", macht er klar. "Wir, die das als Hobby und Leidenschaft machen, wollen keinem schaden." Aber: "Ein paar Unbelehrbare gibt es natürlich immer."

Das Auto eines 18-Jährigen wurde in Schwandorf aus dem Verkehr gezogen

Schwandorf

Seriöse Tuner werden oft mit "Posern" über einen Kamm geschoren

Amberg
Hintergrund:

Das ist Tuning und diese Strafen drohen

  • "Tuning" stammt vom Englischen "to tune" und bedeutet so viel wie "frisieren" oder "anpassen".
  • Fahrzeugbesitzer können auf verschiedene Weise ihr Auto tunen und Umbauten an den Fahrzeugteilen durchführen: unter anderem an der Technik (zum Beispiel Getriebe oder Motor), am Fahrwerk und an der Karosserie. Die Umbauten dienen dazu, die Leistung zu steigern, das Aussehen des Kfz zu verändern oder die Akustik oder Aerodynamik zu ändern.
  • Bei Verstößen drohen folgende Strafen laut Bußgeldkatalog:
  • ABE oder Bauart­genehmigung nicht mitgeführt: 10 Euro.
  • Fahrzeug ohne gültige Betriebs­erlaubnis gefahren: 50 Euro.
  • Durch Fahren ohne Betriebs­erlaubnis die Umwelt beeinträchtigt: 90 Euro.
  • Durch Fahren ohne Betriebs­erlaubnis die Verkehrs­sicherheit beeinträchtigt: 90 Euro und ein Punkt in Flensburg.

"Wir, die das als Hobby machen, wollen keinem schaden."

23-jähriger Autotuner aus dem Landkreis Schwandorf

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.