16.11.2018 - 16:42 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bahnhof Schwandorf: Service-Zug abgefahren

Persönlicher Service am Bahnsteig: Damit ist es am Bahnhof bald vorbei. Das betrifft nicht nur Fragen nach einer Verbindung. Wer wegen eines Handicaps Hilfe braucht, muss das am Vortag anmelden. Oder auf nette Mitreisende hoffen.

Das ist der "barrierefreie" Übergang zu den Gleisen am Schwandorfer Bahnhof. Er darf nur in Begleitung Berechtigter genutzt werden. Das war bisher Personal der Bahn. Am nächstes Jahr soll die Mobilitätshilfe ein Taxiunternehmen übernehmen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Schon im März hatte die Bahn bestätigt, dass die Servicestelle in dem kleinen Häuschen zwischen Gleis 2 und 3 zum Ende des Jahres geschlossen wird. Die Zugansagen und Zugzielanzeigen werden dann von Regensburg aus bedient. "Hilfeleistungen für mobilitätseingeschränkte Reisende wird nach vorheriger Anmeldung bei unserer Mobilitätsservice-Zentrale durch ein Taxiunternehmen übernommen", teilte ein Bahnsprecher gegenüber den Oberpfalz-Medien mit. Das heißt: Wer Hilfe braucht, muss sich am Vortag bis 20 Uhr anmelden. Wer etwa wegen eines Zugausfalls nach Schwandorf umgeleitet wird und Hilfe braucht, hat schlechte Papiere. Denn barrierefrei ausgebaut ist der Schwandorfer Bahnhof bekanntlich nicht. Wer zu den Bahnsteigen will, muss über Treppen und durch Tunnel. Ein Übergang über die Gleise ist nur in Begleitung eines Berechtigten möglich. Die Servicestelle gibt bisher für die Stadt auch die Parkkarten für den Park&ride-Platz beim Busbahnhof aus.

Kommune kann zahlen

Unmittelbar nach dem Bericht der Oberpfalz-Medien haben sich Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier und Oberbürgermeister Andreas Feller (beide CSU) an den Konzernbevollmächtigten der Bahn für Bayern, Klaus-Dieter Josel gewandt und gebeten, die Entscheidung zu überdenken. Josels Antwort: Es bleibt bei der Schließung, der "Mobilitätsservice" werde über private Hilfsdienste organisiert. Außerdem biete die DB Station und Service AG an, "dass die Kommunen Serviceleistungen bestellen und finanzieren". Bedeutet: Wenn die Stadt Personal am Bahnhof für notwendig erachtet, soll sie es auch bezahlen.

Holmeier wurde dann in einem Schreiben an den Vorstandsvorsitzenden der Bahn AG, Dr. Richard Lutz, sehr deutlich: "Den Vorschlag, dass die Kommune die Leistung bei der Deutschen Bahn AG kostenpflichtig beauftragen kann, empfinde ich als Sauerei." Die Bahn habe in den vergangenen Jahren Milliarden an Steuergeldern erhalten. "Da sollte es durchaus möglich sein, die Servicestelle am Bahnhof Schwandorf zumindest so lange zu erhalten, bis der Bahnhof barrierefrei ausgebaut ist." Die Antwort kam wieder von Josel und lässt sich kurz zusammenfassen: Es bleibt bei der Entscheidung.

Auch der OB habe sich mit deutlichen Worten gegen eine Schließung der Servicestelle am Knotenbahnhof gewandt, teilte Rathaus-Sprecher Lothar Mulzer mit. Feller habe seine Verärgerung darüber zum Ausdruck gebracht, erneut bei einem Gespräch mit Bahn-Verantwortlichen im September. Im Ergebnis blieb: Der Verkauf von Parktickets für den P&R-Parkplatz soll im DB-Center in der Schalterhalle (zu den dort begrenzten Öffnungszeiten) laufen.

"Bedauerlicherweise wird mit diesem Vorhaben die Betreuung der Fahrgäste und der Bahnkunden gen Null reduziert und dies bei kontinuierlich steigenden Fahrpreisen", so die Mitteilung aus dem Rathaus. Bislang ist die Servicestelle am Bahnhof montags bis samstags von 6.45 bis 18.15 Uhr besetzt, sonntags von 9.45 bis 21.15 Uhr. Das Reisezentrum (Fahrkartenausgabe im Bahnhof) ist von Montag bis Donnerstag von 6.30 bis 16.50 Uhr (Mittagspause von 12.10 bis 12.55 Uhr), freitags von 6.10 bis 16.50 und samstags von 6.45 bis 12.15 Uhr geöffnet. Sonntags ist zu.

"Wird sogar schlechter"

"Wir sind äußerst unglücklich über die Entscheidung", sagt VdK-Kreisgeschäftsführer Bernd Steinkirchner. Bei dem Verband, der sich auch um die Belange Behinderter kümmert, schlagen nach seinen Worten "immer wieder Beschwerden" über den Bahnhof auf. Angesichts der Ankündigungen, dass der barrierefreie Ausbau kommen werde, meinte Steinkirchner: "Tatsächlich passiert ist nichts, die Situation wird sogar noch schlechter." Er habe schon selbst erlebt, dass Menschen mit Handicap, mit Rollator oder Kinderwagen auf nette Mitreisende zählen mussten, um zum Zug oder zum Ausgang zu gelangen, sagte Steinkirchner.

Bei rund 6000 Reisenden pro Tag am Schwandorfer Bahnhof ist klar, dass der Bedarf nach Hilfen nicht unerheblich ist. Das lässt sich vor Ort beobachten oder im Gespräch mit Pendlern feststellen. Die Hilfen betreffen nicht nur Menschen mit Handicap oder Eltern mit Kinderwagen. Gerade in den vergangenen Monaten mit beinahe regelmäßigen Verspätungen oder Zugausfällen etwa beim "Alex" sind oft genug Fahrgäste regelrecht in Schwandorf gestrandet. Kompetente, persönliche Hilfe vor Ort ist da gerngesehen. Aber diese Argumente scheinen die Verantwortlichen der Bahn nicht zu beeindrucken. Anders sind die hartleibigen Antworten an die politisch Verantwortlichen nicht zu werten.

Den Vorschlag, dass die Kommune die Leistung kostenpflichtig bei der Deutschen Bahn AG beauftragen kann, empfinde ich als Sauerei.

MdB Karl Holmeier in einem Brief an Bahnchef Richard Lutz.

Die Servicestelle am Bahnhof Schwandorf in dem kleinen Häuschen zwischen Gleis 2 und 3 wird ab Januar nicht mehr besetzt sein. Trotz des Protestes von MdB Karl Holmeier und der Stadt bleibt die Bahn bei ihrer Entscheidung.

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